Bitterstoffe

 

Ein altes Sprichwort sagt: „Bitter ist das Leben und süß ist der Tod.“ Aber sind Bitterstoffe wirklich so gesund? In der alten Volksmedizin hatten Bitterstoffe einen vorderen Platz in der Reihe der wichtigsten Heilkräuter. Antonius Musa (60 n. Chr.), Leibarzt von Kaiser Augustus, empfahl dem römischen Volk zur Förderung der Verdauung allabendlich eine Schüssel bitterer Kräuter.  Sie dienten damals wie auch heute  als Appetitanreger, Verdauungshilfe und Kräftigungsmittel. Sie wärmen den  Organismus von innen heraus und kurbeln die Verdauung und Stoffwechsel an und erleichtern das Abnehmen.

Bitterstoffe

 

Bitterstoffe waren seit jeher die Hauptbestandteile von Lebenselixieren wie den mittelalterlichen „Theriaks“, der Vorgänger der heute bekannten Schwedenbitter-Mischung. Aus dem alten Wissen stammt auch das geflügelte Wort von der „bitteren Medizin“. Die Wertschätzung kraftspendender Bitterpflanzen bringt ein Name wie Tausendgüldenkraut deutlich zum Ausdruck. Traditionell waren sie auch ein wichtiger Bestanteil der Frühjahrskur.

Die ur­sprüng­li­che Er­näh­rung des Men­schen um­fass­te eine Viel­zahl bit­ter­stoff­hal­ti­ger Wur­zel­ge­mü­se, Blatt­ge­mü­se und Wild­pflan­zen. Heutzutage sind die richtigen Bitterstoffe leider zum größten Teil aus unseren Nahrungsmitteln verschwunden.

 

 

Bitterstoffrezeptoren in der Haut

Was viele nicht wissen – auch unsere Haut besitzt spezielle Rezeptoren für Bitterstoffe. Diese wurden  2015 erstmals in der menschlichen Epidermis nachgewiesen. Untersuchungen des Forschungszentrums Skinitial an der Universitäts-Hautklinik Freiburg haben gezeigt: Pflanzliche Bitterstoffe, zum Beispiel Amarogentin aus dem Gelben Enzian und Salicin aus der Weidenrinde, können an Bitterstoffrezeptoren der Epidermis binden.

Durch den Einfluss der Bitterstoffe wird ein Kalzium-Einstrom in den Keratinozyten ausgelöst. Dieses hat zur Folge das vermehrt Schutzproteine in der Epidermis gebildet werden.

Diese Schutzproteine (Filaggrin, Involucrin und verschiedene Keratine) spielen beim Aufbau der Hautbarriere eine wichtige Rolle. Sie bilden zusammen mit bestimmten Lipiden eine Barriere in der äußersten Hornschicht der Epidermis. Diese verhindert, dass Wasser und Schadstoffe in die Haut eindringen oder diese durch Wasserverlust austrocknet.

Weiterhin regen, laut derselben Forschungsgruppe, Bitterstoffe die Synthese von Hautlipiden in den Keratinozyten an. Diese Hautlipide werden ebenfalls für den Aufbau der Hautbarriere benötigt.

Fazit: Bitterstoffe können eine sinnvolle Ergänzung  bei der Pflege trockener Haut mit geschädigter Barriere, zum Beispiel bei Kontaktekzem und Neurodermitis, sein.

 

 

 

Bitterstoffe und ihre Wirkungen

 

Bitterstoffe regen die Verdauung an

Bit­ter­stof­fe för­dern die ge­sam­te Ver­dau­ung und be­ein­flus­sen so viele weitere Kör­per­funk­tio­nen. Sie helfen dabei, dass der Körper wichtige Verdauungsenzyme ausschüttet,  denn nur so kön­nen Nähr- und Vi­tal­stof­fe optimal aufgenommen und jede ein­zel­ne Zelle damit ver­sorgt wer­den.

Gerade eine mangelhafte Verdauung ist nicht gerade selten die Grundursache vieler heutiger Krankheiten. Die Schwie­rig­kei­ten be­gin­nen meist mit einer Ma­gen­ver­stim­mung, mit Sod­bren­nen oder Blä­hun­gen. Lang­fris­tig kann es zu chro­ni­schen Magen- bzw. Ver­dau­ungs­pro­ble­men, zu Leber- und Gal­len­be­schwer­den und zu Schwie­rig­kei­ten mit der Bauch­spei­chel­drü­se kom­men.

Gerade ältere Menschen, bei denen die Produktion von Speichel und Verdauungssäften oft verringert ist, benötigen vermehrt Bitterstoffe, um die nachlassende Produktion von Speichel und Verdauungssäften sowie Stoffwechsel und Appetit anzukurbeln (siehe Rezept: Wurzelwein).

 

„Was bitter im Mund, ist dem Magen gesund.“ Altes Sprichwort

 

Bittere Pflanzen regen die Ausschüttung der Verdauungssäfte in Magen, Galle und Bauchspeicheldrüse an. Die Magenschleimhaut wird vermehrt durchblutet und alle Verdauungsvorgänge gesteigert. Dies wiederum verstärkt den Appetit und unterstützt den Magen bei seiner Entleerung.

Durch die vermehrte Gallensekretion und erhöhte Aktivität der Bauchspeicheldrüse werden auch mehr nahrungsspaltende Enzyme ausgeschüttet, so dass Eiweiß, Kohlenhydrate und vor allem Fette besser verdaut werden.

Außerdem können fettlösliche Vitamine (A, D, E und K) und Mineralien wie Eisen besser resorbiert werden.

 

Bitterstoffe machen müde Menschen munter

Durch die Verbesserung der Eisen- und Vitamin-B12-Aufnahme über den Darm wird nebenbei auch die Blutbildung angeregt.

Besonders bei Menschen, die stets müde und antriebslos sind, können Bitterstoffe oft wahre Wunder wirken.  Sie wirken allgemein antriebs- und energiesteigernd, wärmend (z.B. Ingwer) und stimmungsaufhellend.

Aus diesem Grund werden Bitterstoffe traditionell schon lange bei folgenden Beschwerden eingesetzt:

  • chronisch kalten Händen und Füßen,
  • Antriebsschwäche, Schwächezuständen, Konzentrationsstörungen, Erschöpfung,
  • Ängsten und depressiven Verstimmungen

 

 

 

Bitterstoffe bei Verstopfung und Darmpilze

Bitterstoffpflanzen wirken durch  ihre Gallenfluss fördernden Eigenschaften leicht abführend und aktivieren zusätzlich die Darmbewegungen. Zudem wird eine geschädigte Darmschleimhaut durch die Aktivierung der gesamten Verdauungssäfte dazu angeregt, vermehrt Stoffwechselrückstände auszuscheiden. Aus diesem Grund hat sich ergänzend zu einer Darmsanierung oder Antipilztherapie eine zusätzliche Einnahme von Bitterstoffen bestens bewährt. Abgesehen davon fühlen sich  Viren, Pilze und Bakterien bei einer intakten Darmschleimhaut nicht besonders wohl (unpassendes Milieu) und siedeln sich deshalb viel schwerer an.

 

Bitterstoffe mobilisieren das Immunsystem

Bitterstoffe aktivieren die unspezifische Abwehr des Körpers und regen die Schweißbildung an. Dadurch sind sie besonders beliebt bei fieberhaften grippalen Infekten. In der alten Volksheilkunde kaute man z.B. die Wurzel des Engelwurz, wenn man das Haus Infektionskranker betrat




 

Bitterstoffe stärken das Herz

Bitterstoffe haben einen starken Einfluss auf die Kontraktionskraft des Herzens, erweitern die Herzkranzgefäße und erhöhen die Gefäßspannung der Venen. So wird das Blut und die Wärme im ganzen Körper besser verteilt und gleichzeitig das Herz besser versorgt. Im Volksmund heißt es nicht umsonst: „Bitter ist gut für das Herz“

 

Bitterstoffe ersetzen oft den Säureblocker

Gerade bei leichteren Verdauungsproblemen, bei denen oft zu schnell zu dem bekannten Säurebockern gegriffen wird, sollte man auch mal an Bitterstoffe denken. Da sie den Kör­per zur ver­stärk­ten Pro­duk­ti­on ei­ge­ner Ver­dau­ungs­säf­te an­re­gen, ver­hel­fen sie zu einer ge­sun­den und voll­stän­di­gen Ver­dau­ung.

 

Der Körper sagt was im fehlt

Eine Abneigung gegenüber Bitterstoffe ist oft ein Zeichen für einen „Bitterstoffmangel“. Die Erfahrung hat gezeigt, dass ge­ra­de die  Men­schen, die eine ex­trem gros­se Ab­nei­gung ge­gen­über dem Ge­schmack von Bit­ter­stof­fen emp­fin­den, diese Stof­fe be­son­ders drin­gend be­nö­ti­gen.

 

Bitterstoffe – Welche Arten gibt es?

Reine Bitterstoffdrogen (Amara pura) sind: Gelber Enzian, Tausendgüldenkraut, Fieberklee, Andorn, Benediktendistel, Isländisches Moos, Hopfen, Mariendistel, Löwenzahn, Condurango.

Aromatische Bitterstoffe (Amara aromatica) sind in Gewürzdrogen wie Basilikum, Bohnenkraut, Rosmarin, Thymian oder auch in Wermut, Calmus, Kurkuma, Engelwurz, Liebstöckel, Galgant und in Doldenblütlern wie Anis, Kümmel, Fenchel, Koriander, Dill.

Alkaloide als Bitterstoffe: Schöllkraut, Chinarinde.

Bitterstoffdrogen sind nicht chemisch definiert, sie können also ganz unterschiedliche Zusammensetzungen haben.

 

In der Pflanzenheilkunde werden Bittermittel eingeteilt in:

  • Amara tonica (Enzian, Tausendgüldenkraut, Artischocke, Löwenzahn): stärkend, verdauungsfördernd.
  • Amara aromatica mit ätherischen Ölen (Engelwurz, Hopfen, Kalmus, Schafgarbe, Wermut): verstärkt verdauungsfördernde und keimhemmende Wirkung.
  • Amara acria mit scharfem, feurigem Geschmack (Ingwer, Galgant, Gelbwurz): intensiv verdauungsfördernd, keimtötend und blähungswidrig.
  • Amara mucilaginosa (Isländisch Moos) sind schleimhaltig: schützende Wirkung auf entzündete Schleimhäute des Magens und der Atemwege.

 

 

 

Einige Bitterstoff-Rezepte

Tee bei Verdauungsstörungen, Völlegefühl, Blähungen: 30 g Pfefferminzblätter mit je 25 g Fenchelfrüchten und Kamillenblüten und 20 g Pomeranzenschalen. 1 TL der Mischung im Mörser anquetschen, mit heißem (nicht kochendem) Wasser übergießen und 10 Min. zugedeckt ziehen lassen. Täglich 3 Tassen trinken.

Tee gegen nervöse Magenbeschwerden: Je 20 g Melissenblätter, Engelwurzwurzeln, Hopfenzapfen, Majorankraut, Kamillenblüten. Zubereitung wie oben.

Grippetee: Je 20 g Ingwer- und Engelwurzwurzeln, Holunder- und Mädesüßblüten, Weißdornblätter und -blüten. Zubereitung wie oben.

Stimmungsaufhellender Tee: 40 g Johanniskraut, 20 g Schafgarbenblüten und je 10 g Schlüsselblumen-, Lavendel-, Orangen und Rosenblüten. Zubereitung wie oben.

Teemischung bei Erschöpfung: Je 10 g Engelwurz- und Ingwerwurzel, und je 20 g Rosmarin-, Herzgespann- und Weißdornblätter. Zubereitung wie oben.

Begleittee bei Darmsanierung: Je 10 g Gelbwurz- und Ingwerwurzel, Pfefferminzblätter und Harongarinde mit 30 g Kamillenblüten und je 20 g Zistrosenkraut und Fenchelfrüchten mischen. Zubereitung wie oben; evtl. süßen mit Milchzucker.

Wurzelwein zur Kräftigung: Je 1 TL zerkleinerte Löwenzahn-, Wegwarten- und Engelwurzwurzel mit 200 ml Portwein in ein Schraubglas geben. 5 Tage am Fenster stehen lassen, täglich kräftig schütteln und dann abgießen. 2mal täglich 1 EL vor dem Essen einnehmen.

Tee bei Magersucht (Anorexie) und zur Revitalisierung: Je 10 g Tausendgüldenkraut, Enzian- und Süßholzwurzel, Wermutkraut, Rosmarinblätter, dazu 50 g Fenchelfrüchtetee, Zubereitung wie oben.

(Rezepte-Quelle: Bitterstoffe macht müde Menschen munter, Ursel Bühring, Heilpraktikerin)

 

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Verwendete Literatur

 

 

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