Weidenrinde – Ein natürliches Schmerzmittel

Weidenrinde – Heilpflanze mit vielseitigen Einsatzmöglichkeiten

 

 

 Weidenrinde

 

Die Weide mit ihrer heilenden Rinde gilt als eines der ältesten Heilmittel der Menschheit. Bereits seit Jahrtausenden wird die Weidenrinde bei den unterschiedlichsten Beschwerden eingesetzt.

In der traditionellen Volksheilkunde bevorzugt verwendeten Arten gehören die Silberweide (Salix alba) und die Purpurweide (Salix purpurea).

 

 

Die Weide – Brauchtum und Volksheilkunde

 

  • Schon die alten Ägypter haben der Nachwelt hieroglyphische Weiden-Rezepturen gegen schmerzhafte Wunden, Entzündungen und Schwellungen hinterlassen.
  • Hippokrates (460-377 v. Chr.) empfahl Weiden-Aufgüsse gegen Gelenkentzündungen oder Fieber.
  • Der römische Militär- u. Leibarzt Padanios Dioskurides (40-80 n. Chr.) verzeichnete in seiner berühmten Materia Medica Zubereitungen aus der Weide bei unterschiedlichen Leiden. Danach eignet sich Saft oder Rinde als Adstringens bei Blutungen, Gelenkschmerzen, Rheuma und Gicht. Ebenso verordnete er Weide in gepulverter oder wässriger Form gegen Blutspeien, Ohren- oder Augenleiden.
  • Von den Germanen und Kelten berichteten römische Geschichtsschreiber, dass die Barbaren Weidezweige auskochten. Die wässrigen Auszüge wurden dann getrunken oder als Umschläge gegen schmerzende Glieder oder schlecht heilende Wunden eingesetzt.
  • Auf den Tontafeln der Assyrer und Babylonier finden sich Drogen aus Weidenblättern
  • Hippokrates (460 – 377 v. Chr.) verordnete einen Aufguss aus der Weidenrinde als Arzneimittel gegen Gelenkentzündung, Schmerzen und Fieber
  • Im X. Buch der Mulomedicina Chironis ( 400 n.Chr.) wird die Anwendung von Asche der Weidenrinde zusammen mit Petersilie als Heilmittel gegen den Husten der Maultiere und Pferde beschrieben
  • Auch Celsus, der ja die Kardinalsymptome der Entzündung (Rubor, Calor, Dolor, Tumor) definiert hat, verwendete Zubereitungen aus Weidenblättern zur Schmerzlinderung
  • Hildegard von Bingen (1098 – 1179 n.Chr.) empfahl Extrakte aus Weide und Pappel bei Schmerzen und Fieber.

 

 

 

Weidenrinde – Inhaltsstoffe

 

Einer der Hauptbestandteile, welche die Weidenrinde so wertvoll macht, sind die Salicylate.  Die Salicylate gehören zu einer Gruppe von Pflanzenstoffen, zu denen auch Salicin und Salicortin gehören. Salicin lässt sich dabei mit Acetylsalicylsäure (Aspirin) vergleichen und gilt als natürliches Schmerzmittel. Salicin wird im Darm aufgespalten, wo es dann mit Salicylalkohol und Glukose reagiert und so für den Organismus zur Verfügung steht und seine Wirkung entfalten kann.

Folgende Inhaltstoffe sind zusätzlich in der Weidenrinde enthalten:

  • Flavonoide (z. B. Quercetin-Glycoside, Luteolin-Glycoside, Eriodctyol-Glycoside)
  • weitere Salicylalkoholglycoside (z. B. Fragilin, Picein, Salireposid)
  • Populin (Glukosid)
  • phenolische Verbindungen (z. B. Triandrin, Vimalin)
  • aromatische Alkohole
  • Aldehyde (z. B. Syringaaldehyd)
  • Saligenin (Salicylalkohol)
  • Kaffeesäure, Ferulasäure, p-Cumarsäure, Vanillinsäure, Syringasäure, p-Hydroxybenzoesäure
  • Acetylderivate und Benzolderivate

Bis zu elf Prozent Salicylate lagern sich in der Weidenrinde an, wobei der Inhalt je nach Weidenart etwas variieren (Silberweide hat mehr in der Rinde als die Purpurweide) kann.

 

 

Wirkungsweise der Weidenrinde

 

Bei der Weidenrinde kommt es erst im Darmtrakt zur Aufspaltung der Wirkstoffe in die Bestandteile Salicylalkohol und Traubenzucker. Wurde das Saligenin vom Körper aufgenommen, wird Salicylsäure erzeugt.

Die Weidenrinde hat unterschiedliche Wirkungen auf den menschlichen Körper, dazu gehören:

  • entzündungshemmend
  • blutstillend
  • schmerzstillend
  • fiebersenkend
  • leicht keimreduzierend (antiseptisch)

 

Da Salicylsäure im Körper nur sehr langsam umgewandelt wird, setzen die Wirkungen vergleichsweise spät ein, halten dafür aber auch länger vor. Die volle Wirkung der Weidenrinde kommt oft erst nach ca. 14 Tagen voll zur Geltung. Aus diesem sollte ein Weidenrindenmittel oder auch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

 

 

Weidenrinde kann die Bioverfügbarkeit verbessern

 

Weidenrinde wird als genanntes „Prodrug“ bezeichnet. Das bedeutet, dass andere Wirkstoffe im menschlichen Organismus aktiviert werden, sobald sie mit der Rinde zusammen kommen. Dadurch kann die Wirkung von Medikamenten und deren Aufnahme im Körper deutlich besser werden. Die Bioverfügbarkeit wird somit erhöht.

 

Wichtig zu beachten!

Unter Umständen können diese Prodrugs auch die eigentliche Wirksubstanz verstärken, was dann jedoch zu Nebenwirkungen führen könnte.

 

 

 

Von der Weidenrinde zur ASS

 

Die synthetische Herstellung und breite Anwendung der Salicylsäure war ein Meilenstein in der Pharmazie und Medizingeschichte und hatte ihren Höhepunkt im letzten Drittel des vergangenen Jahrhunderts. Als Antipyretikum und Analgetikum bei Rheuma, Gelenkschmerzen und Gicht innerlich angewandt, verursachten reine Salicylat-Präparate jedoch bei vielen Patienten erhebliche Nebenwirkungen und Funktionsstörungen vornehmlich am Magen, Darm und den Nieren.

1897 gelang es dann dem deutschen Apotheker und Chemiker Hoffmann aus Salicyl- und Essigsäure die Acetylsalicylsäure (ASS) in reiner und stabiler Form herzustellen um so die extrem starken Nebenwirkungen zu senken.

 

 

 

 

 

Nebenwirkungen von Weidenrinde

 

Medikamente mit Weidenrinde gelten als gut verträglich. Nur in geringem Ausmaß ist mit Nebenwirkungen zu rechnen. Aufgrund der natürlichen Inhaltsstoffe in Weidenrinde-Medikamenten werden auch die Thrombozyten nicht in ihrer Funktion beeinflusst, was bei synthetischer Acetylsalicylsäure der Fall wäre.

 

Natürlich sollten Menschen, die auf Salicylate überempfindlich reagieren, mit starken Hautreaktionen rechnen müssen.

Weitere häufige Nebenwirkungen können sein:

  • Nesselausschläge sowie Hautrötungen und Juckreiz
  • Asthma, Rhinitis (Entzündung der Nasenschleimhäute)
  • Bronchospasmen (Atem- und Luftnot)
  • Magenbeschwerden (Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Durchfall)

 

 

Hinweise

: Eine Anwendung bei Kindern unter zwölf Jahren sowie während Schwangerschaft und Stillzeit wird nicht empfohlen. Auch bei einer Überempfindlichkeit gegen Salicylate oder auch bei Asthma und Allergieneigung ist die Anwendung kontraindiziert. Da es aufgrund der Gerbstoffe in Weidenrinde-Präparaten zur Beeinträchtigung der Wirkung anderer Medikamente kommen kann, sollte vor der Anwendung immer ein Arzt oder Apotheker zu Rate gezogen werden.

 

 

 

 

Anwendungsbereiche der Weidenrinde

 

Gerade bei Schmerzzuständen hat sich die Weidenrinde seit Jahrhunderten bestens bewährtund wird bei den verschiedensten Leiden eingesetzt. Aufgrund ihrer Inhaltstoffe kann sie eine natürliche Alternative bei chronischen Kopf- oder Rückenschmerzen, aber auch bei Arthrose und anderen entzündlichen rheumatischen Erkrankungen sein.

 

Weidenrinde

 

Weidenrinde bei Rückenschmerzen

 

Edward Stone führte bereits im Jahr 1763 eine Studie mit dem Titel „An Account of the Success of the Bark of the Willow in the Cure of Agues“ durch. Diese Studie bildet den Grundstein der Forschungen rund um die analgetische und antirheumatische Wirkung von Weidenrinde.

In einer Studie von W. Schaffner aus dem Jahr 1997 mit dem Titel „Weidenrinde – Ein Antirheumatikum der modernen Phytotherapie?“ wurde weiterhin die Wirksamkeit hochdosierter Weiderinde-Präparate untersucht.

Es handelte sich hierbei um eine Doppelblindstudie, die auf Rückenschmerzen abzielte. Die Patienten, die Weidenrinde in hochdosierter Form einnahmen, verspürten eine Verbesserung ihrer Beschwerden. In einer weiteren Doppelblindstudie aus dem Jahr 2000 zeigte sich ebenfalls, dass die teilnehmenden Patienten eine Schmerzlinderung feststellten.

 

Weidenrinde bei Arthrose

 

Die degenerative Gelenkserkrankung ist weltweit eine der am weitesten verbreitete Erkrankung. In einer Placebo kontrollierten Doppelblindstudie wurde die analgetische Wirksamkeit von Weidenrinde untersucht. Die Patienten litten an Kniegelenksarthrose. In der Studie nahm die Hälfte der insgesamt 78 Patienten über einen Zeitraum von 14 Tagen ein Weidenrinden-Präparat mit einer Dosierung von 240 Milligramm Salicin täglich ein, die andere Gruppe erhielt ein Placebo.

Mittels eines anerkannten und validierten WOMAC-Fragebogens zeigte sich nach Auswertung, dass ein 14prozentiger Rückgang des Schmerzempfindens durch Weidenrinde erreicht werden konnte, während die Placebogruppe über einen Anstieg der Schmerzen um zwei Prozent klagte.

 

Weidenrinde bei rheumatische Beschwerden

 

Nach Aussagen von Dr. Prof. Reinhard Saller (Universität Zürich) soll die Gabe von Weidenrinden-Extrakt über einen Zeitraum von ein bis zwei Monaten eine positive Wirkung bei rheumatischen Beschwerden haben können.

Allerdings konnten die Beobachtungen bislang noch nicht durch eine haltbare klinische Studie belegt werden. Die wissenschaftlich jedoch noch nicht gefestigten Untersuchungen zeigen die positive Wirkung und den Rückgang von rheumatischen Beschwerden in der Mono- und auch Kombinationstherapie. Insgesamt wurden 469 Patienten untersucht, von denen etwa 20 Prozent nach einer Monotherapie (Einnahme von vier Dragees pro Tag) komplett schmerzfrei waren.

 

Weidenrinde bei  Fieber,  Kopf- und Zahnschmerzen

 

Eines der Hauptanwendungsgebiete der Weidenrinde, sind schon seit Jahrhunderten Fieber sowie Kopf- und auch Zahnschmerzen.

Die Inhaltsstoffe des Tees aus Weidenrinde wirken antioxidativ, können die Gefäße schützen und die Zellmembranen stabilisieren. Auch Entzündungen werden gehemmt, Schmerzen können zurückgehen und Fieber gesenkt werden.

In neuen Untersuchungen stellte sich heraus, dass nicht nur der Gehalt an Salicyl die fieber- und schmerzhemmende Wirkung zu besitzen scheint. An der gesamten Wirkung sind wohl auch andere Inhaltsstoffe beteiligt.

 

 

Weidenrinde bei Tieren

 

Eine Einsatzmöglichkeit der Weide, wäre die Hufrehe bei Pferden. Die Weidenrinde kann dabei helfen den Schmerz zu lindern und ist deshalb zur akuten Behandlung geeignet. Das Pferd nimmt die wirksamen schmerzstillenden Stoffe innerhalb von 60 Minuten auf und die Wirkung entfaltet sich recht schnell. Allerdings ist diese Methode nur dann sinnvoll, wenn das Pferd danach ruhen kann  und seine Hufe und Halteapparat nicht übermäßig strapaziert.

Das Naturprodukt ist nicht nur bei Pferden einsetzbar. Auch die Anwendung bei Hunden und Katzen, welche unter Entzündungen und Gelenksproblemen leiden, hat sich bewährt.

 

 

 

 

Rezepte mit Weidenrinde

 

Die einzelnen Zutaten kann man im Internet besorgen oder sich die Rezepte in einer guten Apotheke mischen bzw. herstellen lassen.

 

Vorsicht (gilt für alle Weidenrinden Rezepte)

Nicht geeignet

In Schwangerschaft und Stillzeit

Bei Allergien gegen Weidenrinde

Bei Asthma, Leberfunktionsstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Nierenfunktionsstörungen, Tinnitus

Bei Einnahme von Aspirin

Nicht bei Kindern unter 12 Jahren

 

 

 

Einfacher Weiderinden-Tee

  • 1 EL Weidenrinde
  • 250 ml heißes Wasser

Gieße die Rinde mit 250 ml heißem, aber nicht kochendem Wasser auf. Lasse den Tee 5 Minuten ziehen und entferne dann das Teeei.

Max.: 2 Wochen

 

Weidenrinde

 

 

Tee-Rezept bei leichten rheumatischen Beschwerden mit Anregung der Nierentätigkeit

Brennnesselkraut       7g

Birkenblätter              30g

Weidenrinde              30g

2 Teelöffel auf 1 Tasse Wasser, mit kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, 3x tgl. maximal  8 Wochen lang

 

 

Teemischung bei Gicht und Rheuma

Birkenblätter                          25g

Weidenrinde                          25g

Holunderblüten                      25g

Mädesüßblüten                      25g

Stiefmütterchenkraut 25g

1 El der Mischung auf eine Tasse und mit kochendem Wasser übergießen, 5 Min. ziehen lassen, 2-3x tgl. 1 Tasse

 

 

Schmerzstillende und entzündungshemmende Salbe

Weidenrindenfluidextrakt     10ml

Nelkentinktur                         5ml

Hydrophile Salbe                    100 ml

Die Zutaten miteinander mischen und mehrmals dünn die betroffenen Stellen einreiben.

 

 

 

 Bezugsadressen:


Makana Weidenrinde, geschnitten, 500 g Tüte (*)

 

 

 

 

 

 

 

 


Für Pferde-Liebhaber: AniForte Weidenrinde geschnitten 1kg – Naturprodukt für Pferde aus Silberweide Rinde(*)

 

 

 

 

 

 

 

 


Von der Heil- und Zauberkraft der Bäume im Frühling – Birke und Weide: Birkensaft als Frühjahrskur und Aspirin in der Weidenrinde (*)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

  • Buchner, A.: Über das Rigateltische Fiebermittel und über eine in der Weidenrinde entdeckten alkaloidischen Substanz. Repertorium für die Pharmacie 29, 405-421 (1828)
  • Bauer, A. W.: Zwischen Symbol und Symptom. Der Schmerz und seine Bedeutung in der Antike. In: Der Schmerz 10, 169-175 (1996)
  • Dierbach, J. H.: Die Arzneimittel des Hippokrates oder Versuch einer systematischen Aufzählung der in allen hippokratischen Schriften vorkommenden Medikamente. Groos, Heidelberg (1824)
  • Goltz, D.: Mittelalterliche Pharmacie und Medizin. Wissenschaftl. Verlagsgesell., Stuttgart (1976)
  • Hänsel, R.: Phytopharmaka. Springer-Verlag, Berlin (1991)
  • Madaus, G.: Lehrbuch der Biologischen Heilmittel, Bd. III, Nachdruck der Ausgabe Leipzig. Olms, Hildesheim (1938)
  • Mayer, RA., M. Mayer: Biologische Salicyltherapie mit Cortex Salicis (Weidenrinde). Pharmazie 4, 77-81 (1949)
  • Müller, I.: Die pflanzlichen Heilmittel bei Hildegard von Bingen. Herder Verlag Freiburg (1993)
  • Pelt, J.-M.: Pflanzenmedizin, Heilkraft aus der Natur. ECON Verlag, Düsseldorf (1983)
  • Pfendtner, I.: So heilt und lindert ASS. Weltbild Verlag, Wuppertal (1997)
  • ROBUGEN: Wissenschaftliche Information zu Assplant®, Esslingen (1998)
  • Schrör, K.: Acetylsalicylsäure. Georg Thieme Verlag, Stuttgart – New York (1992)
  • Steinegger, E., R. Hänsel: Pharmakognosie. Springer Verlag, Berlin (1992)
  • Vane, J. R., R. M. Botting: Aspirin and other Salicylates. Chapmann & Hall, London (1992)
  • Wagner, H., M. Wiesenauer: Phytotherapie – Phytopharmaka und pflanzliche Homöopathika. Wissenschaftl. Verlagsgesell., Stuttgart (1995)
  • Weiss, F., V. Fintelmann: Lehrbuch der Phytotherapie, 7. Auflage, Hippokrates Verlag, Stuttgart (1996)
  • Wichtl, M.: Teedrogen und Phytopharmaka. Wissenschaftl. Verlagsgesell., Stuttgart (1997)
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