Bluthochdruck (Hypertonie)

 

Der systolische und diastolische Blutdruck

 

Vielen Menschen mit zu hohem oder zu niedrigem Blutdruck ist nicht klar, warum das so ist, warum sie teilweise einen höheren Blutdruck nicht spüren oder warum es ihnen zum Beispiel beim Aufrichten nach einer gebückten Haltung schwindlig wird. Es wäre auch zu viel verlangt, allen Nichtmedizinern ein Fachwissen abzuverlangen, um den Sachverhalt zu Blutdruckungentgleisungen objektiv beurteilen zu können. Schließlich sind dafür die Ärzte zuständig. Doch diese klären oftmals nicht richtig auf, sondern behandeln die Patienten nach Schema „F“. Und wenn es dem Hochdruckpatienten mit oder trotz der Behandlung schlecht geht, liegt das an den Umständen der Blutdruckentgleisung, aber nicht an den Medikamenten, wie der Laie meint.

Oft ist dem aber leider nicht so. Allzu häufig werden Routine-Medikamentierungen ohne Rücksicht auf die individuelle Situation und Anamnese eingesetzt. Und wenn die Medikamente nicht so schnell den Blutdruck senken, wie erhofft, wird einfach die Dosis erhöht und vielleicht noch ein zweites, drittes oder viertes Arzneimittel zur Blutdrucksenkung zusätzlich verordnet. Frei nach den Mottos „Eines wird schon Helfen“ und „Die Dosis macht‘s“.

Wer jedoch unter Blutdruckentgleisungen leidet, sollte sich schon näher mit dem Problem befassen und sich nicht einfach auf die Medikamentenverordnung verlassen, vor allem dann nicht, wenn es einem nach dieser noch schlechter geht als zuvor. Und selbst dann nicht, wenn der Blutdruck unter die von vielen Fachärzten gewünschte Grenze von 120/90 mmHG gefallen ist.

 

 

Bluthochdruck
Bluthochdruck kann schnell gefährlich werden

 

Was bedeuten der systolische und diastolische Wert?

 

Wenn das sauerstoffreiche Blut von der linken Herzkammer in die Arterien gepumpt wird, öffnet sich dabei die Aortenklappe, um den Blutstrom ungehindert in die Arterien zu pumpen. Hierbei entsteht auf die Arterienwände ein Druck, der systolische Druck (Systole; griech. für „Zusammenziehen“, also Kontraktion des Herzmuskels). Dieser Vorgang erfolgt stoßweise und ca. 100.000 Mal pro Tag. 

Danach erschlafft die linke Herzkammer und dehnt sich aus, wobei sich die Aortenklappe wieder schließt. Dadurch wird verhindert, dass Blut zurück ins Herz fließt, das sich ja mit neuem sauerstoffreiche Blut füllen muss. Da kein Blut mehr gepumpt wird, nimmt der Druck in den Gefäßen langsam wieder ab und vermindert sich auf den untersten, den diastolischen Wert. Dieser Restdruck (Diastole; griech. für „Ausdehnung“; bezogen auf die linke Herzkammer) ist notwendig, um bei geschlossener Aortenklappe Blut in die rechte und linke Coronararterie des Herzens zu pumpen, die vom Anfangsteil der Aorta, kurz oberhalb der Aortenklappe, dem Sinus Aortae, abgehen und bei geöffneter Aortenklappe durch diese verschlossen sind.

 

 

Systolischer und diastolischer Wert: Normalwerte

 

Die optimalen Blutdruckwerte liegen zwischen 120 bzw. 80 mmHg.  Früher hieß es ab einem Alter von Sechzig, der obere Blutdruclwert, also der systolische, könne bei 100 + Alter liegen. Dies wäre bei einem Sechzigjährigen 160 mmHg.  Neueren Fachmeinungen und den europäischen Leitlinien zufolge soll der Blutdruck bei über 65-Jährigen auf unter 140/90 mmHg, besser bei 120/90 mmHg eingestellt werden. Dies ist bei älteren Menschen, die unter Hypertonie leiden, kaum zu realisieren – nur mit Medikamenten. Letzteres dürfte der Hauptgrund für jene Behauptung sein. Zumal eine derart aggressive Blutdrucksenkung auf 120 mmHg, wie sie in der SPRINT-Studie von 2015 untersucht wurde, für die Herzgesundheit auch nachteilig sein kann. Dies zeigte eine andere Studie dergestalt, dass bei einer starken Blutdrucksenkung gleichfalls der diastolische Druck, der in Deutschland meist etwas stiefmütterlich beurteilt wird, heruntergedrückt wird, wodurch eine Unterversorgung des Herzmuskels mit Sauerstoff die Folge sein kann. Dies wiederum kann zu subklinischen Myokardschäden führen bis hin zur Herzinsuffizienz. (ARIC-Kohorte „Atherosclerosis Risk in Communities“, geleitet durch John McEvoy von Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore: Insgesamt 15.792 Personen, im Mittel 57 Jahre alt, wurden darin ca. 21 Jahre lang beobachtet.) 

 

Das heißt, ein zu niedriger diastolischer Druck birgt die Gefahr, die Coronararterien nicht mehr ausreichend mit Blut zu versorgen. Alexander Flint und sein Team von der Krankenkasse „Kaiser Permanente“ in Oakland folgern daher: „Der diastolische Blutdruck in der Therapie darf nicht ignoriert werden.“ Das Team stützt sich dabei auf folgende Untersuchungsergebnisse, nach denen Patienten mit einem durchschnittlichen systolischen Blutdruck von 160 mmHg ein Risiko von 4,8 Prozent haben, innerhalb von acht Jahren einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden. Patienten mit 136 mmHg dagegen nur ein Risiko von 1,9 Prozent. Bei diastolischen Drücken von 96 beziehungsweise 81 mmHg beläuft sich dieses Risiko auf 3,6 beziehungsweise 1,9 Prozent.

 

Es ist sicherlich sinnvoll, wenn man einen Mittelweg sucht, der möglichst ohne hohen Arzneieinsatz zu erreichen ist. Zumal Medikamente nicht ohne Nebenwirkungen sind. Dieser angestrebte Mittelwert könnte bei 135 -140 zu 85 bis 90 mmHg liegen. Man sollte auch nicht die erste Messung nehmen, sondern nach einer kurzen Ruhephase noch zweimal nachmessen und deren Mittelwert nehmen. Vor allem Messungen beim Arzt sollten dahingehend beurteilt werden, dass die Werte durch die Aufregung erhöht sind. Dies ist ähnlich wie mit den Cholesterin-Werten, die bei Stress ansteigen. Und aus Angst, ein schlechtes Mess-Ergebnis zu erhalten, steht jeder, oder fast jeder, unter Stress. 

 

Rauchen sollten die Patienten insbesondere nicht vor der Blutdruckkontrolle. Professor Hoyer: Der obere Wert kann während des Rauchens und in den 15 bis 30 Minuten danach um bis zu 20 mm Hg ansteigen. Dies kann dann leicht zu falschen Therapieempfehlungen führen. Weniger gefährlich ist eine Tasse Kaffee. Sie steigere den Blutdruck vorübergehend um 1 bis 2 mm Hg.

 

In einer anderen Studie wurde sogar festgestellt, dass bei Menschen, die älter als 80 Jahre sind oder die bereits einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt hatten, das Sterberisiko sogar steigt, wenn die Blutdruckwerte unter 140/90 mmHg fallen. Dies ergab auch eine Beobachtungsstudie der Berliner Charité, an der mehr als 1.600 Frauen und Männern teilnahmen, die zu Beginn der Studie im Jahr 2009 mindestens 70 Jahre alt waren und unter blutdrucksenkender Behandlung standen. Wie die Wissenschaftler feststellten, hatten bei den über 80-Jährigen diejenigen, deren Blutdruck bei unter 140/90 mmHg lag, ein um 40 Prozent höheres Sterberisiko als diejenigen, deren Blutdruck mehr als 140/90 mmHg betrug. Die Wissenschaftler raten deshalb, dass die Behandlung eines erhöhten Blutdrucks bei diesen Patientengruppen individuell angepasst werden sollte. Man solle davon abkommen, die Empfehlungen der Fachgesellschaften pauschal bei allen Patientengruppen anzuwenden.

 

 

Risikofaktoren, die eine Hypertonie begünstigen

 

Primäre Hypertonie

Besteht ein Bluthochdruck, ohne dass andere Erkrankungen zugrunde liegen, spricht man von einer primären oder essenziellen Hypertonie. Unterschiedliche Faktoren können diese häufigste Form des Hochdrucks fördern. Die meisten kennen diese Faktoren.

  1. Stress
  2. Stress
  3. Stress
  4. familiäre Disposition (Vererbung)
  5. Übergewicht
  6. fettreiche Ernährung
  7. Bewegungsmangel,
  8. zu hoher Salzkonsum
  9. Rauchen
  10. zu viel Alkohol

 

Sekundäre Hypertonie

 

Eine sekundäre Hypertonie liegt vor, wenn ein erhöhter Blutdruck als Folge einer anderen Erkrankung auftritt. Nur bei rund 10 % aller Hochdruck-Patienten ist dies der Fall.

Ursachen können sein: 

  • chronischen Nierenerkrankungen
  • Schwangerschaft
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Medikamente:  Anti-Baby-Pille, Kortison, Glukokortikoide, Johanniskraut, abschwellende Nasensprays, einzelne Psychopharmaka
  • angeborene Verengung der Hauptschlagader
  • Schlafapnoe-Syndrom
  • Diabetes mellitus

 

Was verursacht hohen diastolischen Blutdruck?

  • salzreiche Ernährung
  • Übergewicht
  • Mangel an körperlicher Aktivität
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • Stress und Angst
  • Medikamente wie Amphetamine, Antidepressiva, orale Kontrazeptiva, Koffein, atypische Antipsychotika oder Steroide

 

 

Medikamentöse Behandlung der Hypertonie

 

Fünf Hauptgruppen von Arzneimitteln stehen für die Therapie zur Verfügung.

  • ACE-Hemmer; Hemmen das Hormon Angiotensin II, das die Gefäße eng stellt und den Blutdruck erhöht. Nebenwirkungen: Reizhusten, Benommenheit, Hautausschläge, Durchfälle, Kopfschmerzen, Schwindelattacken, Übelkeit, zu niedriger Blutdruck, Schwellungen in Gesicht, Rachen und Speiseröhre, Anstieg des Kaliumspiegels im Blut (dadurch Muskelschwäche und Krämpfe), können bei hoher Dosis das Risiko an Lungenkrebs zu erkranken erhöhen.
  • AT1-Antagonisten (Angiotensin-Rezeptorblocker, Sartane). Nebenwirkungen: Hautausschläge, Magen-Darm-Beschwerden, Störungen des Zentralnervensystems im Gehirn mit Kopfschmerzen und Müdigkeit, Bei einem Prozent kam es zu einem sehr starken Blutdruckabfall, ebenfalls bei 1 Prozent stieg der Kaliumspiegel im Blut an und das Kreatinin kann erhöht sein.
  • Kalzium-Antagonisten; erweitern die Blutgefäße und senken dadurch den Blutdruck. Nebenwirkungen: Schwellung der Beine, langsamer aber auch schneller Herzschlag, allergische Reaktionen, Gesichtsrötung (Flush) und allgemeines Wärmegefühl, Schwindel, Kopfschmerzen, Impotenz, Verstopfung, Hyperplasie des Zahnfleischs mit anschließender starker Entzündung. Weiterhin kann es zu Angina-Pectoris-Anfällen, zu Herzklopfen und Herzrasen kommen. In Verbindung mit Betablockern kann es zu einer lebensgefährlichen Verlangsamung des Herzschlags kommen kann. 
  • Beta-Blocker. Risiken und Nebenwirkungen: verlangsamter Herzschlag (Bradykardie),Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit, plötzlichen Blutdruckabfall beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall oder Verstopfung, Kältegefühl und Taubheit in den Händen oder Füßen, Depressionen, Schlafstörungen, Atemnot, Erektionsstörungen.
  • Diuretika (Entwässerungsmittel); wirken entwässernd, steigern die Salzausscheidung und erweitern die Gefäße. Nebenwirkungen: Störungen im Elektrolythaushalt (z.B. Kalium-, Natrium- und Magnesiummangel und damit bei starkem Mangel zu Herzrhythmusstörungen), Dehydrierung, Thrombosen durch Blutverdickung. Da die Diuretika zur Behandlung einer Hypertonie jedoch nur gering dosiert werden, besteht die Gefahr von Nebenwirkungen kaum.
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