Bluthochdruck – Ein Erfahrungsbericht

 

 

Erfahrungsbericht eines Patienten bei essentieller Hypertonie

Eine Odyssee in der Kardiologie

 

 

64-jähriger Patient hatte einen Bluthochdruck von 240/110 mgHg

Ursache:

Stress beruflicher Genese sowie psychische Belastung nach Todesfällen, leichte Adipositas


.

(keine organischen Schäden).

 

Früher ging man davon aus, der systolische Blutdruck bei älteren Menschen sollte bei 100 + Alter liegen.

Diese Ansicht sei längst überholt meinten die Kardiologen im Krankenhaus. Laut den europäischen Leitlinien soll der Blutdruck bei über 65-Jährigen auf unter 140/90 mmHg eingestellt werden, um sie vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu schützen. Diese Zielwerte gelten auch für über 80-Jährige, bei ihnen sind jedoch verstärkt individuelle Faktoren wie Begleiterkrankungen zu berücksichtigen.

Im Krankenhaus sagte man, eine Einstellung auf annähernd 120/80 würde angestrebt.

Dass dies nur schwer zu erreichen sei, war klar. Außerdem war die Argumentation keineswegs zu verstehen. Wie soll in älteren Gefäßen, die nicht mehr die Geschmeidigkeit und Durchlassfähigkeit besitzen, es möglich sein, mit gleichem Druck wie in jungen Jahren das Blut durch die Adern zu pressen. Die Folge würde zwangsläufig Schwindel sein, weil zu wenig Sauerstoff ins Gehrin gelangt.

Mittlerweile gibt es allerdings Meinungen von Fachleuten, die von den eben genannten 120/80 mmHG abweichen und bei älteren Menschen wieder höhere Werte empfehlen.

Denn Forscher der Charité in Berlin konnten nachweisen, dass die medikamentöse Senkung des Blutdrucks auf unter 140/90 mmHg – und insbesondere auf unter 130/90 mmHg – nicht grundsätzlich eine schützende Wirkung hat.

Wie die Wissenschaftler feststellten, lag das Sterberisiko bei über 80-Jährigen mit einem Blutdruck von unter 140/90 mmHg um 40 Prozent höher als bei denjenigen, deren Blutdruck über 140/90 mmHg betrug.

Bei Studienteilnehmern, die zuvor bereits einen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten hatten, war das Sterberisiko noch höher und lag bei ca. 61 Prozent im Vergleich zu denen, deren Blutdruck sich trotz medikamentöser Behandlung konstant über 140/90 mmHg einpendelte.

 

Behandlung im Klinikum:

 

zuerst:

Ramipril 5mg                                                    1-0-1 (morgens/mittags/abends)

+ Hydrochlorothiazid (HCT) 12,5 mg             1-0-0

Als der Blutdruck noch nicht die gewünschten Werte von unter 160/90 erreichte, setzte man zusätzlich folgende Medikamente ein:

Lercanidipin 10 mg                                      1-0-1

+ Metropolol 95 mg                                         1-0-0

 

Ergebnis:  Blutdruckabfall auf 155/90 mmHG, aber schwankend mit Abweichungen nach oben bis 185/95 mm Hg. Weil dies den behandelnden Ärzten noch zu hoch war, wollten die Ärzte die Dosis erhöhen.

Da sich der Patient nach Einnahme der Medikamente so schlecht fühlte, wie nie zuvor, verweigerte er dies. Ein Arzt meinte, man könne auch noch ein Cholesterin senkendes Mittel einsetzen, was der Patient ebenfalls verweigerte. Mit gutem Grund, denn der Cholesterinspiegel lag in dieser Stresssituation bei 233, wobei der HDL-Wert („gutes“ Cholesterin) mit 53 (Normalwert: 34-55) sehr gut war.

Mit diesen Werten wurde der Patient entlassen.

Nach Vorstellung in der Hausarzt-Praxis zur Nachverordnung und weil es ihm immer noch schlecht ging (Unruhe, Atemnot, Magenbeschwerden, Schwäche u.a.) wurden 
die Medikamente umgestellt auf:

Carmen ACE (10mg/10mg)          1-0-1

+ Metropolol 45 mg                       1-0-0

+ HCT 25 mg                                 1-0-0

Ergebnis: keine wesentliche Verbesserung, im Gegenteil, zu den bisherigen Nebenwirkungen kamen jetzt noch Taubheit in den Händen, Herzbeklemmungen, Müdigkeit, Beeinträchtigung des Sehvermögens und hypertone Entgleisungen hinzu. Dies kann man wahrscheinlich nicht allein auf die Umstellung zurückführen, sondern auch darauf, dass sich die Nebenwirkungen erst im Laufe der Zeit manifestieren.

Die hypertonen Entgleisungen wurden zusätzlich mit Clonidin 0,15 behandelt, was aber nur kurzfristig wirkte.

Zusätzlich wurde die Medikation von
 Metropolol 45 mg auf 1-0-1
 erhöht

Puls sank auf 40 bis 45, Schwindelgefühl stieg, Blutdruck immer noch zwischen 155 und 185 mmHg / 95-105 mmHg

 

DAS ERGEBNIS WAR NACH WIE VOR UNBEFRIEDIGEND MIT STARKEN NEBENWIRKUNGEN!!!

 

Medikamentenwechsel auf

Valsacor 160 mg                                              1-0-0,5

+ HCT 25 mg                                                    1-0-0

(alle anderen Medikamente wurden weggelassen)

Leichte Verbesserung, Blutdruck sank auf 145 bis 168 mm Hg. Auch die Nebenwirkungen verringerten sich nach ersten Verschlechterungen wegen des Absetztens der Beta-Blocker leicht. Dieser immer noch unbefriedigende Zustand änderte sich auch in den nächsten drei Monaten nicht.

 

Erneuter Medikamentenwechsel:

Jetzt wurde von Valsacor (Valsartan) auf EDARBI (Azilsartan) 40 mg 1 x tgl. in Kombination mit Chlortalidon (12,5 mg 1x tgl.) anstatt HCT gewechselt.

(Nach der wissenschaftlichen SHEP- als auch ALLHAT-Studie zeigten sich eindeutig bessere Ergebnisse als mit anderen Sartanen, ein Ergebnis, dass auch von Prof. Dr. Franz Messerli von der Columbia University New York bestätigt wurde)

Beim Wechsel auf diese Kombination verschwanden alle Nebenwirkungen innerhalb von vier Tagen nachhaltig. Außerdem pendelte sich der Blutdruck innerhalb von 8 Tagen auf vertretbare Blutdruckwerte zwischen 128 und 138 mm Hg ein. Der Puls liegt seitdem zwischen 60 und 68 mm Hg.


Steffen Gruss