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Wie lange ist unser Essen haltbar?

 

Eigentlich handelt es sich meist um das Mindesthaltbarkeitsdatum. Die Wirtschaft hat es mittels Medien, Talk-Shows und Fachzeitungen tatsächlich so weit gebracht, dass jeder, fast jeder, beim Überschreiten des Mindesthaltbarkeitsdatums ein mulmiges Gefühl bekommt und das Nahrungsmittel lieber wegwirft, als noch zu verzehren.
Bei manchen Lebensmittel ist ein wahrscheinlich eintretender Verfall jedoch reiner Quatsch, wie beim Salz, Zucker oder Honig. Selbst Honig hält sich hunderte von Jahren, nur sind dann seine Vitamine nicht mehr enthalten. Selbst Honig aus einem Pharaonengrab war noch genießbar.
Gleiches gilt für Salz oder Zucker. Natürlich sollten diese Lebensmittel keine Farbveränderungen oder Krabbeltiere aufweisen. Auch mit eingelegten Produkten in Dosen oder Gläsern kann man sich nach Farbveränderungen oder Schimmelbelag richten. Ist weder das eine noch das andere zu erkennen, erfolgt die Geruchsprobe. Riecht der Inhalt wie eine normale, nicht abgelaufene Dose, also nicht ranzig, scharf ätzend, faulig oder nach Gärungsprozessen, dann ist das Lebensmittel sicherlich noch genießbar.
Wir haben mal versuchsweise ein Glas eingelegte Oliven, dass irgendwo versteckt sein Dasein fristete und dessen  Mindesthaltbarkeitsdatum um 14 Jahre überschritten war, geöffnet und stellten fest, die Oliven zeigten keinerlei Anzeichen von Verderbnis und sie schmeckten wie damals.

Des Weiteren testeten wir Pflaumenmus (14 Jahre abgelaufen), eingeweckten Obstsaft (25 Jahre abgelaufen), Limonade (17 Jahre abgelaufen), Karotten im Glas (7 Jahre abgelaufen), geschnittenes Gemüse im Glas (8 Jahre abgelaufen) und Pflaumen im Glas (8 Jahre abgelaufen) und stellten fest, alle Proben waren nicht nur genießbar, sondern hatten auch keineswegs am Geschmack eingebüßt. Allein die Limonade hatte etwas weniger Kohlensäure und schmeckte etwas fad. Maßgeblich für die Haltbarkeit ist eine saubere und möglichst keimfreie Verarbeitung sowie eine weitgehend dunkle Lagerung mit möglichst gleichbleibender Temperatur, die nicht über 18 Grad steigt.

 


Leider ist es so, dass die Wirtschaft rein umsatzorientiert agiert und reagiert, ob es sich um Elektrogeräte handelt, die nach zwei Jahren den Geist aufgeben, um den Konsum anzukurbeln, oder eben bei Lebensmitteln, solche Regelungen dienen in erster Linie einem schnelleren Warenumsatz. Natürlich reden sich Verantwortliche gleich raus und verweisen auf womögliche gesundheitliche Schäden. Aber das trifft doch ehrlich gesagt nur dann zu, wenn der Verbraucher leichtsinnig und ungeachtet einer sensorischen Prüfung das Nahrungsmittel isst.

 

Verfallsdatum von Lebensmitteln
Schimmel ist in den meisten Fällen ein sicheres Zeichen, wen das Verfallsdatum von Lebensmitteln überschritten ist

Vorsicht ist vor allem dann gegeben, wenn es sich um Frischware handelt, wie Hackfleisch, Geflügel und Fisch. Diese sollten, auch in Dosen abgepackt, nach dem Verfallsdatum nicht verzehrt werden. Etwas anders sieht es bei Gläsern mit Tomatensoße „Bolognese“ aus. Auch wenn in diesen Hackfleisch enthalten ist, so kann der Inhalt getrost konsumiert werden, wenn der Deckel nicht durch Gas angehoben ist oder die oben erwähnten Mängel zu erkennen sind. Gleiches gilt für Dosen mit Rind- oder Schweinefleisch, auch diese können oft bis Jahre nach dem Haltbarkeitsdatum genießbar sein.

Früher war das üblich, sich selbst von dem Zustand des Nahrungsmittel zu überzeugen, heute durch Werbung, Mainstream und sogenannte „Fachartikel“ zu unkundig gemachten Konsumenten, fällt das schwer. Immer schwirrt im Hinterkopf die Angst vor einer Lebensmittelvergiftung. Aber gerade durch unsere Unmündigkeit, in der wir uns nur noch auf den Gesetzgeber und die Industrie verlassen, werden wir zum perfekten marionettierten Konsumenten. Jeder redet mit und keiner hat Ahnung von der Materie.

 

 

Und leider ist es so, dass gerade heute technischen Verfahren in der Lebensmittelherstellung neue Risiken in sich tragen, wie Salmonellen, andere Bakterien, Antibiotika und Medikamentenrückstände. Wir haben verlernt, unsere Lebensmittel sachgemäß und hygienisch zu behandeln, richtig durchzubraten oder abzukochen, alles muss schnell gehen, keiner hat mehr Zeit zum Kochen. Und wir haben verlernt, uns mit Keimen vernünftig auseinanderzusetzen. Zu viele Desinfektionsmittel führen dazu, dass immer mehr Antibiotika resistente Keime gezüchtet werden.

 

 

 

Haltbarkeit von Lebensmitteln: Erweiterte Übersicht mit Wasser, Limonaden und Alkohol

Kategorie Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) oder Verbrauchsdatum (VD) Durchschnittliche Haltbarkeit nach Ablauf des MHD/VD (bei sachgemäßer Lagerung) Hinweise
Tees MHD 1-2 Jahre -Kühl, trocken und dunkel lagern; Lose Teeblätter halten sich tendenziell kürzer als Teebeutel.
Tiefgekühlte Lebensmittel MHD – Verschiedene Haltbarkeiten je nach Produkt (z.B. Gemüse 10-12 Monate, Fleisch 6-12 Monate) -Tiefkühltruhe auf -18°C einstellen; Auftauen im Kühlschrank oder in der Mikrowelle; Nicht wieder einfrieren.
Eingeweckte Lebensmittel MHD 1-2 Jahre Kühl, trocken und dunkel lagern; Nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahren und zügig verbrauchen.
Gepökelte Lebensmittel MHD 3-4 Wochen im Kühlschrank, 1-2 Monate tiefgefroren Im Kühlschrank lagern; Vakuumverpackte Produkte halten sich länger.
Trockenobst MHD 6-12 Monate Kühl, trocken und dunkel lagern; In luftdicht verschlossenen Behältern aufbewahren.
In Salz eingelegte Lebensmittel MHD 2-3 Monate im Kühlschrank Im Kühlschrank lagern.
Lebensmittel in Dosen MHD 1-2 Jahre Kühl, trocken und dunkel lagern; Nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahren und zügig verbrauchen; Dosen mit Dellen oder Beschädigungen nicht mehr verwenden.
Vakuumierte Lebensmittel MHD 2-3 Jahre (bei sachgemäßer Lagerung) Kühl, trocken und dunkel lagern; Nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahren und zügig verbrauchen;  Beschädigte Verpackungen können die Haltbarkeit beeinträchtigen.
Wasser – Unbegrenzt haltbar bei ungeöffneter Flasche. Nach dem Öffnen kühl und dunkel lagern und zügig verbrauchen.
Limonaden MHD – Verschiedene Haltbarkeiten je nach Produkt (z.B. 6-12 Monate) Kühl und dunkel lagern; Nach dem Öffnen im Kühlschrank aufbewahren und zügig verbrauchen.
Alkohol MHD – Hochprozentige Alkoholika (z.B. Spirituosen) sind unbegrenzt haltbar. Niedrigprozentige Alkoholika (z.B. Wein, Bier) haben ein MHD, das beachtet werden sollte.

Zusätzliche Hinweise:

  • Sauer eingelegte Lebensmittel: Sauer eingelegte Lebensmittel wie Gurken oder Sauerkraut können durch den Gärungsprozess deutlich länger haltbar sein als 2-3 Monate. Achten Sie auf die Haltbarkeitsangaben auf der Verpackung.
  • Fertiggerichte: Fertiggerichte haben in der Regel ein kürzeres MHD als die einzelnen Zutaten. Beachten Sie die Angaben auf der Verpackung.
  • Offene Lebensmittel: Offene Lebensmittel sollten generell schneller verbraucht werden als ungeöffnete. Achten Sie auf die Lagerbedingungen und die sensorischen Eigenschaften.

Generell gilt:

  • MHD: Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) gibt an, bis wann ein Lebensmittel bei sachgemäßer Lagerung seine spezifischen Eigenschaften wie Geschmack, Geruch oder Farbe behält. Nach Ablauf des MHD ist das Lebensmittel nicht automatisch verdorben, kann aber an Qualität verlieren.
  • VD: Das Verbrauchsdatum (VD) ist ein Stichdatum. Nach Ablauf des VD ist das Lebensmittel nicht mehr zum Verzehr geeignet und sollte entsorgt werden.
  • Sensorische Prüfung: Auch nach Ablauf des MHD/VD sollten Sie Lebensmittel immer auf ihre Genießbarkeit prüfen. Anzeichen für Verderb sind z.B. Schimmelbildung, unangenehmer Geruch oder veränderte Konsistenz.

 

Schlussgedanke – Verfallsdatum von Lebensmitteln

Seit Jahrzehnten testen wir in Gläser und Dosen eingelegte Lebensmittel, auch vakuumverpackten Kaffee, Olivenöl und anderes. Die auf dem Foto abgebildeten Kapernfrüchte, in Essig eingelegt, sind seit Juni 2004 abgelaufen und siehe da, im August 2017 noch genießbar. Sie schmecken so wie vor 13 Jahren.
Gemahlener Kaffee, Vakuum verpackt war größtenteils noch 10 Jahre nach dem Verfallsdatum genießbar. Selbst Olivenöl (Säuregrad beim Abfüllen von 0,19 °), luftdicht in einer dunklen Flasche abgefüllt und kühl und dunkel gelagert, schmeckte noch 8 Jahre nach dem Verfallsdatum nicht ranzig und wies damit eine bessere Qualität auf, als so manches Olivenöl mit einem hohen Säuregrad, das erst letztes Jahr gepresst wurde.

Schreiben Sie uns doch Ihre Erfahrungen mit Lebensmitteln, die das Mindesthaltbarkeitsdatum oder das Verfallsdatum überschritten haben.

 

 

 

Quellen:

Steffen Gruss
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