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Stoßwellentherapie in der Praxis: Wirkung, Kosten, Studien

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Medizinisch geprüft am 03.11.2026 von Steffen Gruß, staatlich zertifizierter Heilpraktiker.

⚠ Wichtiger Sicherheitshinweis – bitte zuerst lesen Die Stoßwellentherapie ersetzt keine Diagnose. Lassen Sie neue oder anhaltende Schmerzen ärztlich abklären, bevor Sie eine Behandlung beginnen. Notruf 112, wenn Schulter- oder Armschmerz mit Brustenge, Atemnot, Kaltschweißigkeit oder Ausstrahlung in Kiefer oder Arm auftritt – das ist kein Fall für Stoßwellen. Sofort ärztlich abklären: Schmerz mit Schwellung, Überwärmung und Rötung des Unterschenkels oder Fußes (Verdacht auf Thrombose), Schmerz nach Sturz oder Unfall (Verdacht auf Bruch oder Sehnenriss), Fieber mit Rötung (Infektion). Nicht geeignet unter anderem bei Schwangerschaft, Herzschrittmacher, Blutgerinnungsstörungen, bösartigen Tumoren und Infektionen im Behandlungsgebiet (Details im Abschnitt „Nebenwirkungen“).

Stoßwellentherapie in der Praxis: Wann sie hilft, wann nicht und worauf es wirklich ankommt

Schon der erste Schritt am Morgen kann zur Belastung werden. Es sticht in der Ferse, manchmal fühlt es sich an, als würde man auf einen Nagel treten. Einlagen wurden ausprobiert, regelmäßiges Dehnen gehört längst zum Alltag – doch die Beschwerden wollen einfach nicht verschwinden. Irgendwann stellt sich dann die Frage: Kann eine Stoßwellentherapie tatsächlich helfen oder gibt man dafür viel Geld aus, ohne zu wissen, ob es etwas bringt?

Eine pauschale Antwort gibt es darauf nicht. Entscheidend ist, welche Beschwerden vorliegen und was genau behandelt werden soll. Bei bestimmten Erkrankungen, etwa dem Fersenschmerz durch einen Fersensporn oder der Kalkschulter, gibt es durchaus gute wissenschaftliche Hinweise auf die Wirksamkeit. Bei anderen Einsatzgebieten ist die Studienlage dagegen weniger überzeugend.

In diesem Beitrag schauen wir uns die Stoßwellentherapie einmal genauer an. Wir erklären, wie das Verfahren funktioniert, bei welchen Beschwerden es sinnvoll eingesetzt werden kann und was die wissenschaftlichen Erkenntnisse tatsächlich aussagen. Außerdem geht es um die Kostenübernahme durch die Krankenkassen und darum, wie sich die Behandlung mit anderen konservativen und naturheilkundlichen Maßnahmen kombinieren lässt.

Das Wichtigste in Kürze Gut belegt: Fersenschmerz bei Plantarfasziitis (Fersensporn) und die Kalkschulter mit sichtbarem Kalkdepot (hochenergetische ESWT) [1–6].Uneinheitlich bis schwach: Tennisellenbogen, nicht verkalkte Schultersehnen und erektile Dysfunktion [1, 3, 4, 7–9].Kassenleistung nur bei Fersenschmerz durch Fasciitis plantaris, nach mindestens sechs Monaten erfolgloser konservativer Therapie. Alles andere zahlen Sie in der Regel selbst [10–12, 15].Geduld einplanen: Der Erfolg lässt sich meist erst nach 6 bis 12 Wochen beurteilen [17]. Am besten wirkt die Stoßwellentherapie als Teil eines Gesamtplans, nicht als Einzelmaßnahme.

Stoßwellentherapie: Was steckt hinter dem Verfahren?

Die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) leitet kurze, energiereiche Druckimpulse von außen ins Gewebe. Ihre Wurzeln liegen in der Urologie: Seit 1980 zertrümmert die Stoßwellenlithotripsie Nieren- und Gallensteine [18]. In Orthopädie und Schmerzmedizin arbeitet man mit deutlich schwächeren Impulsen an Sehnenansätzen, Faszien und Kalkdepots.

Wie die Wellen im Gewebe wirken, ist bis heute nicht abschließend geklärt [2]. Diskutiert werden eine bessere Durchblutung, ein angeregter Zellstoffwechsel, die Modulation von Schmerzsignalen und bei Verkalkungen ein mechanischer Abbau. Hinzu kommt: Gerätetyp, Energiedichte und Impulszahl unterscheiden sich von Studie zu Studie, was Vergleiche erschwert.

Fokussiert oder radial: Die zwei Verfahren im Vergleich

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) unterscheidet bei der fokussierten ESWT echte Stoßwellen von den Druckwellen der radialen ESWT [10]. Nach Energieflussdichte teilt man außerdem in niedrig (unter 0,08 mJ/mm²), mittel (0,08–0,28) und hoch (über 0,28 mJ/mm²) ein [2].

MerkmalFokussierte ESWTRadiale ESWT
WellenartStoßwellen mit steiler Druckfront, auf einen Punkt in der Tiefe gebündeltDruckwellen: Ein Projektil trifft einen Applikator, die Welle breitet sich von dort aus [18]
Typische ZieleTiefere Ansätze, Kalkdepots, definierter SchmerzpunktOberflächennähere Ansätze, Triggerareale, größere Flächen
EnergieNiedrig bis hoch; hohe Energien oft schmerzhaft, teils mit Schmerzmitteln [2]In der Regel niedrigere Energien, meist gut verträglich
Gerät & OrtungGroßgerät, häufig mit Ultraschall- oder RöntgenortungKompaktes Handgerät, Lokalisation per Tastbefund
Privat abrechenbar (GOÄ)Analog Nr. 1800, nur bei Großgeräten mit Ortung [13]Analog Nr. 302 [13]

Stoßwellentherapie bei Fersensporn, Kalkschulter und Co.: Was Studien belegen

Die Frage „Wirkt es?“ lässt sich nicht pauschal beantworten. Sie hängt vom Beschwerdebild ab. Die folgende Übersicht fasst die Studienlage bei der Verwendung mit einem Stoßwellengerät für die Praxis zusammen, die ich für diesen Beitrag ausgewertet habe.

AnwendungsgebietEvidenzlage (Einschätzung)Kostenträger
Fersenschmerz bei Plantarfasziitis („Fersensporn“)Gut: mehrere Übersichtsarbeiten; mittelfristig Vorteil gegenüber Kortisoninjektionen [3, 5, 6]Gesetzliche Kasse unter Bedingungen
Kalkschulter (Tendinitis calcarea)Gut bei hoher Energie: weniger Schmerz, bessere Funktion, Kalkauflösung [1, 2]Selbstzahler; private Kassen nach Prüfung [13]
Nicht verkalkte SchultersehnenKein belegter Vorteil gegenüber Placebo [1]Selbstzahler
TennisellenbogenUneinheitlich: gemischte Ergebnisse [3, 4]Selbstzahler; private Kassen nach Prüfung [13]
Sehnenbeschwerden untere ExtremitätPositive Hinweise, Studienqualität schwankt [4]Selbstzahler
Erektile Dysfunktion (Niedrigenergie)Begrenzt: messbarer, aber kleiner Effekt; Vertrauen in die Datenlage niedrig [7–9]Selbstzahler

Fersensporn und Plantarfasziitis: die am besten belegte Indikation

Stoßwellentherapie

Etwa jeder zehnte Mensch entwickelt im Laufe seines Lebens eine Plantarfasziitis, also eine schmerzhafte Reizung der Sehnenplatte an der Fußsohle. Darauf weist auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hin [11].

Dass die Stoßwellentherapie bei diesen Beschwerden helfen kann, ist inzwischen durch verschiedene Studien gut belegt. Bereits ein Übersichtsartikel im British Journal of Sports Medicine aus dem Jahr 2014 kam zu dem Schluss, dass sowohl die fokussierte als auch die radiale Stoßwellentherapie bei einer Plantarfasziitis wirksam sein können [3].

Auch neuere Untersuchungen bestätigen diese Ergebnisse. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 zeigte, dass die Behandlung mit Stoßwellen mittelfristig Schmerzen lindern und sowohl die Fußfunktion als auch die Dicke der Plantarfaszie positiv beeinflussen kann. Im Vergleich zu Kortisoninjektionen schnitt die Stoßwellentherapie dabei besser ab. Gleichzeitig wurde ein gutes Sicherheitsprofil festgestellt [5].

Eine weitere Metaanalyse, die placebokontrollierte Studien ausgewertet hat, kam ebenfalls zu einem positiven Ergebnis: Besonders bei mittleren Energiedichten zeigte sich ein deutlicher Vorteil gegenüber den Kontrollgruppen [6].

Kalkschulter: Hohe Energie schlägt niedrige

Bei einer chronischen Kalkschulter (Tendinitis calcarea) sieht die Studienlage vergleichsweise eindeutig aus. Ein systematischer Übersichtsartikel im Annals of Internal Medicine zeigte, dass eine hochenergetische Stoßwellentherapie Schmerzen lindern und die Beweglichkeit beziehungsweise Funktion der Schulter verbessern kann. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass sich vorhandene Kalkablagerungen durch die Behandlung zurückbilden. Bei Schultersehnen ohne Kalkablagerungen ließ sich dagegen kein überzeugender Unterschied gegenüber einer Placebobehandlung feststellen [1].

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine Metaanalyse, in die fünf Studien mit insgesamt 359 Patienten einbezogen wurden. Dabei zeigte sich, dass eine Behandlung mit hoher Energie hinsichtlich der Schulterfunktion bessere Ergebnisse erzielte als eine Therapie mit niedriger Energie. Auch die vollständige Rückbildung der Kalkablagerungen wurde häufiger beobachtet [2].

Allerdings hat die höhere Energie auch ihre Nachteile: Die Behandlung kann schmerzhafter sein, ist aufwendiger und verursacht in der Regel höhere Kosten [2].

Was bedeutet das für die Praxis?

Bei einer Kalkschulter, bei der sich die Ablagerungen im Röntgenbild oder Ultraschall eindeutig nachweisen lassen, kann die Stoßwellentherapie eine sinnvolle Behandlungsoption sein. Bestehen dagegen Schulterschmerzen ohne erkennbare Kalkablagerungen, sollte man die Erwartungen etwas zurückschrauben. Nach der bisherigen Studienlage ist hier kein vergleichbarer Nutzen nachgewiesen.

Tennisellenbogen und erektile Dysfunktion: Zurückhaltung ist angebracht

Beim Tennisellenbogen beschreibt die Literatur gemischte Ergebnisse [3]. Eine Metaanalyse von 2024 fand bei Sehnenbeschwerden der oberen Extremität keinen Vorteil gegenüber anderen Optionen, bei der unteren Extremität dagegen positive Effekte [4].

Auch bei der erektilen Dysfunktion wird niedrigenergetische ESWT angeboten. Eine Metaanalyse von zehn Studien mit 873 Männern zeigte gegenüber Scheinbehandlung eine Verbesserung um rund vier Punkte im IIEF-EF-Fragebogen [7]. Zugleich stufte ein Überblick über acht systematische Reviews das Vertrauen in sieben davon als „kritisch niedrig“ ein [9]. Die europäische Urologenleitlinie spricht nur eine schwache Empfehlung für milde organische Formen oder PDE5-Hemmer-Versager aus, die amerikanische führte das Verfahren zum Zeitpunkt der Bewertung als „investigational“ [8]. Wer hier investieren möchte, sollte vorher urologisch abklären lassen.

Ablauf der Stoßwellentherapie: So läuft eine Behandlung ab

  1. Anamnese und Diagnostik. Befragung, Tastbefund und – je nach Befund – Ultraschall oder Röntgen, um den Schmerzort zu lokalisieren und andere Ursachen auszuschließen [17].
  2. Aufklärung. Risiken, realistische Erfolgsaussicht und Gesamtkosten. Bei Selbstzahlerleistungen gehört eine schriftliche wirtschaftliche Aufklärung dazu [13].
  3. Behandlung. Auf die Haut kommt Ultraschallgel, dann führt der Behandler den Applikator über das Areal. Eine Sitzung dauert meist 5 bis 15 Minuten; üblich sind drei bis sechs Sitzungen in einem Abstand von einigen Tagen [16]. Die Intensität richtet sich nach der Schmerzgrenze: unangenehm, aber gut verträglich.
  4. Verlauf. Zu Beginn kann der Schmerz vorübergehend zunehmen. Ob die Behandlung wirkt, lässt sich meist erst 6 bis 12 Wochen nach Beginn beurteilen [17]. Eine Kortisoninjektion sollte idealerweise mehr als sechs Wochen zurückliegen [17].

Nebenwirkungen und Kontraindikationen der Stoßwellentherapie

Insgesamt gilt das Verfahren als gut verträglich, aber nicht als risikofrei. Entscheidend ist, die Gegenanzeigen vor der ersten Sitzung konsequent abzufragen.

KategorieWas dazugehört
Häufig, vorübergehendSchmerz während und nach der Behandlung, Rötung und Schwellung an der behandelten Stelle [17]
SeltenBlutdruckanstieg [19]; Einrisse in bereits vorgeschädigten Sehnen [16]
Nicht anwenden beiSchwangerschaft, Herzschrittmacher, Blutgerinnungsstörungen, bösartigen Tumoren [15]; Infektion im Behandlungsgebiet [17]; Thrombose im Behandlungsgebiet [16]; offenen Wachstumsfugen sowie in direkter Nähe von Lunge, Darm, Gehirn, Rückenmark und Nerven [19]
Vorab ärztlich klärenKortisoninjektionen in den letzten sechs Wochen [17]; Einnahme gerinnungshemmender Medikamente; unklare Schmerzursache

Kosten der Stoßwellentherapie: Wann die Krankenkasse zahlt

Der G-BA hat am 19. April 2018 beschlossen, die ESWT beim Fersenschmerz durch Fasciitis plantaris in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen [10, 11]. Seit dem 1. Januar 2019 gilt sie unter bestimmten Voraussetzungen als Kassenleistung [12]:

  • Der Fersenschmerz hat die gewohnte körperliche Aktivität mindestens sechs Monate eingeschränkt.
  • In dieser Zeit blieben unterschiedliche konservative Maßnahmen wie Dehnübungen und Schuheinlagen ohne relevante Besserung [10].
  • Die Behandlung erbringen Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie oder für Physikalische und Rehabilitative Medizin [10].
  • Pro Fuß sind höchstens drei Sitzungen in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen abrechenbar [12, 14].

Für alle anderen Anwendungen tragen Sie die Kosten in der Regel selbst; sie summieren sich schnell auf einige hundert Euro [15]. Private Versicherer zahlen nach Einzelfallprüfung meist bei Kalkschulter, Tennisellenbogen und Fersensporn [13]. Fragen Sie vorab nach Gerät, Energiedichte, Sitzungszahl und Gesamtpreis und holen Sie sich Zusagen schriftlich.

Stoßwellentherapie und TCM: Stagnation lösen, Sehnen versorgen

Die Traditionelle Chinesische Medizin beschreibt Schmerz am Bewegungsapparat häufig als Stagnation von Qi und Blut in den Leitbahnen, nach dem klassischen Satz: Wo es nicht fließt, schmerzt es. Sehnen und Bänder werden der Leber zugeordnet, die Ferse liegt im Verlauf von Nieren- und Blasenleitbahn. Ein hartnäckiger Fersenschmerz wird deshalb nicht nur als lokales Problem gelesen, sondern auch als Hinweis auf eine Überlastung bei schwacher Versorgungslage des Gewebes.

Aus dieser Sicht wirkt der mechanische Reiz der Stoßwelle am schmerzhaften Punkt (in der TCM: Ashi-Punkt) wie ein Impuls, der Stagnation lösen und die lokale Versorgung anregen soll, verwandt mit Tuina, Schröpfen oder Gua Sha. Wichtig ist die Einordnung: Das ist ein Deutungsrahmen aus der Erfahrungsheilkunde, kein Wirksamkeitsbeleg. Die Brücke zur Schulmedizin liegt im Praktischen. Beide Sichtweisen landen bei Durchblutung, Belastungsdosierung und der Frage, warum das Gewebe überhaupt überlastet wurde.

Ergänzend kommen in der naturheilkundlichen Begleitung infrage (individuell abzustimmen, Studienlage je nach Verfahren heterogen):

  • Akupunktur oder Akupressur an Punkten rund um das Sprunggelenk, etwa Niere 3 und Blase 60.
  • Wärmeanwendungen bei kalten, steifen Beschwerden, jedoch nicht bei akuter Entzündung oder Überwärmung.
  • Gewichts- und Belastungsmanagement, passendes Schuhwerk und ein strukturiertes Dehn- und Kräftigungsprogramm.

Aus der Praxis: Was die Stoßwellentherapie wirksam macht

In der Praxis entscheidet selten das Gerät allein. Fünf Punkte, die sich im Alltag immer wieder zeigen:

  • Erwartung klären. Ein vorübergehender Schmerzanstieg zu Beginn ist nicht ungewöhnlich; den Erfolg beurteilt man erst nach Wochen.
  • Ursache mitbehandeln. Schuhwerk, Trainingsumfang, Fußstatik, Körpergewicht und verkürzte Wadenmuskulatur. Sonst lösen Stoßwellen nur das Symptom.
  • Basis nicht überspringen. Dehnung, Einlagen und Kräftigung bleiben das Fundament; der G-BA verlangt sie sogar vor der Kassenleistung [10].
  • Abbruchkriterium festlegen. Bleibt nach dem geplanten Zyklus jede Besserung aus, lohnt eher eine neue Diagnostik als die nächste Serie.
  • Seriosität prüfen. Wer Heilung garantiert, ist kein guter Ansprechpartner.
Fallbeispiel (anonymisiert, exemplarisch) Eine 46-jährige Hobbyläuferin klagt seit acht Monaten über Anlaufschmerz an der Ferse. Dehnen und Einlagen brachten kaum Besserung. Nach Ausschluss anderer Ursachen folgte ein Zyklus radialer Stoßwellen, kombiniert mit Wadendehnung, Kräftigung und einem reduzierten Laufumfang. Nach der zweiten Sitzung nahm der Schmerz zunächst zu; spürbar besser wurde es nach etwa acht Wochen. Begleitend kam Akupunktur zum Einsatz, um den Gesamtzustand und die Regeneration zu unterstützen.

Praxis-Check: Fünf Fragen vor der ersten Sitzung

  1. Ist die Diagnose gesichert (Untersuchung, bei Bedarf Ultraschall oder Röntgen)?
  2. Wurde konservativ ausreichend lange behandelt (Dehnen, Einlagen, Belastungsanpassung)?
  3. Welches Gerät, welche Energiedichte, wie viele Sitzungen, welcher Gesamtpreis?
  4. Sind Gegenanzeigen ausgeschlossen (Schwangerschaft, Schrittmacher, Gerinnungsstörung, Infektion)?
  5. Wann wird der Erfolg überprüft, und was passiert, wenn er ausbleibt?

Häufige Fragen zur Stoßwellentherapie

Tut die Stoßwellentherapie weh?

Meist wird sie als unangenehm, aber gut verträglich beschrieben [16]. Hohe Energien sind schmerzhafter und erfordern teils Schmerzmittel oder eine Betäubung [2].

Wie viele Sitzungen sind nötig?

Üblich sind drei bis sechs Sitzungen [16]. In der Kassenleistung beim Fersenschmerz sind es höchstens drei in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen [12, 14].

Wann merke ich eine Wirkung?

Manchmal nach Tagen, oft erst nach Wochen. Eine belastbare Beurteilung ist meist nach 6 bis 12 Wochen möglich [17].

Zahlt meine Krankenkasse die Stoßwellentherapie?

Gesetzliche Kassen übernehmen sie nur bei Fersenschmerz durch Fasciitis plantaris und unter den oben genannten Bedingungen [10, 12]. Private Versicherer prüfen im Einzelfall [13].

Darf ich nach einer Kortisonspritze behandelt werden?

Ideal ist ein Abstand von mehr als sechs Wochen; besprechen Sie das vorab mit Ihrem Behandler [17].

Fazit: Stoßwellentherapie gezielt einsetzen

Die Stoßwellentherapie ist weder Wundermittel noch Scharlatanerie. Bei Fersensporn mit langem Verlauf und bei der Kalkschulter ist sie eine gut begründete Option, wenn die Basismaßnahmen ausgeschöpft sind. Bei Tennisellenbogen, nicht verkalkten Schultersehnen und erektiler Dysfunktion ist Zurückhaltung angezeigt. Entscheidend sind drei Dinge:

  • Erst die Diagnose, dann die Therapie. Alarmzeichen und Gegenanzeigen vorab klären.
  • Passende Indikation, passende Energie. Nicht jedes Beschwerdebild profitiert, und hohe Energie wirkt bei Kalk besser als niedrige.
  • Gesamtplan statt Einzelmaßnahme. Belastung, Dehnung, Kräftigung und – wo passend – TCM-Verfahren gehören dazu.

Wenn Sie unsicher sind, ob die Stoßwellentherapie für Ihr Beschwerdebild infrage kommt, lassen Sie sich in einer Praxis beraten, die Diagnostik, Geräte und Alternativen offen darlegt.

Medizinischer Haftungsausschluss Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Untersuchung noch Diagnose oder Behandlung. Er enthält keine individuellen Therapieempfehlungen und keine Heilversprechen. Bei akuten, starken oder anhaltenden Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin, einen Arzt oder den Notruf 112. Setzen Sie ärztlich verordnete Behandlungen und Medikamente nicht eigenmächtig ab. Trotz sorgfältiger Recherche übernehmen Autor und Betreiber keine Gewähr für Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität. Stand: 03.11.2026.
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Über den Autor

Als staatlich geprüfter Heilpraktiker mit der Ausbildung zum Rettungsassistent schlage ich seit über 20 Jahren die Brücke zwischen Schulmedizin und traditioneller Naturheilkunde. Meine Stationen an der Universitätsklinik in Beijing (TCM) und dem Klinikum Rechts der Isar sowie Fachbetreuer an der psychosomatischen Klinik St. Lukas prägen meine ganzheitliche Diagnose in eigener Praxis sowie meine Arbeit als Dozent und Geschäftsführer des Instituts für Prävention. Auf diesem Portal teile ich mein Wissen für Ihre nachhaltige Gesundheit.

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Quellenverzeichnis

Wissenschaftliche Studien und Übersichtsarbeiten

[1] Bannuru RR et al.: High-energy extracorporeal shock-wave therapy for treating chronic calcific tendinitis of the shoulder: a systematic review. Ann Intern Med 2014;160(8):542–549. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24733195/

[2] Verstraelen FU et al.: High-energy versus low-energy ESWT for calcifying tendinitis of the shoulder: which is superior? A meta-analysis. Clin Orthop Relat Res 2014;472(9):2816–2825. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24872197/

[3] Speed C: A systematic review of shockwave therapies in soft tissue conditions: focusing on the evidence. Br J Sports Med 2014;48(21):1538–1542. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/23918444/

[4] Effectiveness of extracorporeal shockwave therapy in treatment of upper and lower limb tendinopathies: a systematic review and meta-analysis. Physiother Res Int 2024;29(1):e2042. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37493215/

[5] Cortés-Pérez I et al.: Efficacy of extracorporeal shockwave therapy, compared to corticosteroid injections, on pain, plantar fascia thickness and foot function in patients with plantar fasciitis: a systematic review and meta-analysis. Clin Rehabil 2024. https://www.ovid.com/journals/clrb/fulltext/10.1177/02692155241253779~efficacy-of-extracorporeal-shockwave-therapy-compared-to

[6] Efficacy of different energy levels used in focused and radial ESWT in the treatment of plantar fasciitis: a meta-analysis of randomized placebo-controlled trials. J Clin Med 2019;8(9):1497. https://doi.org/10.3390/jcm8091497

[7] Sokolakis I, Hatzichristodoulou G: Clinical studies on low intensity extracorporeal shockwave therapy for erectile dysfunction: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials. Int J Impot Res 2019. https://www.urotoday.com/recent-abstracts/men-s-health/erectile-dysfunction/110131-clinical-studies-on-low-intensity-extracorporeal-shockwave-therapy-for-erectile-dysfunction-a-systematic-review-and-meta-analysis-of-randomised-controlled-trials.html

[8] Schoofs E et al.: Current guideline recommendations and analysis of evidence quality on low-intensity shockwave therapy for erectile dysfunction. Int J Impot Res 2019. https://research.regionh.dk/da/publications/current-guideline-recommendations-and-analysis-of-evidence-qualit/

[9] Low-intensity extracorporeal shockwave therapy for erectile dysfunction: an overview of systematic reviews. Transl Androl Urol. https://tau.amegroups.org/article/view/79463/html

Institutionen, Fachgesellschaften und Patienteninformationen

[10] Gemeinsamer Bundesausschuss: Beschluss über eine Änderung der Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung: Extrakorporale Stoßwellentherapie beim Fersenschmerz. 19.04.2018. https://www.g-ba.de/downloads/39-261-3310/2018-04-19_MVV-RL_Extrakorporale%20Sto%C3%9Fwellentherapie_Fersenschmerz.pdf

[11] Gemeinsamer Bundesausschuss: Pressemitteilung „Extrakorporale Stoßwellentherapie kann zukünftig auch ambulant zur Fersenschmerz-Behandlung eingesetzt werden“. 19.04.2018. https://www.g-ba.de/presse/pressemitteilungen/743/

[12] IGeL-Monitor: Von der IGeL zur Kassenleistung: Stoßwellentherapie beim Fersenschmerz. 14.03.2019. https://igel-monitor.de/fileadmin/user_upload/19-03-14_ESWT_Ferse_PM_2.pdf

[13] Gorlas S: Zur Abrechnung der extrakorporalen Stoßwellentherapie. Dtsch Ärztebl 2014;111(31–32):A-1380. https://www.bundesaerztekammer.de/themen/aerzte/honorar/goae-ratgeber/abschnitt-l-chirurgie-orthopaedie/extrakorporalen-stosswellentherapie

[14] Gorlas S: Zum analogen Ansatz der Nr. 1800 GOÄ für eine ESWT. Dtsch Ärztebl 2023;120(49):A-2110. https://m.baek.de/fileadmin/user_upload/BAEK/Themen/Honorar/GOAE/2023-12-08_Gorlas_GOAE-Ratgeber_DAEB_49-2023_-_Neue_UEberschrift_Haeufigkeit_ESWT.pdf

[15] krankenkassen.de: Stoßwellentherapie – Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nur in wenigen Fällen. https://www.krankenkassen.de/gesetzliche-krankenkassen/leistungen-gesetzliche-krankenkassen/gesetzlich-vorgeschriebene-leistungen/neue-leistungen/stosswellentherapie/

[16] Johanniter Medizinisches Versorgungszentrum Gronau: Patienteninformation Stoßwellentherapie. https://assets.johanniter.de/assets/Kliniken/Gronau/Bilder/Spezialzentren/Flyer_Stosswellen_print.pdf

[17] Klinik Hirslanden: Patienteninformation und Aufklärungsprotokoll Stosswellenbehandlung. https://www.hirslanden.ch/content/dam/klinik-im-park/downloads/de/brochures1/52237_41449_Hirsl_Fuss_Stosswellenbehandlung_Flyer_web.pdf

[18] Kilian U: Mit Schall gegen Schmerz – Wie Stoßwellen entstehen und für therapeutische Zwecke eingesetzt werden. pro-physik.de. https://pro-physik.de/restricted-files/136826

[19] Shop Apotheke Therapie-Lexikon: Stoßwellentherapie – ein schonendes Verfahren (Patienteninformation). https://www.shop-apotheke.at/therapie-lexikon/stosswellentherapie/

Steffen Gruß (Heilpraktiker)

Über den Autor: Steffen Gruß Steffen Gruß ist staatlich geprüfter Heilpraktiker mit eigener Fachpraxis in Bad Füssing / Bayern. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der klinischen Naturheilkunde ist er spezialisiert auf Diagnostik, asiatische Medizin und manuelle Therapie. Als Referent für Naturheilkunde und medizinisches Grundwissen gibt er sein Fachwissen regelmäßig an medizinisches Fachpersonal und Patienten weiter. Sein Ziel auf diesem Portal ist die evidenzbasierte Vermittlung von Alternativmedizin und moderner Ernährungslehre. Er ist Mitglied im Fachverband deutscher Heilpraktiker. Mehr erfahren: Steffen Gruß | LinkedIn | Über uns » Fachportal Gesundheit

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