Lachgas
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Lachgas – Das Wichtigste in Kürze

  • Was ist Lachgas? Ein farbloses Gas mit süßlichem Geruch, das oft als Anästhetikum genutzt wird.
  • Wirkung: Schnelle Euphorie, Lachen und Entspannung.
  • Risiken: Sauerstoffmangel, Nervenschäden, psychische Folgen.
  • Gesetzliche Regelungen: Verkauf an Minderjährige verboten, Missbrauch kann rechtliche Konsequenzen haben.

Was ist Lachgas?

Lachgas, wissenschaftlich als Distickstoffmonoxid (N2O) bekannt, ist vielen durch seinen Spitznamen „lachendes Gas“ ein Begriff. Ursprünglich in der Medizin als Betäubungsmittel und Schmerzstiller eingesetzt, hat es in den letzten Jahren als Partydroge an Popularität gewonnen. Es scheint auf den ersten Blick wie ein harmloser Spaß, schließlich bringt es Menschen zum Lachen und entspannt sie. Doch hinter dieser scheinbar unschuldigen Fassade lauern ernsthafte Risiken. Also, was steckt wirklich hinter diesem Gas? Lass uns einen genaueren Blick darauf werfen.

 

Lachgas: Eine Reise durch die Zeit

 

Lachgas
So wurde Lachgas früher in der Medizin verabreicht

Die Geschichte von Lachgas reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1772 entdeckte der englische Naturwissenschaftler Joseph Priestley das Gas, nannte es jedoch zunächst „Luft der Salpetersäure“. Erst 1799 prägte der britische Chemiker Humphry Davy den Begriff „Lachgas“, nachdem er die euphorisierende Wirkung des Gases bei sich selbst und anderen Probanden beobachtet hatte.

Zunächst fand Lachgas vor allem Anwendung als Unterhaltungsmittel auf Jahrmärkten und in „Lachgas-Salons“. Die lustvolle und befreiende Wirkung des Gases begeisterte viele Menschen.

Doch schon bald entdeckten Mediziner das Potenzial von Lachgas als Schmerzstiller und Narkosemittel. 1844 führte der amerikanische Zahnarzt Horace Wells die erste Zahnoperation unter Lachgasanästhesie durch.

In den folgenden Jahrzehnten etablierte sich Lachgas als gängiges Narkosemittel in der Chirurgie. Es war jedoch nicht frei von Nebenwirkungen, und mit der Entwicklung neuer Anästhetika wie Äther und Chloroform verlor Lachgas im 20. Jahrhundert an Bedeutung.

Heute wird Lachgas in der Medizin vor allem in der Zahnmedizin und Geburtshilfe eingesetzt. In der Zahnmedizin dient es zur Angstlinderung und Schmerzlinderung bei kurzen Eingriffen. In der Geburtshilfe wird es zur Linderung von Geburtsschmerzen eingesetzt.

Auch in der Industrie findet Lachgas Verwendung, zum Beispiel als Treibmittel in Spraydosen und als Oxidationsmittel in Raketenmotoren.

Die Geschichte von Lachgas zeigt, wie sich die Wahrnehmung und Verwendung einer Substanz im Laufe der Zeit verändern kann. Von der Vergnügungsdroge zum Schmerzstiller und Narkosemittel – Lachgas hat eine bewegte Vergangenheit und ist auch heute noch in verschiedenen Bereichen relevant.

 

 

Die Wirkung von Lachgas im Körper

Die Wirkung von Lachgas auf den Körper lässt sich auf verschiedene Ebenen erklären:

  1. Zentrale Nervenwirkung:

Lachgas wirkt auf das zentrale Nervensystem (ZNS), indem es die Aktivität des Neurotransmitters GABA erhöht. GABA ist ein hemmender Neurotransmitter, der die Erregbarkeit von Nervenzellen herabsetzt. Dies führt zu einer Reihe von Effekten, die für den typischen Lachgasrausch verantwortlich sind:

  • Euphorie und Glücksgefühle: Die Hemmung der neuronalen Aktivität in Gehirnregionen, die mit Angst und Furcht assoziiert sind, führt zu einem Gefühl von Entspannung und Wohlbefinden.
  • Schmerzlinderung: Die Hemmung der Schmerzweiterleitung im Rückenmark und im Gehirn bewirkt eine Reduzierung der Schmerzempfindung.
  • Sedierung und Schläfrigkeit: Die Dämpfung der neuronalen Aktivität im Thalamus und anderen Hirnregionen kann zu Schläfrigkeit und Sedierung führen.
  • Halluzinationen: In hohen Dosen kann Lachgas zu Halluzinationen führen, da es die Aktivität in Hirnregionen beeinflusst, die für die Wahrnehmung zuständig sind.
  1. Kreislaufwirkung:

Lachgas hat eine gefäßerweiternde Wirkung, was bedeutet, dass es die Blutgefäße erweitert und den Blutdruck senken kann. Dies kann bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu Komplikationen führen.

  1. Sauerstoffmangel:

Lachgas kann die Aufnahme von Sauerstoff in die roten Blutkörperchen beeinträchtigen. Dies kann zu einem Sauerstoffmangel im Gewebe führen, der mit Schwindel, Übelkeit und Erbrechen verbunden sein kann. In Extremfällen kann Lachgas sogar zum Tod durch Erstickung führen.

  1. Langzeiteffekte:

Langfristiger Missbrauch von Lachgas kann zu neurologischen Schäden führen. Vitamin-B12-Mangel, der durch Lachgas verursacht wird, kann zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln, Muskelschwäche und sogar Lähmungen führen.

Zusammenspiel der Effekte:

Die verschiedenen Wirkungsmechanismen von Lachgas führen zu einem komplexen Zusammenspiel von Effekten, die sowohl positive als auch negative Folgen haben können. Die Dosierung und die individuellen Gegebenheiten des Nutzers spielen dabei eine entscheidende Rolle.

 

 

Lachgas: Ab in den Rausch mit fatalen Folgen

Die Wirkung von Lachgas setzt schnell ein. Nach dem Inhalieren aus Ballons oder Druckbehältern verspüren Nutzer meist ein Gefühl von Euphorie, Entspannung und Gelächter. Kribbeln und Leichtigkeit im Körper sind ebenfalls typische Effekte. Doch der Rausch ist nur von kurzer Dauer – nach wenigen Minuten verfliegt die Wirkung.

Die scheinbar harmlose Droge birgt jedoch ernste Risiken. Die akuten Folgen von Lachgasmissbrauch können schwerwiegend sein:

  • Sauerstoffmangel: Durch die Verdrängung von Sauerstoff im Blut kann es zu Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und sogar Bewusstlosigkeit kommen. In Extremfällen kann Lachgas sogar zum Tod führen.
  • Verletzungen: Die berauschende Wirkung kann zu riskantem Verhalten und Unfällen führen. Stürze und Prellungen sind häufige Folgen des Lachgaskonsums.
  • Neurologische Schäden: Langfristiger Missbrauch von Lachgas kann zu neurologischen Schäden führen. Vitamin-B12-Mangel, der durch Lachgas verursacht wird, kann zu Taubheitsgefühlen, Kribbeln, Muskelschwäche und sogar Lähmungen führen.
  • Erhöhtes Suchtpotenzial: Regelmäßiger Lachgaskonsum kann zu einer Abhängigkeit führen. Entzugssymptome wie Depressionen, Angstzustände und Schlafstörungen sind die Folge.

 

Risikogruppen besonders gefährdet

Die negativen Auswirkungen von Lachgas sind bei bestimmten Personengruppen besonders ausgeprägt:

  • Schwangere und Stillende: Für Schwangere und Stillende ist Lachgas absolut tabu. Die negativen Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes sind nicht absehbar.
  • Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Die herz-kreislauf-belastende Wirkung von Lachgas kann bei Menschen mit Vorerkrankungen fatale Folgen haben.
  • Psychisch Kranke: Bei Menschen mit psychischen Erkrankungen kann Lachgas die Symptome verstärken und zu manischen oder depressiven Episoden führen.

 

Langzeitschäden lauern im Verborgenen

Die akuten Auswirkungen von Lachgasmissbrauch sind zwar eindrücklich und potenziell lebensbedrohlich, doch die Langzeitschäden dieser Droge sind oft weniger offensichtlich und daher umso tückischer.

Neurologische Schäden:

Eines der gravierendsten Risiken von Lachgas ist die Beeinträchtigung des Nervensystems. Lachgas kann die Umwandlung von Vitamin B12 in seine aktive Form blockieren. Vitamin B12 ist essentiell für die Funktion der Nervenzellen. Ein Mangel an aktivem Vitamin B12 führt zu einer Schädigung der Myelinscheiden, der Schutzhüllen der Nervenfasern. Diese Schädigung kann zu einer Reihe von neurologischen Symptomen führen, darunter:

  • Taubheitsgefühle und Kribbeln: Diese Missempfindungen können in Händen, Füßen und anderen Körperteilen auftreten.
  • Schwäche und Lähmungen: In fortgeschrittenen Stadien kann es zu Muskelschwäche und sogar Lähmungen kommen.
  • Gangstörungen: Die Koordinationsstörungen können so stark sein, dass Gehen und Stehen kaum noch möglich sind.
  • Störungen der Blasen- und Darmfunktion: Beeinträchtigung der Nerven, die die Blase und den Darm kontrollieren, kann zu Inkontinenz und Verstopfung führen.
  • Psychische Beeinträchtigungen: In einigen Fällen kann Lachgasmissbrauch auch zu psychischen Problemen wie Depressionen, Angstzuständen und Psychosen führen.

Die Gefahr der Abhängigkeit:

Lachgas kann trotz seiner kurzzeitigen Wirkung zu einer Abhängigkeit führen. Abhängige Personen konsumieren die Droge in immer größeren Mengen und immer kürzeren Abständen, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Entzugssymptome wie Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Angstzustände und depressive Verstimmungen können bei abruptem Absetzen des Konsums auftreten. In schweren Fällen kann es sogar zu Krampfanfällen und Delirium kommen.

 

Studien und Fakten

Eine Studie aus dem Jahr 2020 zeigt, dass der Missbrauch von Lachgas in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat. Laut der Studie haben etwa 5% der jungen Erwachsenen in Europa mindestens einmal Lachgas ausprobiert. Diese Statistik verdeutlicht, dass Lachgas längst keine Randerscheinung mehr ist, sondern ein ernstzunehmendes Thema im Bereich der Freizeitdrogen.

Tabelle: Häufigkeit des Lachgas-Konsums in Europa

Land Prozentuale Nutzung unter jungen Erwachsenen
Deutschland 4%
Niederlande 7%
Großbritannien 5%
Frankreich 3%

Die Zahlen zeigen deutlich, dass der Gebrauch von Lachgas unter jungen Menschen in verschiedenen europäischen Ländern weit verbreitet ist. Dies sollte ein Weckruf sein, die Risiken und Auswirkungen besser zu verstehen und aufzuklären.

 

 

FAQ

1. Was ist Lachgas und wie wird es verwendet?

Lachgas ist ein farbloses Gas, das in der Medizin als Betäubungsmittel und Schmerzmittel verwendet wird. Es wird meistens durch Inhalation über eine Maske oder einen Ballon aufgenommen.

2. Wie wirkt Lachgas auf den Körper?

Es sorgt schnell für Euphorie, Lachen und Entspannung. In höheren Dosen können auch Halluzinationen auftreten. Die Effekte sind kurzlebig und dauern nur wenige Minuten.

3. Welche Risiken sind mit Lachgas verbunden?

Zu den Risiken gehören Sauerstoffmangel, Nervenschäden, psychische Auswirkungen und Gefahren durch unsachgemäße Anwendung.

4. Kann Lachgas zu einer Abhängigkeit führen?

Ja, bei regelmäßigem Gebrauch kann es zu psychischen Abhängigkeiten und Störungen führen.

5. Ist der Verkauf von Lachgas in Deutschland legal?

Der Verkauf ist streng reguliert, und der Verkauf an Minderjährige ist verboten. Missbrauch kann rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

6. Warum verursacht Lachgas Nervenschäden?

Lachgas kann einen Vitamin B12-Mangel verursachen, der zu Nervenschäden führt.

7. Was sind die Symptome eines Lachgasmissbrauchs?

Symptome können Taubheitsgefühle, Kribbeln, Koordinationsprobleme, Angstzustände und depressive Episoden sein.

8. Wo kann man Hilfe bekommen, wenn man Lachgas missbraucht?

Es gibt viele Beratungsstellen und Hotlines, die Hilfe bieten. Eine gute Anlaufstelle in Deutschland ist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

 

 

Fazit: Finger weg von Lachgas!

Die kurzzeitige Freude am Lachgasrausch steht in keinem Verhältnis zu den gravierenden gesundheitlichen Risiken. Wer seinen Körper und seine Gesundheit schützen möchte, sollte die Finger von Lachgas lassen. Es gibt weitaus bessere und vor allem harmlosere Wege, um Glücksgefühle und Entspannung zu erleben.

 

 

Weitere Informationen:

 

 

 

Steffen Gruss
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