Anämie – Blutarmut

Sie fühlen sich schlapp, antriebslos und können sich kaum konzentrieren. Wenn Sie diese Beschwerden haben, könnten Sie unter der sogenannten Blutarmut oder auch Anämie genannt, leiden. Dies ist keine seltene Erscheinung und gerade Frauen leiden häufig unter den Folgen einer Anämie.

 

 

Was ist eine Anämie?

Unter einer Anämie versteht man eine Unterversorgung des Körpers mit Sauerstoff. Verantwortlich dafür ist eine verminderte Konzentration von Hämoglobin im Blut. Hämoglobin ist der eisenhaltige Farbstoff in den roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Es ist für die Aufnahme von Sauerstoff zuständig und hat somit einen großen Anteil bei der Sauerstoffversorgung im Körper.

 

 

Ursachen für eine Anämie

Eine Anämie kommt in der Regel vor, wenn mindestens eine von drei Situationen im Körper vorkommt.

  • Eine verminderte Anzahl von Erythrozyten (roten Blutkörperchen)
  • Ein verminderter Hämatokrit-Wert
  • Ein erniedrigter Hämoglobingehalt des Blutes

 

Anämie
Quelle: Pixabay – Eine Anämie wird meistens erst im Labor erkannt

 

 

Warum es aber nun zu einer der drei Grundsituationen kommen kann, dafür kann es viele unterschiedliche Ursachen geben. Dazu gehören z.B.:

  • Anämie durch Blutverluste
    • Akute Blutungen (z.B.Trauma, Ösophagusvarizen, starke Periode bei der Frau)
    • Chronische Blutungen (z.B. Magen-Darm-Geschwür, Tumor)
  • Anämie durch Bildungsstörungen
    • Eisen-Mangel
    • Vitamin B12 Mangel (pernizöse Anämie)
    • Folsäure-Mangel
  • Hämolytische Anämie (gesteigerter Abbau von Erythrozyten)
    • Diverse Infektionskrankheiten (z.B. Malaria)
    • Sichelzellenanämie (angeboren, besonders in Afrika)
    • Kugelzellenanämie (angeboren)
    • Thalassämie (angeboren)
  • erworbene hämolytische Anämien
    • toxisch bedingt
    • mechanisch (z.B. Herzklappenersatz)
    • infektiös bedingt (Malaria, Toxoplasmose, Cholera, Sepsis, Mumps)
    • Blutgruppenunverträglichkeit
    • Autoimmun (Antikörper gegen Erythrozyten)
  • Als Begleiterkrankung bei anderen bestehenden Erkrankungen
    • Renale Anämie – Anämie, welche durch einen Mangel an Erythropoetin verursacht wird. Meist infolge einer Niereninsuffizienz
    • Tumor- und Infekt-Anämie– Tumore und Erreger von Infekten können zu Störungen des Eisenstoffwechsels führen.

 

 

Welche Symptome bestehen bei einer Anämie?

So vielfältig die Ursachen für eine Anämie sein können, so verschieden können auch die Symptome sein. Hier eine Auflistung der am häufigsten vorkommenden Symptome bei einer Blutarmut.

 

Folgende Symptome kommen allgemein bei einer Anämie vor:

  • Tachykardie
  • Ohrensausen
  • Atemnot, Hyperventilation
  • Schwindel
  • Konzentrations- und Leistungsabfall, Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Kälteempfindlichkeit
  • Blässe, besonders der Schleimhäute (Konjunktiven und Mundschleimhaut)
  • Glatte rote Zunge oder Lackzunge
  • Brüchige Fingernägel, entzündete Mundwinkel, Zungenbrennen

 

Anämie
Quelle: Pixabay – Müde und Energielos sind oft die ersten Zeichen einer Anämie

 

Bei den Sonderformen können neben den allgemeinen Symptomen auch spezielle Krankheitszeichen auftreten. So kann es z.B. bei einer Vit-B12 Mangel Anämie auch zu neurologischen Beschwerden wie Ameisenlaufen oder Kribbeln in den Händen kommen.

 

 

 

Welche Formen einer Anämie gibt es?

 

Form Vorkommen
Normozytäre normochrome Anämie –      akute Blutung

–      hämolytische Anämie

–      Nierenerkrankung

Makrozytäre hyperchrome Anämie –      Alkoholabusus

–      Lebererkrankungen

–      Vitamin B12- und Folsäuremangel

Mikrozytäre hypochrome Anämie –       Thalassämie (z. B. Erbkrankheiten Spanien, Italien)

–       Eisenmangelanämie

–       FE-Verwertungsstörung (z.B. Bleivergiftung, B6-Mangel)

 

 

Hypochrome Anämie

Kleine Blutkörperchen mit verminderter Hämoglobinmenge. Etwa 80 Prozent aller Anämien beruhen auf einem Eisenmangel, der sogenannten Eisenmangelanämie: zu wenig Eisen im Körper (z.B. durch Blut- und damit Eisenverlust bei Hypermenorrhoe (vermehrter Menstruationsblutung) oder chronische Blutungen im Magen-Darm-Trakt)

  • Eisenverwertungsstörungen: z.B. bei chronischen Entzündungen oder Tumoren (Entzündungsanämie/Infektanämie/Tumoranämie)
  • Hämoglobinopathien (Erkrankungen, die durch Störungen des Hämoglobins/Blutfarbstoff bedingt sind)
  • Erkrankungen des allgemein Blut-bildenden Knochenmarks (Myelodysplastisches Syndrom)
  • Erkrankungen der roten Blutkörperchen, bei denen durch einen Gendefekt das Hämoglobin nicht ausreichend gebildet bzw. gesteigert abgebaut wird (z.B. Thalassämie).

 

Normochrome Anämie

Zu wenige, aber normal große Blutkörperchen:

  • Akute Blutung (Blutungsanämie)
  • Hämolytische Anämien (Zerstörung der Blutkörperchen durch z.B. immunologische Vorgänge)
  • Endokrinologische Ursachen: z.B. Hypo- und Hyperthyreose (Schilddrüsenunter- und –überfunktion, Panhypopituitarismus (Mangel oder ein Fehlen sämtlicher in dem Hypophysenvorderlappen gebildeter Hormone), Nebennierenrindeninsuffizienz)
  • Lebererkrankungen
  • Niereninsuffizienz (Nierenschwäche; renale Anämie)
  • Aplastische Anämie (Knochenmarkinsuffizienz/Knochenmarkschwäche mit Panzytopenie/ein Mangel in allen drei Zellreihen (Trizytopenie) der Blutbildung, also eine Leukozytopenie (verminderte Anzahl an weißen Blutkörperchen), Anämie und Thrombozytopenie/verminderte Anzahl an Blutplättchen)
  • Leukämie (Blutkrebs), Metastasen (Tochtergeschwülste), Myelofibrose, Plasmozytom
  • frühe Eisenmangelanämie

 

Hyperchrome Anämie

Zu große Blutkörperchen mit zu viel Hämoglobin:

  • Folsäure bzw. B12-Konzentrationen im Serum erniedrigt
    • Folsäuremangelanämie
    • Perniziöse Anämie (Resorptionsstörung für B12; B12-Mangelanämie)
    • Bandwurmerkrankung
  • Folsäure bzw. B12-Konzentrationen im Serum normal
    • Chronische Lebererkrankungen
    • Chronische Nierenerkrankungen
    • Chronisch-entzündliche Erkrankungen
    • Intoxikationen

 

 

Spezielle Anämien

Anämie durch Bildungsstörungen

Störung der Hämoglobinsynthese durch einen bestehenden Eisenmangel

Ursachen:

  • Mangelnde Zufuhr
  • Erhöhter Bedarf (Wachstum, Schwangerschaft, Stillzeit)
  • Eisenverluste z.B. bei chronischen Blutungen
    • Gastrointestinale Blutungen
    • Genitale Blutungen
    • Tumore u. chron. Entzündungen
    • Traumatische od. operative Blutverluste
    • Häufige Blutabnahmen / Blutspenden
    • Mangelnde Resorption im Dünndarm
    • Mangelnde Resorption bei Zustand nach Magen(teil)resektion (fehlende Umwandlung von Fe3+ in Fe2+ durch Salzsäure)

Symptome:

  • Allgemeine Anämiesymptome
  • Brüchige Nägel mit Rillen
  • Trockene rissige Haut
  • Struppige Haare
  • Pruritus
  • Plummer-Vinson-Syndrom
    • Mundwinkelrhagaden
    • Dysphagie
    • Glossitis (Zunge atrophisch u. brennend)

 

Labor:

  • Erythrozyten erniedrigt
  • Hb, Hkt, MCV und MCH (mikrozytäre hypochrome Anämie) verringert
  • Serumeisen und Ferritin verringert
  • Transferrin (Freie Eisenbindungskapazität) erhöht

 

 

Vitamin B12-Mangel-Anämie

Auch als perniziöse Anämie oder Morbus Biermer bekannt. Bei dieser Form der Anämie liegt eine Störung der DNA-Synthese durch einen Vitamin B12 Mangel

 

Ursachen:

  • Verminderte Zufuhr (Vegetarier)
  • Gestörte Aufnahme im terminalen Ileum (z.B. M Crohn)
  • Gesteigerter Verbrauch (Schwangerschaft, Wachstum)
  • Mangel an intrinsic factor
    • Magenresektion
    • Magenschleimhautatrophie durch Autoimmunreaktion (Typ A Gastritis)

 

Symptome:

 

  • Verminderte Zellteilung und -reifung aller
    • Infektanfälligkeit (Leukozyten verringert)
    • Allgemeine Anämie-Symptome (Erythrozyten verringert)
    • Blutungsneigung (Thrombozyten verringert)

 

 

  • Verminderte Zellteilung und -reifung der Haut und Schleimhäute
    • Frühzeitiges Ergrauen der Haare
    • Dünne Haut und Schleimhäute
    • Gastrointestinale Beschwerden (atrophische Gastritis)
    • Hunter Glossitis (glatte rote Zunge mit Zungenbrennen)

 

 

  • Neurologisches Syndrom
    • Zeichen der Polyneuropathie
      • Paresthesien der Hände und Füße
      • Areflexie (vollständiges Fehlen eines oder mehrerer Reflexe)
      • Störungen der Tiefensensibilität und Vibrationsempfinden
    • Zeichen der funikulären Spinalerkrankung
      • Gangunsicherheit
      • Paresen
      • Pyramidenbahnzeichen

 

  • Hämolyse-Symptomatik
    • Café-au-lait Haut
    • Vergrößerung von Leber und Milz

 

 

Mögliche Laborwerte:

  • Erythrozyten, Leukozyten und Thrombozyten verringert
  • Hämatokrit und Hämoglobin verringert
  • MCH, MCV erhöht

 

 

Folsäure-Mangel-Anämie

Störung der DNA-Synthese aufgrund eines Folsäuremangels

 

Ursachen:

  • Mangelernährung (bes. Alkoholiker und alte Menschen)
  • Verminderte Resorption im Jejunum (z.B. Sprue)
  • Gesteigerter Verbrauch (Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum, Hämolyse)
  • Medikamente (Folsäureantagonisten, Zytostika)

 

Symptome

  • Wie Vitamin B12-Mangel
  • Neurologische Symptome fehlen

 

 

Wichtig zur Unterscheidung

Bei einem Vitamin B12-Mangel können neurologische Symptome auftreten – nicht aber bei einem Folsäuremangel!

 

 

Hämolytische Anämien

Hier liegt eine Verkürzung der Lebensdauer der Erythrozyten (normale Lebensdauer ca. 120 Tage) durch vorzeitigen und/oder vermehrten Abbau in der Milz vor.

 

Allgemeine Symptome einer Hämolyse:

  • Allgemeine Anämie-Symptome
  • Ikterus
  • Splenomegalie
  • Oberbauch und Rückenschmerzen
  • Gallensteine (Bilirubinsteine)

 

Eine gefürchtete Komplikation bei der hämolytischen Anämie sind Fieberkrisen.

 

 

Kugelzellenanämie (Hereditäre Sphärozytose)

Angeborener Membrandefekt der Erythrozyten (häufigste angeborene hämolythische Anämie in Nordeuropa)

Der Membrandefekt bewirkt einen erhöhten Einstrom von Natrium und Wasser in die Erythrozyten, bis sie vollgesaugt sind (Kugelform). Dieses hat einen erhöhten Abbau in der Milz zur Folge und die Lebensdauer der Erythrozyten nimmt somit ab.

Symptome:

  • Allgemeine Symptome einer hämolytischen Anämie
  • auftretende Krisen mit Fieber, Schüttelfrost und Oberbauchbeschwerden

 

 

Thalassämie

Vererbte Hämoglobinsynthesestörung und dadurch ineffektive Blutbildung. Vorkommen besonders im Mittelmeerraum.

Die Symptome sind je nach Vererbung unterschiedlich stark. Bei stark ausgeprägten Fällen besteht oft nur eine Lebenserwartung von ca. 30 Jahren. Ansonsten bestehen nur die allgemeinen Anämie-Symptome.

 

Anämie
Quelle: Pixabay – Auch unsere Gene können die Ursache für eine Anämie sein

 

Sichelzellenanämie

Ebenfalls ein vererbter Defekt der Hämoglobinsynthese. Bei einem Sauerstoffmangel (z.B. Höhensport, stark sportliche Betätigung) verformen sich die Erythrozyten sichelformartig und verlieren somit ihre Elastizität. Dadurch kommt es zu Verstopfungen der kleinen Gefäße und ein Organinfarkt kann die Folge sein. Diese Anämie-Form kommt besonders häufig in West-Zentralafrika (ca. 20-40% der Bevölkerung) und Amerika (5-10% der schwarzen Bevölkerung) vor.

Symptome:

  • Bei leichten Formen oft symptomlos
  • Hämolysezeichen
  • Thromboseneigung
  • Mikro- und Makroinfarkte

 

 

Glukose-6-Phosphatdehydrogenase Mangel

Dabei handelt es sich um einen X-chromosomal rezessiv vererbten Enzymdefekt der Erythrozyten. Infektionen und bestimmte Medikamente sowie der Verzehr von Saubohnen (Favabohne) bewirken die Entstehung von Peroxiden, welche bei einem G-6-PD-Mangel nicht entgiftet werden können. Folge daraus sind hämolytische Krisen.

Vorkommen: bes. Afrikaner, Asiaten und Mittelmeerbewohner

Symptome:

  • Allgemeine Symptome einer Hämolyse
  • mit lebensbedrohlichen Krisen

 

 

 

Aplastische Anämie

Hier liegt ein Versagen der gesamten Blutkörperchenbildung vor. Die aplastische Anämie kann sowohl angeboren (eher selten) wie auch erworben sein.

Folgende Gründe kann es für eine aplastische Anämie geben:

  • Medikamente (Zytostatika, Sulfonamide, best. NSAR)
  • Chemikalien (Insektizide, Benzol)
  • Strahlen (Röntgen)
  • virale Infektionen (Herpes-Viren, Hepatitis-Viren, Ebstein-Barr-Virus)

 

Mögliche Symptome

  • Symptome der Anämie
  • erhöhte Infektionsbereitschaft, Abwehrschwäche
  • Fieber
  • Neigung zu Blutungen

 

 

 

Blutarmut in der TCM

Müdigkeit/Erschöpfungszustände, Schlafprobleme, Herzklopfen, Kalte Hände und kalte Füße, Taubheitsgefühle, Neurodermitis und Verdauungs- und Wirbelsäulenprobleme gehören zu den häufigsten Beschwerden, weshalb man einen Therapeuten aufsucht. Alles sind mögliche Symptome einer Anämie. Doch wie erklärt man das Krankheitsbild in der traditionellen chinesischen Medizin?

In der TCM spricht man hier oft von einem Milz-Qi/Milz-Yang-Qi- und Nieren-Yang-Qi-Mangel.

Mögliche Ursachen hierfür können z.B. sein:

  • Dauerstress mit chronisch bestehenden Angstzuständen, die zu einer Nierenfunktionsstörung führen können
  • fieberhafte Infekte, Tumorerkrankungen
  • lange bestehende chronische Infektionskrankheiten
  • Mangelernährung
  • Verwertungsstörungen bei Magen-Darm- und Nieren-Erkrankungen

 

 

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Steffen Gruss
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