Was versteht man unter Psychosomatik?

 

Was sind psychosomatische Krankheiten?

(Ein Auszug aus dem Buch „Gesundheit ist kein Zufall“, Band 1 – Grundlagen)

Ist das etwas Schlimmes, so wie Aids, etwas Ansteckendes, ein Gebrechen, eine Erbkrankheit oder ein Freifahrtsschein für die Klapsmühle?

Zumindest wird der als psychosomatisch krank Eingestufte oft gemieden wie die Pest. Ist jeder gleich irr, der in eine Klinik für psychosomatische Krankheiten eingewiesen wird? Sind psychosomatisch Erkrankte labile Typen, bemitleidenswerte ‚Psycherl’, wie man in Bayern sagt, die nichts aushalten und sich mimosenhaft in Krankheiten flüchten? Menschen, die psychisch nicht belastbar sind? 

Aus der Begriffsanalyse lässt sich erkennen, dass es sich um eine Verknüpfung von Leib und Seele handelt. Soma kommt aus dem Griechischen und bedeutet Leib oder Körper. Psyche entstammt ebenfalls dem Griechischen und ist mit Hauch, Atem, Lebenskraft oder Seele zu übersetzen. Heute ist mit Psyche meist das Unterbewusstsein und das Unbewusste gemeint. 

Psychosomatische Krankheiten sind demnach Störungen des Körpers und seiner Funktionen, die vom Unterbewusstsein oder gar vom Unbewussten ausgelöst werden. Psychosomatische Medizin ist die Wissenschaft und Heilkunde von den wechselseitigen Beziehungen psychischer, sozialer und körperlicher Vorgänge in ihrer Bedeutung für Gesundheit und Krankheit.

So definieren auch Hoffman und Hochapfel die Psychosomatische Medizin als Lehre von den körperlich-seelisch-sozialen Wechselwirkungen in der Entstehung, im Verlauf und in der Behandlung von menschlichen Krankheiten.

Der holländische Philosoph Baruch de Spinoza, Nachkomme einer portugiesischen Einwandererfamilie, behauptete, dass alles, was am Körper geschieht, seine Entsprechung in der Seele hat. Geist und Seele sind eine Identität. Gehirnprozesse und Geisteszustand seien dasselbe. Nach seiner Leib-Seele-Identitätstheorie  existieren reine psychophysische Ereignisse, welche einerseits vom Subjekt und andererseits von einem Beobachter unterschiedlich erlebt bzw. erfahren werden. Hieraus leiten Subjekt und Beobachter auch unterschiedliche Erkenntnisse ab.

Der Philosoph und Mathematiker Gottfried Wilhelm Leibnitz war der Ansicht, dass Geist und Körper zwei gänzlich verschiedene Formen der Existenz darstellten und sich gleichsam in einer vorgegebenen Harmonie ohne Einfluss zueinander verhielten. Dieser von Leibnitz formulierte psychophysische Parallelismus konnte sich jedoch wegen der offensichtlichen gegenseitigen Beeinflussbarkeit von physischen und psychischen Ereignissen nicht halten.

Johann Christian Reil vertrat schon zu seiner Zeit eine moderne psychosomatische Auffassung: Psychische Curmethoden sind also methodische Anwendungen solcher Mittel auf den Menschen, welche zunaechst auf die Seele desselben und auf diese in der Absicht wirken, damit dadurch die Heilung einer Krankheit zustande kommen moege. Es ist daher in Ruecksicht ihres Begriffes gleichgueltig, ob sie eine Krankheit der Seele oder des Koerpers heilen; ob das erregte Spiel der Seelenkraefte, zum Behuf der Heilung, durch mitgetheilte Vorstellungen und Begriffe, oder durch koerperliche Mittel […] erregt worden ist. 

Johann Christian August Heinroth verwendete erstmals den Begriff ‚psychosomatisch’. Er war bemüht, die Ursache für viele körperliche Erkrankungen im sündhaften Leben zu suchen.  

Klarer fasst den Begriff der Psychosomatik der Internist Ludolf von Krehl (*1861 n. Chr.;  †1937 n. Chr.): Krankheiten als solche gibt es nicht, wir kennen nur kranke Menschen!

Sigmund Freud, der wohl bekannteste Psychoanalytiker, beschrieb in seinem Konversionsmodell die Umsetzung seelischer Konflikte in körperliche Phänomene.

Der Internist und Neurologe Viktor Freiherr von Weizäcker (*1886 n. Chr.; †1957 n. Chr.) verstand Krankheit als eine pathologische Form der Selbstverwirklichung und als Teil der individuellen Lebensgeschichte. In seiner Lehre vom ‚Gestaltkreis’ werden Seelisches und Körperliches in ihrer funktionalen Verschränkung beschrieben.

Psychosomatik ist also eine natürliche Abhängigkeit zwischen Körper, Geist und Unbewusstem, ein Zusammenspiel, von dem jeder betroffen ist, der eine mehr, der andere weniger.

 

 

Andreas Manuel GRUSS

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