Warum Bauchfett gefährlich werden kann

Bauchfett ist nicht gleich Bauchfett

 

In den westlichen Industrieländern gibt es ein stark „gewichtiges“  Gesundheitsproblem – das Übergewicht und somit oft auch ein Zuviel an Bauchfett. Aber warum Bauchfett? Ist Fett nicht gleich Fett?

Kaum ein anderes Körpergewebe  wurde so lange vernachlässigt wie das Fettgewebe, insbesondere die Fettzonen, welche sich um unseren Bauch ansammeln.

Dieses Bauchfett produziert nämlich – im Gegensatz zum Fett an anderen Körperstellen – Stoffe, welche den Körper auf lange Sicht stark schädigen können. So steigern diese z.B.  den Appetit und fördern die Entstehung einer Vielzahl der typischen Zivilisationskrankheiten  wie Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs. Selbst bei der Krankheit  Alzheimer vermutet man,  das ein Zuviel an Bauchfett, eine mögliche Ursache dafür sein könnte.

Aus diesem Grund sollte man für mehr Gesundheit im Leben auch mal auf sein Bauchfett achten.

 

 

 

Das Bauchfett – Das größte „Hormonorgan“ des Körpers

 

Was viele nicht wissen –  Bauchfett ist in der Lage hormonähnliche Stoffe herzustellen.

Die hartnäckigen Fettpolster um unsere Bauchregion, sind über die sogenannte Aromatase (ein Eiweiß-Enzym, welches im Bauchfett erzeugt wird) in der Lage,  das männliche Hormon Testosteron in Östrogen umzuwandeln.

Aber was bedeutet das für unseren Körper?

Östrogene führen zur Wasser- und Fetteinlagerung im Körper und zu einer Verringerung der Fettsäureverbrennung, d.h. es kommt zu einer Gewichtzunahme mit unerwünschten Fetteinlagerungen.
Die hormonellen Gegenspieler der Östrogene sind das Progesteron und das männliche Sexualhormon Testosteron. Allerdings sind beide oft im Vergleich zum Östrogen in der Unterzahl. Besonders dann, wenn zusätzliches Östrogen in den Fettpolstern der Bauregion produziert wird.

 

 

Stress und Bauchfett

Ein weiterer Faktor der zum Hormonellen Ungleichgewicht und damit bei den meisten Menschen zur Fettleibigkeit führt, ist der chronische Stress. Aber warum?
Eine chronische Stressbelastung führt dazu, dass eine erhöhte Menge an Stresshormonen (Cortison/Cortisol) in der Nebenniere produziert wird. Dazu braucht unser Körper erhöhte Mengen von Progesteron, da Progesteron eine der Vorstufen für die Synthese des Cortisons ist. Dieser erhöhte Verbrauch führt ebenfalls zu einem Östrogen-Ungleichgewicht mit all seinen Folgen.

Beim Mann führt die Östrogen Dominanz, neben dem typischen Bierbauch zur Feminisierung und damit zur Störung der Fertilität (Fruchtbarkeit).

 

 

 

Moderner Lebensstil – Ursache für viele Gesundheitsprobleme

 

Es gibt zwar die eine oder andere Stoffwechselkrankheit, welche das Bauchfett fördert, in den wenigsten Fällen ist dies allerdings die Ursache für ein bestehendes  Übergewicht. Das Hauptproblem ist in den meisten Fällen unser moderner Lebensstil.

Laut dem Robert-Koch-Institut, leidet jeder zweite Mann und jede dritte Frau an Übergewicht. Und das ist noch nicht alles. Nach Schätzung von Experten bringt jedes sechste Kind in Deutschland einige Kilos Zuviel auf die Waage.

 




Ursachen für die Bildung von Bauchfett

 

Wer, wo und wieviel Fett jeder einzelne von uns am Körper ablagert, können wir  leider nicht beeinflussen. Hier spielt die erbliche Veranlagung eine entscheidende Rolle, ob wir eher zu der Gruppe der guten oder der schlechten Futterverwerter gehören.

Allerdings gibt es einige Ursachen für ungesundes Bauchfett, welche wir  in den meisten Fällen selbst zu verschulden haben. Wir essen zu viel, meistens noch das falsche und unsere tägliche Bewegung nimmt auch immer mehr ab. Die dadurch zusätzlich erworbenen Energiereserven werden dann auch gleich im Körper, in Form von Fett,  gespeichert. Aber es gibt noch weitere Ursachen für Gewichtsprobleme, wie z.B.:

 

 

Zusammensetzung der Darmflora

 

Die Nahrung, die uns immer und überall zur Verfügung steht, enthält meist zu viele Fette und Zucker. Und diese Stoffe schaden auch der Darmflora. Dies haben amerikanische Wissenschaftler anhand von Tests an Mäusen herausgefunden.  So entdeckten die Forscher, dass eine bestimmte Bakterienart, im Darm bei fett- und zuckerhaltiger Nahrung sich übermäßig vermehrt und somit die Kalorienaufnahme aus dem Darm begünstigt. Was wiederrum eine mögliche Ursache für Übergewicht und Fettleibigkeit darstellt.

Neben der Verschiebung der Bakterienzusammensetzung im Darm gibt es jedoch weitere Einflussfaktoren auf das Gewicht, wie Mangel an körperlicher Bewegung, psychische Belastung oder die Einnahme von bestimmten Medikamenten. Der erblich festgelegte Grundumsatz im Stoffwechsel könnte zwar eine Rolle spielen, allerdings kann eine Häufung von Adipositas in Familien auch darauf zurückzuführen sein, dass schlechte Essgewohnheiten an den Nachwuchs weitergegeben werden.

Schlafmangel

 

Auch unser Biorhythmus hat eine enorme Auswirkung auf unseren Organismus. Viele Verdauungsenzyme und Botenstoffe verändern sich im Takt der biologischen Uhr und nehmen in ihrer Konzentration ab und zu. Dies pendelt sich normalerweise mit einer Periode von 24 Stunden in ein harmonisches Gleichgewicht ein. Gönnt man sich in der Nacht nicht ausreichend Bettruhe, so kann dieses empfindliche Gleichgewicht schnell kippen.

 

Schlafstörungen
Gesunder Schlaf ist Lebensqualität

 

Bei Ein- und durchschlaf Problemen fallen die für den Appetit zuständigen Hormone Grehlin und Leptin ab, welches ein gesteigertes Hungergefühl zur Folge hat.

Bei Testpersonen, die nur vier Stunden jede Nacht schliefen, schütten die Zellen weniger von dem Appetitzügler „Leptin“ und weniger Insulin aus. Dafür wurde mehr von dem appetitanregenden Ghrelin freigesetzt. Wodurch die Betroffenen sich ständig hungrig fühlten. Der negative Nebeneffekt – es  werden zusätzlich mehr Nährstoffe aus dem Essen in Form von Bauchfett gebunkert.

 




 

 

Medikamente und Erkrankungen

 

Auch Medikamente wirken nicht immer bei jedem Mensch auf die gleiche Art und Weise. Nebenwirkungen können bei jedem individuell auftreten und sind zudem von der Dosierung und anderen Faktoren abhängig. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten können ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen.

 

Medikamente oft Ursache für ungesundes Bauchfett

 

Eine genaue Liste aller Medikamente, die dicker machen, gibt es aus diesem Grund leider nicht. Dennoch gibt es einige Wirkstoffgruppen, bei denen eine Gewichtszunahme häufig beobachtet wird. Hierzu zählen unter anderem:

  • kortisonähnliche Wirkstoffe (Glucocorticoide)
  • Medikamente gegen psychische Erkrankungen (Antidepressiva und Antipsychotika)
  • Insulin und andere Medikamente bei Diabetes
  • Hormonpräparate
  • Arzneimittel gegen Epilepsie (Antikonvulsiva)
  • Medikamente gegen Bluthochdruck wie Betablocker
  • Migränemittel wie Pizotifen und Flunarizin
  • antiallergische Medikamente (Antihistaminika)
  • entzündungshemmende Schmerzmittel(z.B. Ibuprofen oder Diclofenac)
  • bestimmte Medikamente gegen Parkinson (Dopaminagonisten)

 

 

 

Wann bin ich zu dick?

 

In vielen Fällen ist das eine Frage, die jeder für sich selbst beantworten muss. Gerade durch das vorgefertigte Musterbild eines Idealgewichtes durch die Medien, scheiden sich bei dieser Frage oft die Meinungen.

Unabhängig davon ist Fett eine natürliche Energiereserve des Körpers. Auf die er in Notlagen zurückgreift. Dazu gehören auch Krankheiten. Dies könnte erklären, warum ausgerechnet Herzkranke und Patienten nach Operationen besser überleben, wenn sie dick sind

Dennoch sollte man das Thema „zu Dick sein“ immer individuell bewerten. Denn leider ist ein tatsächliches Übergewicht sehr oft die Grundlage für viele unserer Zivilisationserkrankungen.

Doch woher weiß ich nun ob mein Bauchfett normal, ungesund oder sogar schon gefährlich sein könnte?

 

 

BMI – Der Body-Mass-Index

 

Früher war der Body-Mass-Index (kurz BMI) das Maß aller Dinge und wer hier einen schlechten Wert hatte war zu Fett.  Doch diese Einteilung verliert immer mehr an seiner Wertigkeit. Denn wenn man die Gesundheit mit dem BMI bewerten würde, dann würden Dicke (bei einem BMI zwischen 25 und 27), laut vielen Studien,  oft länger als Normalgewichtige leben.

Abgesehen davon ist der Wert welcher aus der Körpergröße und dem Gewicht berechnet wird in vielen Fällen nicht besonders aussagekräftig. Man stelle sich mal einen Sportler vor. Diese bringen oft  einige Kilos auf die Waage und haben somit auch einen höheren BMI-Wert. Doch bei den wenigsten würde man diese als zu dick einstufen. Und warum ist das so? Weil sie oft viel mehr Muskeln als Fett haben und diese wiegen auch mehr als das „böse“ Fett.

Aus diesem Grund ist der BMI ein netter Wert, aber nicht sehr aussagekräftig.

 

 

Waist-to-Height Ratio (WHTR) – der bessere Vergleichswert

 

Ein weitaus besserer Referenzwert ist der der Waist-to-Height Ratio, kurz WHtR , welcher durch das Verhältnis von Bauchumfang  und Körpergröße  bestimmt wird. Anders als beim BMI wird beim WHtR nicht das Körpergewicht sondern der Taillenumfang zur Körpergröße ins Verhältnis gesetzt. Und gerade hier spielt das Bauchfett eine entscheidende Rolle.

Der WHtR ist somit ein Methode, neben dem reinen Gewicht auch die Verteilung des Körperfetts zu ermitteln: sitzt das Fett an der Taille (wo es besonders schädlich ist) oder sitzt es an anderen Stellen (wo es nicht so schädlich ist)?

 




 

 

Berechnung

 

Hier finden Sie die Rechenformel und unterschiedliche Tabellen.

 

Rechenformel

WHtR = Bauchumfang [cm] / Körpergröße [cm]

 

Jugendliche  bis 15

<0,34 Untergewicht
0,34 – 0,45 Normalgewicht
0,46 – 0,51 Übergewicht
0,52 – 0,63 Fettleibigkeit (Adipositas)
>0,63 Schwere Adipositas

bis 40

<0,4 Untergewicht
0,4 – 0,5 Normalgewicht
0,51 – 0,56 Übergewicht
0,57 – 0,68 Fettleibigkeit (Adipositas)
>0,68 Schwere Adipositas

ab 50

<0,4 Untergewicht
0,4 – 0,6 Normalgewicht
0,61 – 0,66 Übergewicht
0,67 – 0,78 Fettleibigkeit (Adipositas)
>0,78 Schwere Adipositas

 

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