altesgemuese
4.6/5

Ob Pastinake, Schwarzwurzel oder Topinambur – diese alten Gemüsesorten sind in den heimischen Gärten fast in Vergessenheit geraten. Dabei liefern sie viele Vitamine und gerade im Winter ist das besonders wichtig.

 

Einheitsgemüse, das das ganze Jahr über im Supermarkt zu kaufen ist, hat die alten vergessene Gemüsesorten zum großen Teil verdrängt. Aber gerade das alte Wintergemüse bietet jetzt unschätzbare Vorteile: Weil es nicht um die halbe Welt transportiert wird, sondern frisch ist, enthält es besonders viele wertvolle Inhaltsstoffe. Zudem ist importiertes Gemüse gerade im Winter manchmal mit Rückständen von Pflanzenschutzmittel belastet.

 

 

Topinambur

 

Vergessene Gemüsesorten

 

Die sogenannte Erdbirne wird in Deutschland von Oktober bis Mai geerntet. Topinambur stammt ursprünglich aus Nord- und Mittelamerika und kam im 17. Jahrhundert nach Europa. Vor allem im 19. Jahrhundert war die Pflanze eine wichtige Nahrungs- und Futterquelle. Später hat dann die Kartoffel den Topinambur fast vollständig verdrängt. Zu Unrecht, denn die Knolle, enthält viel Vitamine der B-Gruppe und Folsäure. Der Mehrfachzucker Inulin in Topinambur fördert das Wachstum wichtiger Darmbakterien.

Beim Kauf sollte man auf die Schale achten. Je heller sie ist, desto feiner ist der Geschmack. In Sand eingegraben halten sich die Knollen bis zu zwei Monate. Im Kühlschrank maximal fünf Tage – am besten in ein feuchtes Tuch eingewickelt.

 

 

Pastinake – Vergessene Gemüsesorten aus dem alten Rom

 

Vergessene Gemüsesorten

 

Die Rüben werden nach dem ersten Frost geerntet und bis ins Frühjahr gelagert. Die Hirschmöhre, wie die Pastinake auch genannt wird, war schon in der Steinzeit ein beliebtes Nahrungsmittel, besonders populär war sie im Alten Rom. Wilde Pastinaken wachsen in ganz Europa. Weil Pastinaken sehr zuckerhaltig sind, wurden sie früher gern zu Marmelade und Wein verarbeitet. Wegen ihres süßen Geschmacks eignen sie sich besonders für Babynahrung.

In den USA und England gelten sie als Delikatesse. Pastinaken enthalten vor allem Vitamin C und Folsäure. Die kleinen und harten Wurzeln schmecken am besten, größere sind oft holzig. Gelagert werden sie am besten kühl und trocken, dann halten sie auch einige Wochen.

 

 

Petersilienwurzel

Die Petersilienwurzel gibt es ab Oktober den ganzen Winter durch zu kaufen. Sie wächst wild von Spanien bis Griechenland aber auch in Nordafrika. Griechen und Römer haben den so genannten Steinsellerie nach Mitteleuropa gebracht. Neben der Schnittpetersilie dient die Wurzel heute hauptsächlich als Gewürz. Petersilienwurzeln enthalten sehr viele verschiedene Vitamine in nennenswerter Menge. Im Laden sollte man – wie bei anderen Wurzeln auch – darauf achten, dass sie möglichst fest sind. Petersilienwurzeln halten sich mehrere Wochen, wenn sie kühl und trocken gelagert werden.

 

 

Schwarzwurzel

Die Schwarzwurzel wurde im 18. Jahrhundert kultiviert und galt lange als „Spargel der Armen“. In Zeiten des Wirtschaftswunders ist die Schwarzwurzel dann von unserem Speiseplan weitgehend verschwunden. Der Saft der wilden Urform war bei den Römern und im Mittelalter ein beliebtes Heil- und Entgiftungsmittel und wurde etwa gegen die Pest eingesetzt. Der Gesamtnährwert der Schwarzwurzel ist extrem hoch. Sie enthält viermal soviel Kohlehydrate wie Spargel und ist in ihrem Nährwert nur vergleichbar mit Erbse und Bohne.

Beim Verarbeiten von frischen Schwarzwurzeln sollte man einiges beachten: Beim Schälen tritt klebriger Milchsaft aus der Wurzel aus. Deshalb am besten Handschuhe und Schürze anziehen, denn der Saft hinterlässt hartnäckige Flecken. Da der Milchsaft an der Luft schnell oxidiert und die eigentlich weiße Wurzel braun färbt, empfiehlt es sich, die geschnittene Schwarzwurzel schnell in eine Wasserschüssel mit etwas Mehl zu legen. Auch in das Kochwasser sollte man etwas Mehl einrühren, um die Farbe zu erhalten.

 

Vitaminbombe blaues Sauerkraut

Sauerkraut lässt sich nicht nur aus Weißkohl, sondern genauso aus Rotkohl bzw. Blaukraut herstellen. Dazu das Blaukraut in feine Streifen schneiden oder hobeln; anschließend in einen Topf geben, mit Salz bestreuen und mit einem Krautstampfer zerstampfen. Bevor das Kraut luftdicht eingeschlossen wird, mit Beschwerungssteinen belegen. Das Salz entzieht dem Kraut die Flüssigkeit. Durch den im Topf entstehenden Prozess der Milchsäuregärung wird das Blaukraut konserviert. So bleiben die wertvollen Vitamine erhalten. Nach etwa sechs Wochen kann man das blaue Sauerkraut essen – es schmeckt milder und feiner als das weiße Sauerkraut und ist eine echte Vitaminbombe für den Winter.

 

 

Mangold

Mangold (Beta vulgaris subsp. vulgaris) ist ein vielseitiges Blattgemüse, das nicht nur durch seine kulinarische Vielfalt, sondern auch durch seinen beeindruckenden Nährstoffgehalt überzeugt. Diese Pflanze aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse ist eng mit Rüben und Rote Bete verwandt und wird weltweit in vielen verschiedenen Küchen geschätzt.

Vergessene Gemüsesorten

 

Vitamin- und Nährstoffgehalt von Mangold

  1. Vitamin A: Mangold ist eine ausgezeichnete Quelle für Vitamin A, das wichtig für die Sehkraft, das Immunsystem und die Hautgesundheit ist. Eine Portion Mangold kann einen erheblichen Anteil des täglichen Bedarfs an Vitamin A decken.
  2. Vitamin K: Mangold ist besonders reich an Vitamin K, das eine entscheidende Rolle bei der Blutgerinnung spielt und auch für die Knochengesundheit wichtig ist. Eine ausreichende Vitamin-K-Zufuhr kann dazu beitragen, die Knochengesundheit im Laufe des Lebens zu unterstützen.
  3. Vitamin C: Vitamin C, ein starkes Antioxidans, das zur Immunabwehr beiträgt und die Zellen vor Schäden durch freie Radikale schützt, ist ebenfalls in Mangold enthalten. Es hilft auch bei der Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Quellen.
  4. Folsäure: Folsäure oder Vitamin B9 ist für die Zellteilung, die Bildung von DNA und RNA sowie die gesunde Entwicklung des Fötus während der Schwangerschaft unerlässlich. Mangold ist eine gute pflanzliche Quelle für Folsäure.
  5. Kalium: Dieses Mineral ist wichtig für die Aufrechterhaltung des Flüssigkeits- und Elektrolytgleichgewichts im Körper. Es unterstützt auch die Herzgesundheit und die Funktion von Nerven und Muskeln.
  6. Magnesium: Mangold enthält Magnesium, das für die Muskelfunktion, den Energiestoffwechsel und die Knochengesundheit von Bedeutung ist.
  7. Ballaststoffe: Ballaststoffe sind in Mangold vorhanden und tragen zur Förderung einer gesunden Verdauung bei, indem sie die Darmgesundheit unterstützen und den Blutzuckerspiegel stabilisieren.
  8. Antioxidantien: Mangold enthält antioxidative Verbindungen wie Beta-Carotin, Lutein und Zeaxanthin, die dazu beitragen können, die Zellen vor oxidativem Stress und altersbedingten Augenerkrankungen zu schützen.
  9. Kalorienarm: Mangold ist kalorienarm, was ihn zu einer ausgezeichneten Wahl für diejenigen macht, die auf ihre Kalorienzufuhr achten oder Gewicht verlieren möchten.

 

Insgesamt ist Mangold ein bemerkenswertes Blattgemüse, das nicht nur kulinarische Vielseitigkeit bietet, sondern auch eine Fülle von Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien liefert, die zur Förderung einer optimalen Gesundheit beitragen können. Egal, ob er gekocht, gedünstet oder roh verzehrt wird, Mangold ist eine wertvolle Ergänzung zu einer ausgewogenen Ernährung.

 

 

Rote Bete

Rote Bete, wissenschaftlich Beta vulgaris subsp. vulgaris, ist ein vielseitiges Gemüse, das nicht nur für seine leuchtend rote Farbe und seinen einzigartigen Geschmack bekannt ist, sondern auch für seinen beeindruckenden Nährstoffgehalt und seine gesundheitlichen Vorteile. Dieses Wurzelgemüse gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse und ist eng mit Mangold und Zuckerrüben verwandt.

 

Vitamin- und Nährstoffgehalt von Rote Beete

Vergessene Gemüsesorten

  1. Folsäure: Rote Beete ist eine ausgezeichnete Quelle für Folsäure, auch bekannt als Vitamin B9. Dieses Vitamin ist wichtig für die Zellteilung, die DNA-Synthese und die gesunde Entwicklung des fötalen Nervensystems während der Schwangerschaft.
  2. Kalium: Rote Beete enthält Kalium, ein Mineral, das zur Regulierung des Blutdrucks, zur Muskel- und Nervenfunktion sowie zur Aufrechterhaltung des Flüssigkeits- und Elektrolytgleichgewichts im Körper beiträgt.
  3. Ballaststoffe: Das Gemüse ist reich an Ballaststoffen, die die Verdauung unterstützen, die Darmgesundheit fördern und den Blutzuckerspiegel stabilisieren können.
  4. Eisen: Rote Beete enthält Eisen, ein lebenswichtiges Mineral, das für den Sauerstofftransport im Körper und die Energieerzeugung von Bedeutung ist.
  5. Vitamin C: Rote Beete ist eine gute Quelle für Vitamin C, ein starkes Antioxidans, das das Immunsystem stärkt, die Wundheilung fördert und die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Quellen verbessert.
  6. Betalaine: Die tiefrote Farbe der Rote Beete wird durch Betalaine verursacht, natürliche Pflanzenstoffe mit antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften. Diese Verbindungen können dazu beitragen, das Risiko von chronischen Krankheiten zu verringern.
  7. Nitrate: Rote Beete enthält natürlicherweise Nitrate, die im Körper in Stickstoffmonoxid umgewandelt werden können. Stickstoffmonoxid unterstützt die Erweiterung der Blutgefäße, was den Blutfluss verbessern und den Blutdruck regulieren kann.

 

 

Gesundheitliche Wirkung von Rote Beete

Herzgesundheit: Die enthaltenen Ballaststoffe, Kalium und Nitrate in Rote Beete können zur Senkung des Blutdrucks beitragen und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen reduzieren.

Entzündungshemmung: Die antioxidativen und entzündungshemmenden Eigenschaften von Betalainen können dazu beitragen, Entzündungen im Körper zu reduzieren und chronische Krankheiten vorzubeugen.

Gesunde Verdauung: Die Ballaststoffe in Rote Beete fördern eine gesunde Verdauung und unterstützen die Darmgesundheit.

Energie und Ausdauer: Aufgrund des hohen Nitratgehalts kann der Verzehr von Rote Beete die Sauerstoffeffizienz verbessern und die Ausdauer bei körperlicher Aktivität steigern.

Antioxidative Wirkung: Die Betalaine und Vitamin C in Rote Beete tragen dazu bei, die Zellen vor oxidativem Stress zu schützen und das Risiko von Zellschäden zu verringern.

Entgiftung: Rote Beete kann dazu beitragen, die Lebergesundheit zu unterstützen und Entgiftungsprozesse im Körper zu fördern.

 

Insgesamt ist Rote Beete nicht nur ein köstliches und vielseitiges Gemüse, sondern auch eine nährstoffreiche Quelle mit vielfältigen gesundheitlichen Vorteilen. Ihre reiche Palette an Vitaminen, Mineralstoffen und bioaktiven Verbindungen macht sie zu einer wertvollen Ergänzung für eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise.

 

 

Mairübe

Die Mairübe (Brassica rapa), auch bekannt als „Herbstrübe“, ist ein vielseitiges Wurzelgemüse, das in vielen Kulturen beliebt ist. Mit ihrem milden, leicht süßen Geschmack und knackigen Textur bereichert sie den Speiseplan. Sie enthält eine Fülle von Vitaminen und Nährstoffen, die zur Gesundheit beitragen:

 

Vitamin- und Nährstoffgehalt:

Vergessene Gemüsesorten

Vitamin C: Die Mairübe ist reich an Vitamin C, einem starken Antioxidans, das das Immunsystem stärkt und die Zellen vor Schäden schützt.

Ballaststoffe: Mit ihrem hohen Ballaststoffgehalt fördert sie die Verdauung, reguliert den Blutzuckerspiegel und trägt zur Sättigung bei.

Vitamin K: Mairüben enthalten Vitamin K, das zur Blutgerinnung und Knochengesundheit beiträgt.

Kalium: Dieses Mineral ist wichtig für die Herzgesundheit und den Flüssigkeitshaushalt im Körper.

 

 

 

Gesundheitliche Wirkung:

Gesunde Verdauung: Die Ballaststoffe unterstützen die Darmgesundheit, fördern eine regelmäßige Verdauung und können Verstopfung vorbeugen.

Gewichtsmanagement: Der hohe Ballaststoffgehalt und geringe Kaloriengehalt machen Mairüben zu einer hervorragenden Wahl für Menschen, die ihr Gewicht kontrollieren möchten.

Immunität: Vitamin C stärkt das Immunsystem und hilft dem Körper, Infektionen abzuwehren.

Herzgesundheit: Kalium kann den Blutdruck senken und das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern.

Knochengesundheit: Vitamin K ist wichtig für die Knochengesundheit und kann dazu beitragen, Osteoporose vorzubeugen.

Antioxidative Wirkung: Die enthaltenen Antioxidantien können Zellschäden durch freie Radikale reduzieren und das Risiko von chronischen Krankheiten minimieren.

 

Mairüben können roh in Salaten, gedünstet, gebraten oder gekocht verzehrt werden. Ihr reicher Vitamin- und Nährstoffgehalt macht sie zu einer gesunden Ergänzung zu einer ausgewogenen Ernährung. Die Mairübe ist nicht nur schmackhaft, sondern bietet auch vielfältige gesundheitliche Vorteile, die zu einem aktiven und gesunden Lebensstil beitragen können.

Steffen Gruss
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