Ein altes Wundermittel, neu entdeckt

 

Gibt man Bentonit oder Zeolith in Suchmaschinen ein, werden einem seitenweise Anzeigen angeboten, die ein superreines, hochwirksames und außerdem natürliches medizinisches Mittel zur Entgiftung anbieten.

Fit mit Bentonit / Bentonit- Heilerde zur Entgiftung / Zeolith – Meister der Entgiftung / 100% Natur / Zeolith-Detox / Zur Ausleitung von Schwermetallen / Zeolith = Heilerde / das Medizinprodukt mit hoher Bindungsfähigkeit / Bentonit gegen Durchfall / mit Zeolith den Körper entschlacken / Lavaerde zum Haarewaschen / usw. 

 

 

Was ist Bentonit?

 

In Berichten oft als Natrium-Bentonit, Ca-Bentonit, Montmorillonit, Zeolith, Heilerde oder Lavaerde in einem Aufwasch bezeichnet, was man so nicht stehen lassen kann, ist ein Tonmineral mit hoher Quellfähigkeit. Bentonit entstand durch die Verwitterung vulkanischer Asche oder gleichartiger Ablagerungen in Urmeeren. 

Seinen Namen erhielt Bentonit nach seiner Fundstätte Fort Benton im US-Bundesstaat Wyoming, wo es 1898 erstmalig entdeckt wurde.

Bentonit ist ein Schichtsilikat, das aus 16 bis 20 elastischen Schichtlamellen aufgebaut ist.

Den Hauptbestandteil (60-80%) von Bentonit bildet das Mineral Montmorillonit, ein Aluminiumhydrosilikat (Ca,Na)0,33(Al,Mg)2Si4O10(OH)2·nH2O), das seine Bezeichnung der südfranzösischen Stadt Montmorillon verdankt, wo es gefunden wurde. In der Literatur aufgetaucht ist es erstmals 1847.

Neben Montmorillonit können Mineralien wie Quarz, Feldspat, Pyrit, Calcit, Dolomit und Glimmer (auch ein Schichtsilikat) im Bentonit enthalten sein.

In Deutschland wird Bentonit hauptsächlich in der Gegend von Landshut aus dem Erdreich gewonnen und in Österreich in der Nordoststeiermark. Eines der größten Fundorte in Europa befindet sich auf der griechischen Insel Milos.

 

Wo und wozu wird Bentonit verwendet?

  • Abdichtung von Teichen und Deichen 
  • zur Anwendung in der Deponieabdichtung
  • zur Bodenverbesserung bei sehr wasserdurchlässigen Böden
  • Gleit-Hilfsmittel bei Bohrungen 
  • Bei Unterwasserbetonierungen 
  • Zusatz in Beton zur Wasserundurchlässigkeit 
  • als Trocknungsmittel bei der Lagerung wasserempfindlicher Ware
  • bei der Erzpelletierung
  • Zur Homogenisierung der Gülle
  • Bindung von Ammoniak in der Gülle
  • Zum Klären von Aquarien 
  • als Katzenstreu
  • Als Trennmittel in der Lebensmittelindustrie 
  • in der Papierindustrie
  • in der Gießereiindustrie
  • Als Grundstoff in der Kosmetik 
  • Als Zusatzstoff zur Bindung von Mycotoxinen (vor allem Aflatoxine B1) in Tierfuttermitteln 
  • zur Klärung und Eiweißstabilisierung in der Weinkelterei
  • Zeolith wird zur Wasserenthärtung verwendet (z.B. in Waschmitteln)
  • Zeolith findet Verwendung bei der Trocknung polarer und unpolarer Lösemittel sowie zur Trocknung gesättigter, gasförmiger Kohlenwasserstoffe

 

Wirkungsweise

Die Wirkung des Bentonits beruht auf seiner schichtartigen und dehnbaren Gitterstruktur mit einer Oberfläche mit bis zu 800 m2 / g Bentonit, die eine enorme Quellfähigkeit ermöglicht. So kann Na-Bentonit etwa das Siebenfache seiner Eigenmasse an Wasser aufnehmen. Bei 1kg ergeben das 5-7 Liter Wasser. Und Ca-Bentonit etwa das Dreifache, also ca. 2-3 Liter Wasser.

Zwischen den Schichten können neben Wasser auch positiv geladene Kolloide (Eiweiß) und andere Stoffe, wie Mineralien, Vitamine u.a. adsorbiert werden. Ein einzelner Montmorillonitkristall besteht aus etwa 15 bis 20 Elementarschichten, in denen Ca++- und Na+-Kationen ausgetauscht werden und für die Bindung von Wasser verantwortlich sind.

Der Grad der Quellfähigkeit liegt in der unterschiedlichen Charakteristik der Zwischenschichtkationen

 

Bentonit-Typen

hochquellfähige Bentonite : z. B. Natriumbentonit

niederquellfähige Bentonite : z. B. Calciumbentonit, Zeolith

Im Foto sieht man die unterschiedlichen Quellfähigkeiten. Während das Zeolith, das eine Stunde vor der Aufnahme aufgeschüttelt wurde, schon kurz darauf, wie man erkennen kann, sedimentierte, behält das Na-Bentonit, das bereits vor einem Jahr mit Wasser aufgemischt wurde, seine gequollene Struktur.

Aufgrund der hohen Unterschiede in der Quellfähigkeit und damit im Adsorptionsvermögen ist es mir unerklärlich, wie sich das Gerücht, Zeolith sei als Detox-Mittel zur Entgiftung das Mittel der Wahl – nein, sogar nahezu ein Wundermittel, so hartnäckig halten kann?

 

Vorsicht vor Wundermitteln wie „Detox-Zeolith“

Das Wunder besteht nur in der wundersamen Geldvermehrung, denn eine Tonne Zeolith kostet etwa 200 bis 300 Euro, wird aber im esoterischen Wunderheilladen für 5,50 Euro/ 100 g verkauft. Wenn ich als Einkauf etwa 3 Cent für 100 g bezahle, erhalte ich eine Handelsspanne von 5,47 Euro, was einem Aufschlag von 18.333 Prozent entspricht. In normalen Einzelhandelsgeschäften rechnet man mit ca. 100 Prozent Aufschlag. Bei Detox-Zeolith handelt es sich damit um Gewinnspannen, von denen jeder Drogendealer nur träumen kann. 

Kein Wunder also, dass sich bei so einem „Wundermittel“ haufenweise verkaufstüchtige „Pseudolehrmeister für ein gesundes Leben“ einfinden, die dem Kunden Detox-Zeolith schmackhaft  machen wollen.

Passend dazu will ich aus der Website https://newstopaktuell.wordpress.com/2018/02/12/vorsicht-betrug-zeolith-zeobent-bentonit-usw/  zwei Hinweise entnehmen:

Der Ernährungsmediziner Prof. Stephan Bischoff von der Universität Hohenheim erklärte bezüglich dem dubiosen Handel mit Bentonit folgendes: „Tatsächlich werden Halbwahrheiten zusammengerührt und mit haarsträubenden Begründungen zu einem Konzept erhoben, das keiner wissenschaftlichen Überprüfung standhalten würde“.

Und eine Umfrage der britischen Organisation „Sense about Science“ ergab, dass die Hersteller zahlreicher „Detox-Produkte“ nicht einmal die Wirkungsweise ihrer Produkte zu erklären vermochten noch Nachweise zur Wirksamkeit erbringen konnten.

Bedenklich ist vor allem, wenn Verkäufer von Detox-Mitteln auf der Basis von Bentonit nicht darauf hinweisen, dass lebensnotwendige Vitamine und andere für den Körper wichtige Stoffe, seien es essentielle Aminosäuren oder Medikamente, vom Bentonit adsorbiert werden und somit im Darm nicht resorbiert werden können. Die Folge bei längerer Anwendung kann eine Unterversorgung des Körpers mit Vitaminen, Mineralien, Aminosäuren und Wasser sein.

Allerdings kennt man Bentonit sehr wohl zur Behandlung von Durchfällen, und zwar in Form von Kaolin (Bolus alba), ebenfalls einem Aluminiumsilikat.

Bentonit hat seine Berechtigung dort wo es Sinn macht, aber keineswegs als Wundermittel zum Entgiften. Und schon erst recht nicht das minderwirksame Zeolith, das den Darm durch sein schnelles Sedimentationsvermögen nahezu zubetonieren kann.

 

 

 

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