Homöopathie6 min Lesezeit

Die Homöopathie führt ihre Wurzeln auf Dr. Samuel Hahnemann (1755-1843) zurück. 

Des Arztes höchster und einziger Beruf ist, kranke Menschen gesund zu machen, was man Heilen nennt. Das höchste Ideal der Heilung ist schnelle, sanfte, dauerhafte Wiederherstellung der Gesundheit, oder Hebung und Vernichtung der Krankheit in ihrem ganzen Umfange auf dem kürzesten, zuverlässigsten, unnachtheiligsten Wege, nach deutlich einzusehenden Gründen.

 

(Organon der Heilkunst, Christian Friedrich Samuel Hahnemann)

Die Klassische Homöopathie ist eine auf Erfahrungen beruhende ganzheitliche Therapiemethode. Der Mensch ist eben nicht nur eine bloße Ansammlung von einzelnen Organen, in der jedes Organ als für sich isoliert betrachtet wird, sondern die Gesamtheit all seiner Organsysteme. In der Schulmedizin wird dies häufig vernachlässigt, was dazu führt, das augenscheinlich geschädigte Organ symptomatisch zu behandeln und nicht kausal.

In der Homöopathie, wie auch in der holistischen Medizin wird demnach eine Krankheit als eine Störung des Menschen in seiner Gesamtheit von Körper, Geist und Seele (=Unbewusstes) gesehen. Beim gesunden Menschen findet sich diese Dreiheit in einem Zustand der Harmonie. Wird diese Harmonie gestört, durch was auch immer, wird der Mensch krank. Dieses „was auch immer“ gilt es für den seriösen Therapeuten herauszufinden. 

Deshalb nimmt die Ursachenermittlung in der Homöopathie einen hohen Stellenwert ein. Ob z.B. eine Blutvergiftung aufgrund von Giftstoffen in der Nahrung oder im Lebensumfeld (Schimmel in der Wohnung) besteht, welcher psychischen Belastung der Klient ausgesetzt ist oder in welchem biosozialen Umfeld er sich bewegt. Dortige Fehlerquellen, die zu Disharmonien im Organismus führen können, gilt es zu beseitigen, wobei ein individueller Behandlungsplan erstellt wird. Nach dem Prinzip  der „Ähnlichkeitsregel“ (similia similibus curentur) wird eine homöopathische Arzneimittelprüfung gemäß den Arzneimittelbildern durchgeführt, durch die ein homöopathisches Arzneimittel für den speziellen Fall ermittelt wird. Aus dieser Verfahrenstechnik heraus glauben die meisten Homöopathen, es ließe sich mit der Homöopathie nur Heilen aber nicht Vorbeugen.

Ist das so?

Gerade wenn man die Ansicht vertritt, dass Krankheit auf eine gestörte Harmonie zurückzuführen ist, bedarf es der Vorgeschichte zur Krankheit, die zu einer Imbalance im System führte, einer besonderen Aufmerksamkeit. Diese Störung der Harmonie, sofern sie früh erkannt wird, kann sehr wohl durch homöopathische Arzneien oder Nichtarzneimittel positiv beeinflusst werden.

Hahnemann ist meines Erachtens wie viele Schulmediziner dem Trugschluss erlegen, dass man erst nach Ausbruch einer Krankheit kurativ tätig werden könne. Kurativ mag von der Wortbedeutung her zutreffen, aber die Prävention beginnt früher, nämlich dort, wo die Weichen gestellt werden für eine krankhafte Entwicklung, die sich dann irgendwann in klinischen Erscheinungsbildern widerspiegelt. 

Halten wir uns auch immer den Satz vor Augen „Vorbeugen ist besser als Heilen“. Wir verstehen heute darunter das Biosoziale Präventionsmanagement (BSPM), in das sicherlich die Homöopathie mit einbezogen werden kann.

 

Was sind homöopathische Arzneimittel?

Darunter versteht man alkoholische Auszüge aus Pflanzen und anderen Stoffen, die in einem gewissen Prozentsatz verdünnt, bzw. potenziert werden. Soweit „verdünnt“ werden, dass Moleküle des Urstoffs nicht mehr nachweisbar sind. Die Betonung liegt jedoch auf „nicht mehr nachweisbar“.  Kritiker der Homöopathie werfen dieser Unwirksamkeit vor, denn wo nichts drin ist, könne nichts wirken. Sie berufen sich dabei auf das theoretische Modell, das aussagt, Hochpotenzen jenseits der sogenannten Avogadro-Grenze können keine atomaren Bestandteile der Ursprungssubstanz mehr enthalten. 

Ist das so?

 

Wie wirkt Homöopathie?

1. Alles Suggestion ?

Die Kritiker und Gegner behaupten, es läge ausschließlich an der Suggestion, die wie bei einem Placebo die Selbstheilungskräfte anregen würde. Zum anderen wäre es die Zuwendung, die einen positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf nähme.

1815 schreibt Hahnemann, der Begründer der klassischen Homöopathie, dass Tiere nach der homöopathischen Heilart genauso sicher zu heilen seien wie die Menschen, ein Umstand, den ich aufgrund meiner langjährigen Praxiserfahrungen bestätigen kann.

Diese Ansicht unterstreicht auch Gustav Wilhelm Groß (1794-1847), Arzt und Mitbegründer der „Allgemeinen Homöopathischen Zeitung“. In seinem Aufsatz aus dem Jahr 1830 „Archiv für die homöopathische Heilkunst“ stellte er fest, Tierheilungen auf homöopathischem Wege seien der beste Beweis, dass die Wirkung der Homöopathie nicht auf Suggestion beruhe. 

Die Kritiker erwidern diesbezüglich, allein die Zuwendung, das sich Abgeben mit dem Tier, könne zu einer Verbesserung des Geschehens führen. Nur seltsam, wenn zuvor ein Tier intensiv schulmedizinisch behandelt wurde sowie vom Besitzer mit besonderer Zuwendung bedacht wurde, die Krankheit, bzw. die Symptome aber nicht verschwanden. In zahlreichen Fällen wurde dieser Therapieerfolg jedoch schon mit einer einzigen homöopathischen Maßnahme erreicht. 

Zufall? So viele Zufälle gibt es kaum, zumal es in meinen Augen keine Zufälle gibt.

 

2. Das Resonanzprinzip 

Ein Erklärungsversuch bemüht die Übertragung von Informationen durch Resonanzen, also durch Schwingungen. Beim Potenzieren setzt man eine Materie in Schwingung, die dann an den Organismus weitergegeben wird und eine Reaktion, eine Antwort hervorruft. Diese Eigenschwingung des Organismus, dessen Harmonie gestört ist, soll durch die zugeführte Schwingung wieder in Balance mit gebracht werden. Hermes Trismegistos soll gesagt haben: „Wer das Prinzip der Schwingung erkannt hat, hat das Zepter der Macht ergriffen!“ Und da man weiß, alles ist Schwingung, macht der Satz des Hermes Trismegistos durchaus Sinn.

 

3. Nanopartikel 

Neuerdings weiß die Wissenschaft mehr zu diesem Thema. In einer Untersuchung am renommierten Indian Institute of Technology wurde nachgewiesen, dass homöopathische Hochpotenzen, also stark „verdünnte“ homöopathische Arzneien noch Atome bzw. Moleküle der Ausgangssubstanz enthielten. Die indischen Forscher Prashant Satish Chikramane, Akkihebbal K. Suresh, Jayesh Ramesh Bellare und Shantaram Govind Kane analysierten sechs metallische homöopathische Arzneien (Aurum metallicum, Cuprum metallicum, Stannum metallicum, Argentum metallicum, Platinum metallicum und Zincum metallicum) jeweils in den Potenzstufen C6, C30 und C200. Dabei kamen Nachweisverfahren wie die Transmissionselektronenmikroskopie, die Feinbereichsbeugung sowie die Atommissionsspektroskopie zur Anwendung. Es konnte nachgewiesen werden, dass sich oberhalb der Potenzstufe C6 Nanopartikel mit einer relativ stabilen Konzentration von 80 bis 4000 Pikogramm je Milliliter in den Arzneimitteln befanden und es, anders als in anderen Modellen angenommen, zu keiner weiteren Abnahme der Konzentration kam. Als Erklärung für dieses Phänomen hält es das indische Forschungsteam für denkbar, dass homöopathische Arzneimittel bei der Potenzierung nicht gleichmäßig gemischt werden und sich an der Oberfläche der Flüssigkeit eine Schicht von Nano-Bläschen bildet. Auslöser dieser Nano-Bläschen könnten z. B. Kavitationseffekte sein. Sollte sich diese Hypothese bestätigen, könnte dem „Schütteln“ (Potenzieren) eine bedeutende Rolle zufallen, indem es vielleicht der gleichmäßigen Verdünnung entgegenwirkt.

Jedoch dürften nach heutigem Wissen derart geringe Konzentrationen von 80 bis 4000 Pikogramm je Milliliter nicht ausreichen, um eine pharmakologische Wirkung zu verursachen. Aber das sollen sie auch nicht. Vielmehr sollen homöopathische Arzneien einen Anstoß bewirken. Dies wird als Hormesis-Effekt bezeichnet. Hormetische Effekte werden in der Regel dadurch erklärt, dass niedrige Dosen von schädlichen Substanzen eine positive Wirkung auf den Organismus haben und die körpereigenen Abwehrkräfte stärken könnten. Diese Hypothese formulierte bereits Paracelsus.

Auch als Homöopath sollte man beginnen umzudenken und nicht nur die Schädigung des Organismus zu sehen, sondern diesen erst gar nicht erkranken zu lassen.

Steffen Gruss
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