Muskatnuss – Gold Ostindiens5 min Lesezeit

Muskatnuss (Myristica fragrans)

 

Der Muskatnussbaum gehört zur Familie der Muskatnussgewächse (Myristicaceae). Ursprünglich stammt der Baum von den Banda-Inseln, die zu den sogenannten Gewürzinseln (Molukken) gehören. Heute wird der Muskatbaum auch auf Java und der Karibik angebaut. Der immergrüne Baum wird ca. 9 bis 12 m hoch und bekommt Aprikosen ähnlich gelbe Früchte

Muskatnuss
Wilde Muskatnuss

 

Bekannt ist der Baum für seine Samen, die Muskatnuss, und dessen Samenmantel (auch Macis genannt). Beide werden gerne als Gewürz verwendet. Das Wort Muskatnuss kommt aus dem französischen, von noix muscat, welches wiederum vom mittellateinischen nux muscata kommt. Es bedeutet so viel wie „nach Moschus duftende Nuss“.

 

 

Muskatnuss – Geschichte

  • Umstritten ist, ob den Ärzten der Antike die Muskatnuss schon bekannt war.

 

  • Theophrastus beschrieb ein Gewürz (Comacum), welches ähnliche Eigenschaften hat. Plinius beschrieb dieses im 1. Jahrhundert bereits als Nuss.

 

  • Im 6. Jahrhundert war sie in Byzanz wie auch in China schon bekannt

 

  • Um das Jahr 1000 beschrieb der persische Gelehrte Ibn Sina die „Nuss aus Banda“.

 

  • Die „Früchte“ des Muskatnussbaumes gelangten vermutlich mit den Kreuzfahrern nach Europa.

 

  • Im 10 Jahrhundert schrieb der byzantinische Arzt Simon Seth über die Muskatnuss, „dass sie dem Magen, der Leber und dem Herzen nütze“, gleichzeitig warnte er auch von dem übermäßigem Verzehr

 

  • Der portugiesische Arzt Garcia da Orta veröffentlichte 1563 eine Schrift, in der neben circa 50 anderen Pflanzen auch Cannabis, Opium und die Muskatnuss beschrieben werden.

 

Muskatnuss

 

  • Die Muskatnuss wurde im 16 Jahrhundert auch als „Gold Ostindiens“ bezeichnet. Weshalb sich die großen Seemächte Spanien, England, Portugal und die Niederlande bekriegten

 

  • Im Jahre 1621 erlangte der niederländische Generalgouverneur Jan Pieterszoon Coen die Monopolstellung auf den Banda-Inseln

 

  • Das holländische Monopol wurde Ende des 18. Jh. von den Engländern durch die Eroberung der Molukken gebrochen. Von da an wurden Muskatbäume auch in Singapur, Penang, Sumatra, Sri Lanka und den westindischen Inseln angebaut.

 

 

 

Muskatnuss in der ayurvedischen Medizin

In Indien wird die Muskatnuss bei männlichen Potenzstörungen und bei Durchfallerkrankungen verwendet. Nebenbei wird die Nuss in der ayurvedischen Medizin als mildes Analgetikum verwendet und für seine antimikrobielle Wirkung sehr geschätzt.

 

 

 

Muskatnuss in der traditionellen chinesischen Medizin

In der Traditionellen Chinesischen Medizin wird die Muskatnuss auch Rou Dou Kou (Myristicae semen) genannt und wurde um das Jahr 600 im Yao Xing Ben Cao (Materia Medica der medizinischen Eigenschaften) von Zhen Quan zum ersten Mal genannt. Traditionell wird sie als Verdauungshilfe für Milz und Magen verwendet.

 

Muskatnuss

 

 

Muskatnuss – Inhaltstoffe

Die Muskatnuss ist zum einen ein sehr beliebtes Gewürz zum Kochen und zum anderen findet sie in der Naturheilkunde ebenfalls Verwendung. Folgende Inhaltstoffe sind in einer Muskatnuss enthalten:

  • Fettes Öl (Muskatöl)
  • ätherisches Öl (ca.5-13%)
  • Myristicin (Phenylpropanoid mit haluzinogenen Eigenschaften),
  • Eugenol (Phenylpropanoid, das intensiv nach Gewürznelke riecht),
  • Pinene (farbloser Bestandteil von Öl),
  • Safrol (Phenylpropanoid, das wie Anis duftet),
  • Terpene (u.a. Kohlenwasserstoff-Verbindungen),
  • Elemicin (haluzinogene Eigenschaften)
  • Lycopen (rötlicher Farbstoff),
  • Harz,
  • Lignane (Antioxidans, Phyto-Östrogen).

 

 

 

Muskatnuss – Verwendung

Innerliche und äußerliche Anwendung möglich

Menschen können Muskatnüsse innerlich wie äußerlich anwenden. Die Nuss hilft gegen unterschiedliche Leiden beziehungsweise wirkt lindernd und unterstützend. Bei der innerlichen Anwendung von Muskatnuss ist außerordentliche Vorsicht geboten, damit Konsumenten nicht versehentlich eine Überdosis einnehmen.

 

Wirkung:

  • Adstringierend
  • Anregend
  • Antibakteriell
  • Krampflösend
  • Beruhigend
  • Menstruationsfördernd
  • schmerzstillend

 

Muskatnuss

 

Anwendungsgebiete in der traditionellen Naturheilkunde:

  • Bähungen
  • Durchfall
  • Magenschwäche und- krämpfe
  • Leber- und Gallenschwäche
  • Rheuma, Gicht
  • Herzschwäche
  • Gedächtnisschwäche
  • Schlaflosigkeit
  • Ekzeme, Flechten, Herpes

 

Nebenwirkungen – Ist zu viel Muskatnuss giftig?

 

„Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, daß ein Ding kein Gift ist.“ (Paracelsus)

 

In zu hohen Dosen kann die Verwendung von Muskatnuss zu psychischen Störungen und einer Gastroenteritis führen. Auch Schwangere sollen auf den Verzehr verzichten.

Aflatoxin-Problematik

Besonders im tropischen Klima sind Muskatnüsse oft Opfer von Insekten. wie auch von Schimmelpilzen. Diese bilden zum Teil stark karzinogenen Aflatoxine. Aus diesem Grund dürfen Nüsse mit einer zweifelhaften Qualität, nicht als Gewürz verkauft werden. Diese können allerdings problemlos zu Muskatöl verarbeitet werden.

 

Muskatnuss als Rauschmittel

Der getrocknete Samenkern des Muskatbaumes wird hauptsächlich als Gewürz und der Naturheilkunde bei Erkältungen und Darmbeschwerden verwendet. Dennoch sollte man nie vergessen, dass Muskatnüsse generell toxisch sind.

Schon der Verzehr von mehr als 10 Gramm kann zu einem rauschähnlichen Zustand führen. Verantwortlich dafür ist das in der Nuss enthaltene ätherische Öl Myristicin. Wie bei jeder Droge, kann aber auch hier der übermäßige Verzehr unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringen.

Mögliche Folgen können bei einer Überdosierung vorkommen:

  • Kopfschmerzen,
  • Erbrechen,
  • Schwindel,
  • brennende Bauchschmerzen,
  • Unruhe,
  • Reizung der Harnwege,
  • Druck im Brustkorbbereich,
  • Bewusstseinsstörungen bis hin zu Komafällen,
  • Schockzustände.

ACHTUNG:
Für Kinder kann eine Überdosierung von Muskatnuss tödliche Auswirkungen haben!

 

 

 

 

Muskatnuss in der Naturheilkunde

Die Muskatnuss wird bei einer ganzen Reihe von gesundheitlichen Beschwerden eingesetzt.

Wichtig!!!

Da die Muskatnuss an sich giftig ist, muss man auf eine korrekte Dosierung achten.

Die positiven Eigenschaften der Muskatnuss, besonders das ätherische Muskatnussöl, wird auch bei zahlreichen naturheilkundlichen Arzneien angewandt. Dazu gehören z.B.:

  • Rheumasalben,
  • Erkältungsbalsam,
  • Halspastillen,
  • Kräuterbonbons,
  • Tropfen zum Einnehmen bei Verdauungsstörungen und Darmträgheit.

Zu den bekanntesten Vertreter darunter gehören z.B. Wick VapoRub®, Klosterfrau Melissengeist®, Carmol® und ist Bestandteil des bekannten „Schwedenbitters“

 

 

 

Quellen:

  • Arzneimittel-Fachinformation (CH)
  • Beck T.A., Marty H. Die Nervenkekse der Hildegard von Bingen – keine harmlose Nascherei. Forum Med Suisse, 2001, 51/52, 1287-1288
  • Beyer J., Ehlers D., Maurer H.H. Abuse of nutmeg (Myristica fragrans Houtt.): studies on the metabolism and the toxicologic detection of its ingredients elemicin, myristicin, and safrole in rat and human urine using gas chromatography/mass spectrometry. Ther Drug Monit, 2006, 28(4), 568-75
  • Burger A., Wachter H. (Hrsg.) Hunnius. Pharmazeutisches Wörterbuch. Berlin, New York: de Gruyter, 1998
  • Europäisches Arzneibuch
  • Frohne D., Pfänder H.J. Giftpflanzen. Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, 1997
  • Hänsel R., Sticher O., Steinegger E. Pharmakognosie – Phytopharmazie. Berlin, Heidelberg: Springer, 1999
  • McKenna A., Nordt S.P., Ryan J. Acute nutmeg poisoning. Eur J Emerg Med, 2004, 11(4), 240-1
  • Sangalli B.C., Chiang W. Toxicology of nutmeg abuse. J Toxicol Clin Toxicol, 2000, 38(6), 671-8
  • Schuldes B.M. Psychoaktive Pflanzen. Löhrbach: Werner Pieper’s Medienexperimente
  • Schweizerisches Toxikologisches Informationszentrum, Jahresbericht 2002
Steffen Gruss
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