Zink – seine Bedeutung in Hinblick auf Corona

Zink

Seine Bedeutung in Hinblick auf die Corona-Pandemie und andere viralen sowie bakteriellen Erkrankungen

 

Angesichts der COVID-19-Pandemie, die durch das SARS-CoV-2-Virus verursacht wird, ist die Suche nach potenziellen schützenden und therapeutischen antiviralen Strategien von besonderem und dringendem Interesse.

Eine vielversprechende Substanz ist das Element Zink. Warum, werden wir im Laufe des Artikels erklären.

Zinkgluconat

 

Die normale Ernährung enthält im Allgemeinen ausreichend Zink, so dass Zinkmangel-Erscheinungen infolge einer verminderten Zufuhr nur selten auftreten. Bei jeder Form von Stress, dazu zählen auch Krankheitsgeschehen, benötigt der Organismus jedoch ein Vielfaches an optimal verfügbarem Zink. Viele Menschen unterschätzen leichte Formen von Stress. So ist es nicht verwunderlich, dass selbst in reichen Ländern, in denen keine Lebensmittelknappheit besteht, Zinkdefizite zu verzeichnen sind.

Forscher der Universität Wien erfassten die Plasma-Zink-Konzentrationen bei 872 Personen im Alter von 6 bis 80 Jahren (55,5 % weiblich). Es zeigte sich, dass der Zinkstatus bei Schulkindern (40 % der Jungen und 22 % der Mädchen) sowie bei älteren Menschen marginal war (28 % der Männer und 33 % der Frauen). Auch die Zinkzufuhr über die Ernährung war in diesen Gruppen unbefriedigend, d. h. bei 38 % der Jungen,  32 % der Mädchen sowie bei 64,5 % der älteren Männer lag sie unterhalb der empfohlenen Richtwerte.

Das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (DIET e.V.) warnte vor einigen Jahren vor einer Mangelversorgung mit essenziellen Nährstoffen, ausgelöst durch einen rückläufigen Fleischkonsum. Von diese Entwicklung ist besonders das Spurenelement Zink betroffen, das im Fleisch reichlich enthalten ist, während pflanzliche Kost ein schlechter Zinklieferant ist.

 

A. Funktion von Zink im Organismus

 

A. 1 Allgemeine Bedeutung von Zink für den Organismus

Zink ist nicht nur ein essenzieller Faktor vieler Mikroben und für deren Wachstum zuständig, sondern gerade im menschlichen Organismus sind bereits über 300 Enzyme bekannt, die Zink als Co-Faktor benötigen. Als Beispiele seien genannt: Oxidoreduktasen, Transferasen, Hydrolasen, Lyasen, Isomerasen, Ligasen, Pyridoxalphosphatkinase, Alkoholdehydrogenase u.a. 

Zink ist somit ein wichtiger Stoffwechselbestandteil zahlreicher Vitamine, wie dem Vitamin B6, dem Vitamin A und der Folsäure. Diese drei Vitamine sind für Zellteilungsprozesse von Geweben wichtig, die eine hohe Zellteilungsrate besitzen, wie etwa die Zellen des Blutes und der Schleimhäute.

Als Bestandteil wichtiger Gehirnenzyme ist Zink für die Bildung und den Stoffwechsel der Neurotransmitter, die aus Aminosäuren gebildet werden, mit verantwortlich. Zink hat einen besonderen Einfluss auf die Produktion von Fettsäuren in den Gehirnzellen. Durch diese Fettsäuren ist eine normale Funktion des Gehirns überhaupt erst möglich. Auch die Produktion von Neurotransmittern ist von Zink abhängig.

Zink ist zudem ein maßgeblicher Bestandteil des Enzyms, das an der Produktion von Serotonin (Regler der Schlafstruktur) beteiligt ist. Auch Dopamin und GABA sind von Zink abhängig. Durch nanoelektrochemische Messungen konnte nachgewiesen werden, dass Zink im Gehirn zur Ausschüttung von Botenstoffen beiträgt, die das Erinnerungsvermögen fördern.

Japanische Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass sich durch die Einnahme von Zink sowohl die Quantität als auch die Qualität des Schlafs erhöhen lässt.

(Cherasse Y, Urade Y.: Dietary zinc acts as a sleep modulator. Int J Mol Sci. 2017 Nov 5;18(11))

Zink wirkt als Antioxidans und reduziert neben Vitamin E Oxidativen Stress im Herzmuskel und andere unerwünschte oxidative Prozesse.

Zink unterstützt den physiologischen Säure-Base-Haushalt.

Der Zinkstatus ist durch seine Mitwirkung an zahlreichen Stoffwechselprozessen eng mit Risikofaktoren verbunden, die einen schweren COVID-19-Verlauf begünstigen. Gerade höheres Alter, mit all seinen Verschleißerscheinungen, Immunschwäche, Fettleibigkeit, Diabetes, Atherosklerose u.a. zählen zu Risikofaktoren, die zu einem erhöhten Zinkbedarf führen und durch Zinksupplementierung positiv beeinflusst werden können.

Zn2 + kann laut Untersuchungen die Aktivität des Angiotensin-Converting-Enzyms 2 (ACE2) verringern, welches als Rezeptor für SARS-CoV-2 bekannt ist.

Zink spielt eine zentrale Rolle bei der Wundheilung und der Regeneration von Gewebe.

Zink reduziert DNS-Strangbrüche und sorgt für eine erhöhte Reparatur selbiger in den Leukozyten. Zu DNS-Strangbrüchen kommet es u.a. durch UV-Strahlung, Röntgenstrahlung, kosmische Höhenstrahlung und Chemotherapie.

Zink trägt zu einer normalen Fruchtbarkeit und Reproduktion bei, wobei Zink eine positive Auswirkungen auf die Bildung der Sexualhormone Progesteron, Östrogen und Testosteron zeigt und die Bildung sowie die Beweglichkeit von Spermien unterstützt.

Zink ist ein wichtiger Mikronährstoff, der die Insulinsekretion stimuliert und die Insulinempfindlichkeit erhöht.

Zink unterbindet die Ausschüttung von Histamin und den Prostaglandin-Stoffwechsel und verringert so Entzündungsprozesse. Dadurch schwellen die Nasenschleimhäute weniger stark an und das Atmen fällt leichter.

Untersuchungen zeigten, dass durch einen Zinkmangel die Induktion von Ösophagustumoren durch N-Nitrosomethylbenzylamin begünstigt wird. Ebenso fand man heraus, dass eine Zinkdefizienz die Empfänglichkeit des Vordermagens und der Zunge für Krebs, der durch das Karzinogen 4-Nitrochinolin-1-oxid ausgelöst wurde, erhöhte. 

Zink reduziert die Absorption diverser Antiinfektiva, wie Tetracykline, Ofloxazin und Quinolone (z. B. Norfloxacin, Ciprofloxacin)

 

A.2 Bedeutung von Zink für das Immunsystem

Untersuchungen ergaben, dass eine Unter- bzw. Fehlernährung und damit eine schlechte Zinkversorgung die Inzidenz (in der medizinischen Statistik die Anzahl der Neuerkrankungen in einer Bevölkerungsgruppe an einer bestimmten Krankheit während einer bestimmten Zeit) und die Schwere von Lungenerkrankungen erhöht.

In-vitro-Experimente zeigen, dass Zn2 + durch Hemmung der SARS-CoV-RNA-Polymerase eine antivirale Aktivität besitzt.

Zink- und Vitamin A-Defizite führen zu Hyperkeratosen (Verhornung) und Störungen der Barrierefunktion von Epidermis und Schleimhäute und dadurch zu gehäufter bakterieller Besiedelung infolge einer Schädigung des Flimmerepithels. 

Zink greift in eine Vielzahl von Abwehrmechanismen des Immunsystems ein. So ist Zink essenziell für die Lymphozytenproliferation (wichtig zur Regeneration bei Entzündung und Wunden) sowie für die Entwicklung von B-Lymphozyten, die für die humorale und zelluläre Abwehrleistung unerlässlich sind. 

Zink ist Cofaktor des Thymulins, einem Peptidhormon, das an der Reifung der T-Lymphozyten beteiligt ist.  T-Lymphozyten stellen gemeinsam mit den B-Lymphozyten die erworbene (adaptive) Immunantwort dar. Das „T“ im Namen steht für den Thymus, in dem die T-Lymphozyten ausreifen.

Auch die Phagozytose (Teil der unspezifischen zellulären Abwehr) und die Aktivierung des Komplement-Bindungs-Systems (das Komplementsystem ist ein wesentlicher Bestandteil der körpereigenen Immunabwehr. Seine Hauptaufgabe besteht darin, eingedrungene Fremdzellen, wie Viren und Bakterien gezielt zu zerstören und deren Zelloberfläche mit Antikörpern und Komponenten des Komplementsystems zu bedecken und damit für die Phagozytose zu markieren), werden durch Zink positiv beeinflusst. Gerade  Makrophagen benötigen Zink für die Stabilisierung der eigenen Zellmembran während der Phagozytose. Auch Mastzellen, als Teil der körpereigenen Abwehrsystems, enthalten viel Zink.

In zahlreichen Studien erhöhte man die Zinkzufuhr bei Krankheitsgeschehen wie Atemwegserkrankungen und Diarrhö mit einhergehender Immunschwäche und stelle eine signifikante Verbesserung der Infektabwehr fest. Selbst bei 80-Jährigen konnte eine Erhöhung der T-Lymphozyten nachgewiesen werden (Fortes, C. et al: The effect of zinc and Vitamin A supplementation on immune response in an older population. Am geriatr. soc 46, 1998).

Zink fördert die Interferon-α-Produktion und erhöht dadurch die antivirale Aktivität des Immunsystems.  

Eine Erhöhung der intrazellulären Zn2 ​​+ -Konzentration kann die Replikation einer Vielzahl von RNA-Viren effizient beeinträchtigen. Für mehr als 40 verschiedene Viren ist eine Replikationshemmung durch Zink nachgewiesen, darunter Influenza-, Polio-, Hepatitis A- und B-, Herpes-, Rhino-, Retro (HIV)- und auch Nidoviren. Zu letzteren gehört das Coronavirus. Auch Flaviviren (FSME-Fieber, Denguefieber, Gelbfieber, West-Nil-Fieber u.a.), die durch Zecken und Stechmücken übertragen werden und Togaviren (Röteln) werden daran gehindert, virales Material in die Wirtszellen einzuschleusen. Zink behindert auch die HIV-1 Protease.

Zn2 + hemmt die Aktivität der Coronavirus- und Arterivirus-RNA-Polymerase in vitro. (te Velthuis AJW, van den Worm SHE, Sims AC, Baric RS, Snijder EJ, et al.  – 2010)

(Zinkionophore blockieren die Replikation dieser Viren in der Zellkultur.  PLoS Pathog 6 (11): e1001176.  doi: 10.1371 / journal.ppat.1001176)

Forscher der Ohio State University, USA, entdeckten im Zellkultur-Modell mit menschlichen Monozyten, dass es bei unzureichender Zinkzufuhr exzessive Entzündungen bis hin zur Sepsis auftreten können. Zink aktiviert in den Monozyten durch NF-κB antiinflammatische Gene, die zur Bildung von Zytokinen führen, die  ihrerseits eine wichtige Rolle im Abwehrsystem spielen.

 

 

B. Bioverfügbarkeit von Zink

 

B.1 Ursachen für eine Zinkunterversorgung

Polierter Reis etwa enthält nur noch ein Fünftel der Zinkmenge von Naturreis.

Nur 30 bis 40% des durch die Nahrung zugeführten Zinks werden absorbiert.

Die Zinkabsorption wird durch Chelatbildner wie EDTA und Aminosäuren gefördert, die mit Zink Komplexe bilden (Histidin, Tryptophan, Prolin, Lysin, Glycin, Cystein) Ascorbinsäure und Prostaglandin E2.

Einige wissenschaftliche Publikationen sehen das Produkt des Tryptophanabbaus, die Picolinsäure, als Vehikel für die Zinkabsorption an. 

Nicht gesäugte Kinder werden meist suboptimal mit Zink versorgt, da die Muttermilch weit höhere Zinkgehalte aufweist und diese durch Chelatbildung besser verfügbar sind (siehe auch B.3).

Jugendliche, die im Wachstum erhöhte Mengen an Zink benötigen, weisen bei einseitiger Ernährung häufig einen Zinkmangel auf. Noch dazu, wenn der Hauptbestandteil der Nahrung aus Fastfood besteht. 

Auch bei älteren Menschen kommt es nicht selten zu einer suboptimalen Zinkversorgung durch einseitige Kost. 

Fastenkuren und Reduktionsdiäten führen häufig zu Keto-Azidosen, die mit einer Mehrausscheidung von an Albumin gebundenem Zink im Urin einhergehen.

Gerade über den Urin finden Zinkverluste statt, so bei akuten und chronischen Glomerolunephritiden, bei denen Zink-bindende Eiweiße wie Albumine und Globuline zur Proteinurie beitragen.

Auch durch Schweiß geht Zink verloren. Gefährdet sind diesbezüglich hauptsächlich Leistungssportler. Schweiß enthält pro Liter: 700-2000 mg Natrium / 200-480 mg Kalium / 20-70 mg Calcium / 20-50 mg Magnesium / 0,5-1,0 mg Zink / 0,03-0,05 mg Jod.

Lipid senkende Arzneien können zu einem Zinkmangel führen.

Diuretika und Glukokortikoide können ebenfalls zu einer Zink-Unterversorgung beitragen.

Jegliche Form von Stress verbraucht erhöhte Mengen von Zink.

Gegenspieler von Zink sind: Selen, Kupfer ?, Chrom, Mangan und Cadmium. 

VORSICHT – Selen ist auch Gegenspieler von Vitamin C. Eine erhöhte Zufuhr mit Selen zur Immunabwehr ist daher kontraindiziert. In vielen Slogans wird Selen zur besseren Immunabwehr empfohlen, was wir keinesfalls tun, zumal die toxische Toleranzgrenze für Selen im menschlichen Oragnismus sehr niedrig ist. Bereits bei Aufnahme von über 0,9 mg pro Tag wirkt Selen toxisch und kann zu Leberzirrhose, Haarausfall, Blindheit, Gehrinschäden und Herzinsuffizienz führen. (JAMA Neurol. 2018;75(10):1282-1283. doi:10.1001/jamaneurol.2018.1669)

Organische Zinksalze wie Zinkorotat, -aspartat, -gluconat, -histidin, haben in der Regel eine bessere Bioverfügbarkeit als anorganische Zinksalze als Zinkoxid, das häufig in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten ist. Die meisten Hersteller greifen auf die Zinksalze Citrat, Gluconat, Sulfat und Acetat zurück. In einer Studie wurde die Absorptionsrate von Zinkcitrat mit der von Zinkgluconat und Zinksulfat verglichen. Zinkcitrat wurde dabei durchschnittlich zu 61,3 % aufgenommen (min. 56,6 %, max. 71,0 %). Die Absorptionsrate von Zinkgluconat befand sich bei 60,9 % (min. 50,6 %, max. 71,7 %) und bei Zinkoxid war die Bioverfügbarkeit mit 49,9 % (min. 40,9 %, max. 57,7 %) am schlechtesten.

Eine wesentlich höhere Bioverfügbarkeit besitzen Zinkorotate und -aspartate. Um Zink im Körper überhaupt weiterverarbeiten zu können, ist gerade der Trägerstoff Aspartat wichtig. 

Antihypertonika beeinträchtigen den Zinkstatus bei neu diagnostizierten Bluthochdruckpatienten. Eine antihypertensive Monotherapie, kombiniert mit einer verstärkten Zinkzufuhr über die Ernährung oder durch entsprechende Präparate, beeinflusst die Zinkhomöostase günstig und reguliert den Glukosestatus, ohne den Blutdruck von Hochdruckpatienten negativ zu beeinflussen.

 

B.2 Folgende Einflüsse können die Zinkabsorption im Darm negativ beeinflussen

  • hoher Alkoholkonsum (übermäßige Freisetzung von Histamin)
  • hohe Konzentrationen an Phytinsäure in Lebensmitteln
  • Lignin
  • häufiger Teekonsum (Pestizide und Koffein)
  • hoher Kaffeegenuss (Koffein, übermäßige Freisetzung von Histamin)
  • Pestizide
  • Hydrazine, Carbamate und Thiocarbamate sind ebenfalls Zinkkomplexbildner
  • polychlorierte Biphenyle und Dioxine
  • hohe Dosen an Eisen, Kupfer und Calcium (vor allem in Nahrungsergänzungsmitteln); Solomons und Jacob stellten fest, dass hochdosiertes anorganisches Eisen die Zinkaufnahme hemmte, gemessen an der Veränderung des Plasma-Zinkspiegels innerhalb von vier Stunden nach oraler Einnahme von Zink. Allerdings erwiesen sich Interaktionen zwischen Kupfer und Zink sowie zwischen Calcium und Zink laut neueren Untersuchungen als fraglich.
  • Durchfall (Diarrhö)
  • Darmentzündungen
  • hämolytische Anämien
  • extrem hoher Rohfaseranteil in der Nahrung
  • Quellstoffe wie Tonerden (Bentonite, Zeolite, Heilerde u.a.)
  • Phytinsäure in hohen Dosen. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass bei 1.000 mg Phytinsäure in der Ernährung, Männer schon etwa 18 mg Zink aus der Nahrung zusätzlich benötigen, damit 3,8 mg im Darm absorbiert werden.
  • Phosphate (reichlich in Cola,Wurst,Schmelzkäse und Fertiggerichten)

 

B.3 Stoffe, die eine Bioverfügbarkeit von Zink erhöhen

  • Eiweiß tierischen Ursprungs: Der positive Einfluss von Nahrungsproteinen tierischen Ursprungs wird  weniger auf den Einfluss des Eiweißmoleküls selbst als vielmehr auf die daraus freigesetzten freien Aminosäuren zurückgeführt. Diese Aminosäuren können Zink auch in Anwesenheit von Phytaten in gelöster und absorbierbarer Form halten.
  • Aminosäuren, vor allem Cystein, Histidin, Methionin und Glutamin. Casein jedoch führt zu einer geringgradigen Hemmung der Zinkaufnahme. Interessanter Weise wird Zink-Histidin bei hoher Dosierung renal ausgeschieden, was eine Überdosierung ausschließt.
  • organische Säuren wie Zitronen- und Milchsäure. Jedoch waren Ergebnisse anderer Untersuchungen unbefriedigend und zeigten keine verbesserte Zinkaufnahme.
  • Inulin, ein präbiotischer Ballststoff (in Chicorée,Topinambur und Zwiebeln enthalten)
  • EDTA, eine Chelat-bildende Substanz, die zur Bindung von Metallionen eingesetzt wird, führt zwar zur besseren Aufnahme von Zink aus dem Darmlumen in die Enterozyten, von wo das Zink allerdings nicht weiter in die basolaterale Membran transportiert werden kann. Um dies zu können, müssen sie erst in andere Komplexe umstrukturiert werden. 
  • Picolinsäure und Histidin in der Muttermilch führen zu Zink-Chelaten, die im Darm eine bessere Absorption gewährleisten.

 

C. Folgen durch Zinkmangel

 

C.1 Negative Folgen durch Zinkmangel für das Immunsystem

  • Haut- und Schleimhautläsionen
  • reduzierte Aktivität neutraler Killer-Zellen
  • verzögerte Immunreaktion
  • Abnahme der T-Helferzellen
  • gestörte Chemotaxis von Granulozyten und Monozyten
  • verringerte Produktion von Interleukin-2 und Gamma-Interferon
  • Reduzierte Lymphozytenproliferation
  • reduzierte Antiköperantwort auf T-Zellen abhängige Antigene
  • reduzierte zytotoxische Aktivität der T-Zellen
  • Leukopenie
  • Thymusatrophie und reduzierte Aktivität von Thymolin
  • vermehrtes Auftreten von Infektionen
  • bei Zinkmangel ist die Glukoseverwertung, die Insulinsensitivität und die Aktivität zinkabhängiger Enzyme des Kohlenhydratstoffwechsels beeinträchtigt und somit auch das Immunsystem.
  • Mastzellen enthalten viel Histamin, das bei allergischen Reaktionen sowie bei  Viren- und Bakterienbefall ausgeschüttet wird und als Botenstoff eine wichtige Rolle spielt. Histamin führt zu Entzündungen aufgrund einer Dilatation kleinerer Gefäße, wodurch es zu Ödemen der Haut und Schleimhäute kommt. Größere Gefäße kontrahieren sich allerdings. So auch die Bronchien, was letztendlich zu Atemnot führt (siehe schwere Verläufe von Covid-19). Für die Speicherung des Histamins in den Granula der Mastzellen spielt Zink eine entscheidende Rolle, wobei Zink die Freisetzung von Histamin aus den Mastzellen reguliert und den Abbau überschüssigen Histamins fördert.

 

C.2 Weitere Symptome, die durch Zinkmangel hervorgerufen werden können

  • Minderwuchs: Verzögerung der geistigen und körperlichen Entwicklung
  • Hypogonadismus
  • Hyperpigmentierung
  • Exantheme
  • Haarausfall
  • Atrophie des lymphatischen Gewebes
  • Appetitlosigkeit mit Störungen des Geschmacksempfindens
  • Anämie
  • Hepatosplenomegalie
  • Apathie
  • Verwirrtheit
  • Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass Depressionen häufig mit Entzündungen und einem Zinkdefizit verbunden sind.
  • in der Schwangerschaft: Frühgeburten, vermindertes Geburtsgewicht, Missbildungen des Neuralrohres
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Leistungsabfall
  • Lernschwäche
  • Schlafstörungen
  • Zelltod (Apoptose)
  • subklinische Entzündungen der Leber
  • chronisch entzündliche Darmerkrankungen
  • bei Zinkmangel ist häufig der Geruchs- und Geschmackssinn gestört (siehe Covid-19), denn Zink ist an der Umwandlung chemischer Reize in elektrische Signale beteiligt, wodurch das Gehirn Gerüche und Geschmack wahrnimmt.
  • Typ-2 Diabetiker haben häufig ein Zinkdefizit.
  • Eine chinesische Metaanalyse ergab, dass die Serum-Zinkwerte bei Probanden mit Parkinson signifikant geringer waren als bei den gesunden Teilnehmern.
  • brüchige Nägel (siehe auch Biotin)
  • verminderte Sehfähigkeit und Nachtblindheit (Störung der Dunkeladaption des Auges)

 

D. Bedarf und Dosierung

 

Der tägliche Bedarf liegt zwischen 3 mg für Säuglinge, 5 mg für Kinder bis zu einem Jahr, 10 bis 15 mg für ältere Kinder und Erwachsene, 20 mg für Schwangere und 25 mg für Stillende.

Mehrere Studien der Forscher Dr. Meenu Singh, Chandigarh, und Dr. Rashmi R. Das, Neu Delhi ergaben, dass bei Kurzzeitbehandlungen von ca. einer Woche nur hochdosierte Gaben von über 75 mg/d organischer Zinkverbindungen mit hoher Bioverfügbarkeit die Immunabwehr bei Erkältungskrankheiten signifikant verstärkt. https://doi.org/10.1002/14651858.CD001364.pub4 

Dazu muss das Zink allerdings unmittelbar bei Auftreten der ersten Erkältungssymptome eingenommen werden, allerspätestens jedoch 24 Stunden nach Beginn der Erkältung. Des Weiteren beschleunigt eine adjuvante Behandlung mit 20 mg reinem Zink täglich (bei Kindern) die Erholung von einer schweren Pneumonie.

Andere Empfehlungen liegen für Erwachsene bei 90 mg Zink in Form einer Zinkaspartatlösung, die injiziert wird. Derart hohe Dosen sollten jedoch nur im Akutfall gegeben werden und nicht auf einen längeren Zeitraum, sondern nur drei Tage hintereinander.

Vorbeugend können in Jahreszeiten mit hohem Infektrisiko Dosen von 1 x tgl. 50 mg Zinkaspartat = 10 mg Zink eingenommen werden.

Wie lange soll Zink eingenommen werden?

Studien ergaben, dass bei Kindern eine fünf- bis siebenmonatige Einnahme von 10-15 mg reinem Zink in Form einer organischen Zinkverbindung ( z.B. Zinkaspartat oder Zinkorotat) die Anfälligkeit für Erkältungs- und Grippeinfektionen um ein Drittel senken kann. Dies wiederum führt zu geringeren Fehlzeiten in Arbeit und Schule. Außerdem konnte dadurch der Einsatz von Antibiotika verringert werden. Für Erwachsene wird eine tägliche Dosis von max. 25 mg reinem Zink (=125,98 mg Zinkbishydrogen-DL-aspartat) empfohlen. In der Langzeitbehandlung sollten nicht mehr als 18 mg reines Zink pro Tag eingenommen werden.

 

E. Überdosierung

 

Eine Zink-Überdosierung kommt eher selten vor. Allein über die Nahrung kann kaum so viel Zink aufgenommen werden, dass es im Körper zu einer Vergiftung kommt. Selbst wenn der Zink-Spiegel etwas erhöht ist, treten selten Beschwerden auf.

Wer seinen Zink-Bedarf über Supplements ausgleicht, sollte die empfohlene Tagesdosis von 25 mg reinem Zink nicht überschreiten.

Eine akute Form der Zink-Intoxikation tritt erst bei Aufnahme von > 200-400 mg Zink auf. Dabei kommt es zu Übelkeit, Erbrechen, gastrointestinalen Krämpfen, Durchfall, Kopfschmerzen und Appetitsverlust.

Letale Dosen liegen jedoch erst bei oraler Aufnahme von 237 bis 623 mg/kgKG, bei intraperitonealer Injektion von 27 bis 73 mg/kgKG und bei Inhalation von Zinkchlorid von 2000 mg/m3.

Supplemente, die 80 mg/Tag an Zink liefern und ständig eingenommen werden, wirken immunsuppressiv und inhibieren allogene Reaktionen. Die Health Professionals Follow-up Study ergab, dass bei Männern, die ≥ 100 mg/Tag Zink zu sich nahmen, ein 2,9-fach höheres Risiko für metastasierenden Prostatakrebs bestand.

 

F. Zinkgehalte in Lebensmitteln

 

Durchschnittlicher Zinkgehalt in g pro 100 g Lebensmittel

Lebensmittel / mg Zink Lebensmittel / mg Zink Lebensmittel / mg Zink
 Austern 22 – 85 Weizenkleie 9,2 Mohnsamen 8
Kürbiskerne 7-8 Sesamsamen 7,7 Kondensmilch 7,5
Schweineleber 6 Sonnenblumenkerne 5,7 Pekanuss 5,3
Rindfleisch 3,5 – 5,2 Chiasamen 4,6 Emmentaler Käse 4,6
Edamer 4,6 Haferflocken 4,3 Pinienkerne 4,2
Sojabohnen 4,2 Edelpilzkäse 4,1 Appenzeller Käse 4
Paranüsse 4 Salami 4 Eigelb 4
Gouda 3,9 Linsen 3,7 Schaffleisch 3,7
Tilsiter Käse 3,7 Erdnüsse 3 – 3,5 Camenbert 3,4
Weizenmehl (Typ 1700) 3,4 Tee, schwarz 3,2 Knäckebrot 3,1
Gorgonzola 3 Parmesan 3 Feta (45% i.Tr.) 2,9
Walnüsse 2,7 Bohnen 2,6 Schinken 2,6
Schweinefleisch 2,6 Pute 2,6 Mais 2,5
Kichererbsen 2,4 Mortadella 2,3 Krabben 2,3
Pistazien 2,2 Garnelen 2,2 Cashews 2,1
Limburger Käse 2,1 Leberkäse 2,1 Mandel 2
Weizenvollkornbrot 1,5 – 2 Haselnüsse 1,9 Entenfleisch 1,8
Miesmuschel 1,8 Thunfisch 1,7 Milchschokolade 1,7
Naturreis 1,6 Renke 1,5 Hühnerei gesamt 1,3
Gänsefleisch 1,3 Weizenbrötchen 1,1 Tintenfisch 1,1
Erbsen 1 Nuss-Nougat-Creme 1 Hühnerfleisch 1
Reis, poliert 1 Weizenmehl (Typ 405/550) 0,6/0,7
Steffen Gruss
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