Zahnwurzelbehandlung

Bei einer Zahnwurzelbehandlung gilt es die Nervenbahnen in den Wurzelkanälen exakt zu lokalisieren und zu veröden. Dies geschieht meist anhand von Röntgenaufnahmen, die von den Kassen bezahlt werden, eine Methode, die jedoch nicht sehr genau und durch die ständige Röntgenstrahlenbelastung nicht gerade gesundheitsfreundlich ist.

Anders sieht es mit mit einem Apex-Lokalisator aus. Dieser arbeitet mit dem Prinzip der Endometrie, bzw. mit der elektronischen Längenbestimmung der Wurzelkanallänge eines Zahnes, die auf der Messung elektrischer Widerstände durch eine Mehrfrequenztechnologie zwischen Schleim- und Wurzelhaut (Desmodont) beruht. Diese Form der Messung ist die derzeit genauste Methode zur Längenbestimmung der Wurzelkanäle, wird aber von den Kassen nicht bezahlt. 

Nun könnte man annehmen, die benötigten Messgeräte seien sehr teuer, weswegen die Kosten von den Krankenkassen nicht übernommen würden. Wieder ein Hinweis, dass es den Kassen weniger um die Professionalität und Gesundheit der Patienten geht, sondern lediglich um die eigene Wirtschaftlichkeit.

Andererseits bin ich der Meinung, eine gute Praxis muss bestens ausgerüstet sein, um das Optimum für den Patienten herauszuholen. Und derartige Apparaturen gehören nun mal zum Service einer guten Praxis. Hier aber unterscheidet sich wieder einmal der ethische Anspruch von der materiellen Realität.

In meiner Praxis galt es immer als oberstes Gebot, auf dem neusten Stand zu sein, fachlich wie auch technisch. Das gehörte zum Service und musste nicht mit einem Aufpreis ausgeglichen werden. Nicht in der Zahnmedizin, wie es scheint, denn dort müssen Leistungen, die über das Mittelmaß hinausgehen vom Patienten aus eigener Tasche bezahlt werden.

Forscht man jedoch nach, wie es sich mit den Kosten eines solchen Apex-Lokalisators verhält, sieht man schnell, dass ein gutes Gerät zur Endometrie bereits für 614 Euro zu haben ist – nicht vom Flohmarkt, sondern neu wohlgemerkt!

Abrechnen tut der Zahnarztkollege allerdings, ohne dabei vor Scham rot zu werden, pro Zahn mit 2×4 elektronischen Längenbestimmungen 72 Euro netto. Mit zehn Wurzelbehandlungen hat sich damit der Kauf z.B. eines Apexlocator Raypex bereits amortisiert.

Und da frage ich mich, gehört so ein Gerät nicht zum Standard einer guten Wurzelbehandlung? Muss hier ein derartiger Reibach gemacht werden? Ich könnte den Aufpreis verstehen, wenn ein derartiges Untersuchungsgerät Zehntausend Euro und mehr kostete – aber so?

 

Ein Gedanke zu „Zahnwurzelbehandlung

  • 23. April 2019 um 18:20
    Permalink

    Hallo Andreas,
    danke für den Artikel. Ich war auch vor nicht allzulanger Zeit ein Opfer einer Zahnwurzelbehand-
    lung. Natürlich mit Röntgenaufnahme und Behandlung, die ich privat bezahlen mußte (über 400 Euro), weil es sich um einen Weißheitszahn gehandelt hat. Dafür bezahlt der Kostenträger nicht!?
    Auch im Gesundheitswesen gibt es immer wieder Überraschungen.
    Liebe Grüße Wolfgang

    Antwort

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