Linde – Erste Hilfe bei Hustenreiz4 min Lesezeit

Die Linde

 

Linde

 

„Ich atme einen Linden Duft!

Im Zimmer stand

ein Zweig der Linde,

Ein Angebinde

Von lieber Hand.

Wie lieblich war der Lindenduft!

Wie lieblich ist der Lindenduft!

Das Lindenreis

Brauchst du gelinde!

Ich atme leis‘

Im Duft der Linde

Der liebe Linden Duft.“

(Friedrich Rückert „als Lied komponiert von Gustav Mahler“)

 

 

Die Gattungen der Linde (Tilia) gehört zu der Unterfamilie der Lindengewächse, welche wiederum den Malvengewächsen untergeordnet ist. In der Jungsteinzeit und Bronzezeit (5500-200 v.Chr.) waren die Bäume in unseren Wäldern sehr häufig vertreten. Dies hat sich heute allerdings stark geändert und sie nehmen nur noch ca. 0,5% der Waldfläche ein. Weltweit gibt es heute ca. 45 unterschiedliche Arten, allerdings haben sich diese vier Lindenarten besonders für unsere Gesundheit bewährt.

  • Sommerlinde
  • Winterliche
  • Holländische Linde
  • Silberlinde

 

Bei der Holländischen Linde handelt es sich um eine Kreuzung zwischen Sommer- und Winterlinde und die Silberlinde. Die Silberlinde unterscheidet sich von ihren Artgenossen durch ihre silbrig glänzende Beharrung an der Unterseite der Blätter und wird besonders gerne in der Gemmotherapie verwendet.

Ein gemeinsames Merkmal besitzen sie allerdings alle – ihre herzförmigen Blätter.

 

Linde
Herzförmige Lindenblätter

 

 

Die Linde – Mythologie, Verwendung und Volksmedizin

 

  • In den unterschiedlichen europäischen Kulturen stand die Linde für Milde, Sanftheit, Geborgenheit, Schutz und Liebe.
  • Die Germanen verehrten die Linde als heiligen Baum der Göttin Freya.
  • Bei den slawischen Stämmen galt die Linde als Sitz der Göttin Libussa.
  • Lindenbast war ein beliebtes Rohmaterial für Kleidungsstücke in der Steinzeit.
  • In der griechischen und römischen Mythologie galt die Linde, neben der Eiche, als Tempelbaum.
  • Hildegard von Bingen empfahl für klare und gesunde Augen eine Auflage aus Lindenblättern.
  • Im Mittelalter verwendete man zerstoßene Lindensamen bei Durchfall und Nasenbluten.
  • Lindenholzkohle galt im Mittelalter als Allzweckwaffe bei den unterschiedlichsten Erkrankungen. Unter anderem verwendete man sie bei Durchfall, Schwindsucht,Lungenleiden, entzündlichen Magen-Darmbeschwerden oder als Zahnpulver
  • Bei Hochzeitspaaren gab es den Brauch, dass sie für eine glückliche Ehe unter zwei oben zusammengewachsenen Linden hindurchgehen mussten.

 

Die Linde
Lindenblüten

 

 

Die Linde und ihre Inhaltsstoffe

 

  • Flavonoide 1% (z.B. Rutin, Quercetinglykoside, Hyperosid)
  • Schleimstoffe 10% (Arabinogalactane)
  • Gerbstoffe
  • Kaffeesäurederivate (Chlorogensäure)
  • Ätherisches Öl
Die Linde
Flugsamen an einer Linde

 

 

Welche Wirkung hat die Linde auf unseren Körper?

 

Durch ihre zahlreichen Inhaltsstoffe besitzt der Baum folgende Eigenschaften:

  • Schleimbildend
  • Stimulation der Abwehrkräfte
  • Fiebersenkend
  • Schwach krampflösende und hustendämpfende Wirkung
  • Antimikrobiell

 

Bei folgenden Beschwerden kann die Linde eingesetzt werden:

  • Katarrhe der Atemwege
  • Milderung des Hustenreizes
  • Trockener Reizhusten
  • Fieberhaften Erkältungskrankheiten
  • Stimulation des Immunsystems
  • Krampfartigen Magen-Darmbeschwerden

 

 

 

Dosierung und Nebenwirkungen

 

Richtige Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Die empfohlene Tagesdosis bei einem Erwachsenen liegt bei ca. 2-4g. Kinder können bei Beschwerden ebenfalls auf die Linde zurückgreifen, allerdings variiert die Tagesdosis je nach Alter.

Tagesdosis bei Kindern:

9 Monate – 1 Jahr             0,2-1g

1-4 Jahre                             1-2g

4-16 Jahre                           2-4g

 

 

 

Rezepte

 

 

Lindenblütenöl

Zutaten:

  • Getrocknete Lindenblüten
  • Oliven- oder Sonnenblumenöl

 

Blüten in ein Schraubglas geben und vollständig mit Öl übergießen. Für 2 Tage offen lasen und nur mit einem Mulltuch bedecken (damit die Feuchtigkeit entweichen kann); danach mit einem Deckel verschließen und jeden Tag leicht schwenken.

Nach 2 Wochen das Öl abseihen und in eine dunkle Flasche umfüllen.

Das Öl eignet sich bestens als Massageöl oder kann auch als Badezusatz verwendet werden.

 

 

Lindentee bei Schlafstörungen

Zutaten:

  • 20g Lindenblüten
  • 20g Melissen Blätter
  • 20g Baldrianwurzel
  • 10g Hopfenzapfen
  • 10g Lavendelblüten

 

2 Teelöffel der Mischung mit heißem Wasser übergießen; 10 Min stehen lassen und anschließend abseihen.

Bei Schlafstörungen 1-2 Tassen am Abend trinken.

 

 

Erkältungstee

Zutaten:

 

2 Teelöffel der Mischung mit heißem Wasser übergießen; 10 Min stehen lassen und anschließend abseihen.

3-4 mal täglich eine Tasse trinken

 

 

Lindenholzkohle bei Durchfall

Schon im Mittelalter wurde Lindenholzkohle bei Durchfallerkrankungen eingesetzt. Das besondere an der Kohle ist ihre Fähigkeit, das 50-90-fache ihres Eigengewichtes an Fremdstoffen zu binden. Und dabei handelt es sich nicht nur um überschüssiges Wasser sondern auch um Bakterien oder Giftstoffe, welche Durchfall auslösen können.

Dosierung:

2-3-mal täglich einen Teelöffel der Kohle in etwas Wasser geben und trinken.

 

 

 

Quellen:

  • Heilpflanzen Praxis Heute; Siegfried Bäumler, Urban & Fischer
Steffen Gruss
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