Betriebsklima – Mobbing

Gesundheit am Arbeitsplatz  

Unter dem Thema „Gesundheit am Arbeitsplatz“ möchte ich eine Reihe von Artikeln anbieten, die helfen sollen, die physische und psychische Belastung am Arbeitsplatz zu minimieren und damit die Gesundheit zu verbessern. Mir geht es hier weniger um ergonomische Sitzmöglichkeiten, Gymnastik,  Esskultur, Raumklima oder ähnlichem, worüber an anderer Stelle berichtet wird. 

https://fachportal-gesundheit.de/2019/11/30/der-rueckenschonende-arbeitsplatz/ 

In dieser Beitragsserie geht es ausschließlich um die Stimmung am Arbeitsplatz, die einen wesentlichen Einfluss auf das allgemeine Betriebsklima sowie auf die daraus folgende gesundheitliche Verfassung des Einzelnen ausübt. Wie respektvoll oder respektlos geht man miteinander um, wie verlaufen Informationsstränge, wie erfolgt Belobigung und Tadel, gibt es eine erkennbare Wertschätzung für Leistung, wie integriert sind die Mitarbeiter in Abläufe und dergleichen mehr. Bei ca. 25 Fehltagen pro Angestellten und Jahr stellt die psychische Verfassung der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einen enormen Wirtschaftsfaktor dar.

https://fachportal-gesundheit.de/2019/05/23/gesundheit-im-buero/ 

 

Heuschrecken, Schmarotzer, Parasiten und Hyänen

In größeren Unternehmen hat es sich eingebürgert, dass mittelmäßige und der Personalführung unfähige, dafür aber skrupellose Geschäftsführer den Betrieb wie Hyänen und Heuschrecken ausnehmen, um sich die eigenen Taschen zu füllen. Mit Heuschrecken sind hier nicht nur die Machenschaften der Private-Equity-Firmen gemeint, die von dem damaligen SPD-Chef Franz Müntefering als Heuschrecken bezeichnet wurden, weil sie über kränkelnde Firmen herfallen wie Heuschrecken, um sie abzugrasen und dann weiterzuziehen. Es sind oft interne leitende Angestellte aber vor allem externe Vertragspartner, an die das Unternehmen  Firmenbereiche outsourct. Letztere beauftragen dann ihrerseits Unterfirmen, um sich selbst die Hände nicht dreckig zu machen. 

Die Devise solcher Heuschrecken und Hyänen lautet: In kürzester Zeit so viel Geld aus dem Unternehmen herauszupressen, wie nur möglich.

Das erreichen sie einmal dadurch, dass sie mit ihren Unterfirmen Knebelverträge zu Billigkonditionen abschließen und andererseits, indem sie von ihrem Auftraggeber größtmögliche Zahlungen für die eigenen Dienstleistungen erhalten. Die Diskrepanz zwischen diesen horrenden Entschädigungen und den Ausgaben an freie Mitarbeiter ist eklatant, zumal der Erfolg meist arg zu wünschen übrig lässt.

Was aus dem Betrieb und dessen Mitarbeitern wird, ist ihnen egal. Kalt berechnend sorgen sie dafür, dass sie selbst kaum ein Risiko eingehen, dies tragen ihre Vertragspartner. In ellenlangen Vertragskonstrukten mit verschachtelten Sätzen suchen sie ihren Vorteil zu kaschieren und gaukeln dem angeblichen Partner Sicherheit und hohe Gewinne vor.

Hängt der Vertrags“Partner“ erst mal an der Angel, ist er verloren. Ohne selbst irgend etwas Nützliches zu leisten, erreichen die Parasiten ihr Ziel der Ausbeute mit einem überall wirksamen System. Sie unterbinden Kontakte unter den einzelnen Abteilungen, sie schüren Existenzängste und betreiben Mobbing. Erst, und nur dann, wenn alle Beteiligten Dienstleister und Angestellte vollkommen zerstritten sind, brauchen sie keine Gegenwehr mehr zu fürchten. Ein Werkzeug dieses destruktiven Handelns ist das Mobbing, dem ich mich in diesem Artikel widme.

 

Mobbing

Was auf dem Foto als schwarzes Schaf verharmlost dargestellt wird, trifft eine Ausgrenzung durch Mobbing bei weiten nicht, ganz im Gegenteil.

Der Begriff „Mobbing“ kommt vom Englischen to mob, was so viel bedeutet wie jemanden angreifen, anpöbeln (Mob=Pöbel), bedrängen. Hierbei werden physikalische und/oder psychische Angriffe wie sexuelle Belästigung, Demütigungen, Beleidigungen, grundloses Herabwürdigen der Person und ihrer Leistung, ungerechtfertigte Beurteilungen, üble Nachrede, Verleumdung, Isolation, Bloßstellen, das Verbreiten von Gerüchten und Schikane wiederholt sowie über einen längeren Zeitraum ausgeübt.

Mobbing ist nur eine Art von Konflikten unter Arbeitnehmern sowie zwischen ihnen und den Arbeitgebern, die es zu bewältigen gilt.

Mobbing grenzt Kontrahenten und Andersdenkende oder einfach Menschen, die anders sind, aus, lässt sie zu Opfern werden und zeigt, wer die stärkeren Ellenbogen besitzt. Es geht dabei nicht um Fachkompetenz und Können. Gerade Personen, die ohne zu murren ihre Arbeit ausüben und das auch noch gut, sind Ziel skrupelloser Neider und mittelmäßiger Konkurrenten.

Es geht wie immer um lukrative Posten, um Machtpositionen, denn die sind rar gesät. Der Unterlegene, der zur effektiven und effizienten Gegenwehr zu „schwach“ ist, bleibt auf der Strecke, erkrankt an Burnout und kündigt meist. Ständiger Kampf schadet jedoch nicht nur den gemobbten Personen, sondern auch dem Betrieb.

Ist die mobbende Kraft der Chef, spricht man auch von „Bossing“. Arbeiten an der systematischen Zersetzung mehre Kollegen zusammen, spricht man von „Staffing“ (Staff = Personal). 

 

Wie kann sich Mobbing äußern?

Es gibt viele Möglichkeiten, wie sich Mobbing äußert. Die gängigsten sind:

  • Telefonterror
  • Beleidigung in sozialen Medien
  • Anonyme Briefe und Meldungen an Vorgesetzte
  • Psychoterror (Drohungen das Opfer zu entlassen, das Gehalt zu kürzen und andere Maßnahmen)
  • Schüren von Existenzängsten
  • Drangsalierung einer bestimmten Person oder Gruppe
  • Kontinuierlich destruktive Kritik
  • Respektlosigkeit (keine Begrüßung, Missachtung, beleidigende Wortwahl, abwertende Gesten und Blicke)
  • Ausgrenzung, sozial und beruflich
  • Verbreiten von Gerüchten und Lügen
  • Lächerlichmachen des Opfers
  • Opfer werden mundtot gemacht, man unterbindet jegliches Mitspracherecht
  • Der Gemobbte erhält keine Möglichkeit der Rechtfertigung. Er wird ständig unterbrochen und der Gemobbte wird am Aussprechen gehindert
  • Sexuelle Belästigung
  • Beauftragung mit unsinnigen und unangenehmen Aufgaben („Mädchen“ für alles, Kaffeeholen u.s.w.)
  • Überforderung, aber auch Unterforderung
  • Diskriminierung von Persönlichkeitsmerkmalen (Geschlecht, Größe, Hautfarbe, Religion, Gebrechen, Aussehen, soziale und ethnische Herkunft)
  • Ungerechte Arbeitsverteilung

 

Ursachen für Mobbing

Was treibt jemanden dazu, einen anderen oder eine Gruppe zu mobben? Es sind meist eigene Probleme, die der Mobbende mit sich herumträgt und die er auf andere projiziert. Er erkennt eigentlich seine eigenen Unzulänglichkeiten, will sie sich aber nicht eingestehen und sucht einen Schuldigen für die eigenen Defizite. Diesen Schuldigen findet er in Schwächeren, seinem Opfer oder seinen Opfern. Er empfindet Befriedigung darin, diese zu drangsalieren und reagiert sich damit ab. Mobbing ist keinesfalls Zeichen von Größe, Mut und Überlegenheit, sondern von Schwäche, Kleingeistigkeit und psychischer Dissoziation. Dem Mobbenden mangelt es an sozialer Kompetenz und sein Verhalten wird aus einer Mischung von Selbstüberschätzung (Hybris) und dem Dunning-Kruger-Effekt gelenkt. Gründe dieser Entwicklung können in folgenden Aspekten begründet liegen.

Eigene Persönlichkeit

  • Unterdrückung und Hänseleien als Kind
  • Erlittene Kindesmisshandlung
  • Mangelnde Attraktivität 
  • Mangelnde Anerkennung, die versucht wird, mit Macht, Unfairness und Gewalt zu erhalten
  • Häufig niedriger IQ und geringer Bildungsgrad
  • zu hohe Anforderungen durch Eltern, Schule und Arbeit 
  • Minderwertigkeitskomplexe
  • Hybris
  • Neid
  • Angst
  • Unfähigkeit zur Selbstreflexion

 und

  • mangelndes Selbstbewusstsein

Personen mit einem gesunden (und nicht krankhaften) Selbstbewusstsein qualifizieren sich nämlich unter anderem dadurch, dass sie

  • nicht herumbrüllen und die Kontenance verlieren
  • weder überheblich noch arrogant noch ignorant sind
  • sich weder als Narzisst noch als Hedonist erweisen
  • weder missgünstig noch neidisch sind
  • nicht um Aufmerksamkeit buhlen
  • keiner Statussymbole bedürfen, um Anerkennung zu erhalten
  • ihre Kollegen und Geschäftspartner nicht unterschätzen
  • andere Meinungen und andere Lebenspläne respektieren und achten
  • nicht über andere lästern
  • keine Vorurteile hegen
  • nicht an die eigene Unfehlbarkeit glauben
  • in Kritik nicht sofort einen Angriff auf die eigene Person vermuten
  • der Selbstreflexion fähig sind
  • einer Konfrontation nicht aus dem Weg gehen
  • in einer Diskussion nicht die Sachebene verlassen und die Argumentation auf die emotionale Ebene verschieben
  • zuhören und nicht nur reden
  • Entscheidungen nicht hinauszögern und diese sowie die dazu nötigen Aufgaben auf andere abwälzen
  • ihre Entscheidungen nach dem gesunden Menschenverstand fällen, gemäß ihrer Kompetenz und nach ihrem Gewissen und nicht aus Angst vor eigenen Nachteilen
  • ihre Wut nicht an Schwächeren auslassen
  • nicht der Meinung sind, sie könnten alles alleine schaffen
  • ihre Untergebenen oder Mitarbeiter mit Problemen nicht alleine lassen und hinter ihnen stehen

Betriebliche Auslöser

  • Strukturelle Fehler im Betrieb
  • Umsatzrückgang (Schuldige werden gesucht)
  • Mangelhafter Führungsstil
  • Zu lange Arbeitszeiten 
  • Schichtarbeit
  • Zu wenige und/oder zu kurze Pausen
  • Keine Regenerationsmöglichkeiten
  • Urlaubszwang
  • Bevorzugung und Benachteiligung von Personen
  • Ständige Stresssituationen (siehe im Artikel „Stress“)
  • Benachteiligung (z.B. bei Beförderungen)

 

Folgen von Mobbing

Die Folgen von Mobbing sind teilweise gravierend und enden mit Burnout aber im Extremfall auch im Selbstmord.

Die Folgen äußern sich in

a) Psychischen Manifestationen

  • Kopfschmerzen
  • Herz-Kreislaufschäden
  • Übelsein
  • Appetitlosigkeit
  • Essstörungen
  • Gastritis
  • Magenulcus
  • Panikattacken
  • Schlafstörungen
  • Schweißausbrüche
  • Unruhe
  • Depressionen
  • Entstehung von Minderwertigkeitsgefühlen
  • Burnout 

b) In einer ausgeprägten Demotivation

c) Darin, dass die Fehlerquote steigt

d) Durch einen Anstieg der Ausfallzeiten

e) Durch vermehrte Kündigungen

 

Wie man dem Mobbing sinnvoll und wirksam begegnet und für ein gesundes Betriebsklima sorgt, erfahren Sie im nächsten Artikel „Konfliktmanagement im Betrieb“. Denn ein erfolgreiches Konfliktmanagement richtet sich nicht allein gegen Mobbing.

 

©Andreas Manuel Gruss/2019

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.