Hygiene

 

Wer hier als erstes an Hygienetücher und Toilettenpapier denkt, der in der Bedeutung von Hygiene lediglich Sauberkeit sieht, ist dem modernen Sprachgebrauch zum Opfer gefallen. Das Wort ‚Hygiene’ kommt aus dem Griechischen und umfasst die gesamte Gesundheitslehre, einen Bereich der Medizin, der sich mit Infektionsprävention und dem umweltbezogenen Gesundheits­schutz befasst[1].

Heutzutage überschwemmt eine Fülle von so genannten Hygienemitteln den Fernsehzuschauer in den Werbepausen. Stark, stärker am stärksten, der Dreck ist weg, blitz blank im Nu ist Küche, Bad und Flur. Die Fahnenträger rufen auf zum ‚Kampf den Bakterien, Kampf dem Schimmelpilz’. Keine Chance für ‚böse’ Keime, lasst alles ‚rein’ sein. Das Ergebnis sind sterile Möbel, sterile Fußböden, steriles Essen und sterile Menschen. Ein Druck auf die Sprayflasche und fertig. Zu kurz gedacht. Erstens lauert in den bunten, verheißungsvollen und handlichen Sprühflaschen ein aggressives Desinfektionsmittel, Stoffe, die als Zellgifte fungieren, das Immunsystem schwächen und Allergien auslösen können. Zweitens sind Bakterien die natürlichen Gegenspieler von Schimmelpilzen. Drittens sind die giftigen Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen, die Mykotoxine, kaum klein zu kriegen[2], auch wenn die Werbung etwas anderes verspricht. Untersuchungen haben ergeben, dass eine ordentliche Reinigung weit mehr zur Keimreduzierung beiträgt als Desinfektionsmaßnahmen. Denn gerade im Staub hält sich ein Großteil der Keime und Sporen auf. Staubwischen, Lüften und Waschen reduziert den Keimgehalt schon um ca. 99  Prozent und ist damit viel sinnvoller als der Griff zum Desinfektionsmittel.

Prof. Dr. Franz Daschner, Direktor des Instituts für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene an der Uniklinik Freiburg meint dazu: 99,99 Prozent aller Bakterien in unserer Umwelt machen uns überhaupt nicht krank, im Gegenteil, wir brauchen diese Bakterien, um unser Immunsystem zu trainieren. Und das, obwohl doch alles so simpel scheint mit dem spielerischen Sprühen.

Immer mehr Menschen leiden an Reizungen der oberen Luftwege. Zu viele scharfe Reinigungsmittel, die Atemwege und Haut angreifen, füllen häusliche Putzkammern. Hygiene verlangt keinem ein endloses Schrubben ab, sondern bezieht sich auf ein nötiges Maß, um Infektionsketten zu unterbrechen und damit Ansteckungsgefahren zu verringern. Hierzu zählt selbst­verständlich die tägliche Körperpflege, der richtige Umgang mit Nahrungsmitteln, Chemikalien, Umweltgiften, Abgasen und der Lebensweise allgemein.

Zu den Hygienemaßnahmen gehörten für Hippokrates, dem großen Vordenker ethisch orientierter Medizin, vor allem die Diätetik als Vorbeuge gegen Krankheiten. Allerdings machen es die Speisen allein noch nicht aus, es müsse noch vieles andere hinzukommen, wie Gymnastik, Bäder, Massagen, Lichtwirkung, Luftanwendung, so Hippokrates.

Besonders dürften sich die von diversen Altersbeschwerden geplagten Menschen über den Rat Galens[3] freuen, nämlich viel feurigen Wein zu trinken, denn der sei wärmend und harntreibend. Ein von Galen empfohlener Tagesablauf scheint dem eines heutigen Kurorts nachempfunden: Nach dem Aufstehen eine erste Massage, gegen neun Uhr Frühstück mit Brot und attischem Honig, danach leichte oder anregende Gespräche mit Freunden, oder wahlweise: in Ruhe Lektüre (bis 13 Uhr). Anschließend Besuch eines öffentlichen Bades mit Massagemöglichkeit und Sportbetrieb. Danach Waschen und eine Mahlzeit, deren Speisen den Magen nicht belasten und abführend wirken, anschließend Fisch.

Mit einer auf das Alter abgestimmten Lebensweise könne man die altersbedingten Beschwerden und Krankheiten wie Heiserkeit, Schnupfen, Steinbildung in den Nieren, Podagra (Gicht), Asthma, Schwindel, Schwierigkeiten beim Harnlassen, Sehschwäche, Schlaflosigkeit und Verstopfung wirksam bekämpfen. In seinem Werk „De sanitate tuenda“ widerspricht er der These, Altern sei per se eine Krankheit.

Sicherlich stellen wirksame Maßnahmen zur Ansteckungs­verhütung eine Herausforderung dar. Ich möchte daher ein Paradebeispiel herausgreifen, um die Schwierigkeit der Vorbeuge mit geeigneten Hygienemaßnahmen aufzeigen. Es ist die Salmonellose, eine bakterielle Erkrankung, der in der Öffentlichkeit zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird, obwohl diese Krankheit eine nicht zu unterschätzende Bedrohung darstellt.

[1] Brockhaus 2001

[2] Frau Prof. Fink-Gremmels, Uni Utrecht

[3] Galen; „De sanitate tuenda“

Hygiene

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