Kleie – Superfood oder Abfall?

 

Als ich beschlossen hatte, einen Artikel über Kleie zu schreiben, recherchierte ich dazu im Internet und fand vornan Aussagen wie: „Superfood“, „Gesund mit Haferkleie“, „Abnehmen mit Weizenkleie“,“ Weizenkleie – Multitalent für die Gesundheit“, „Weizenkleie hält den Darm fit“, „Haferkleie gut für den Cholesterinspiegel“, „Haferkleie: noch gesünder als Hafer“ u.v.a.

Nun, man sieht, wonach die meisten suchen, eben nach einem Wundermittel – wie immer. Und wie das so ist, die Nachfrage regelt das Angebot. Hunderte Anbieter versprechen, was die Masse hören will. 

Schon aus meinem Studium wusste ich, Kleie dient hauptsächlich als Rohfaserlieferant und ist für den Fleisch- und die meisten Allesfresser kaum verwertbar, also auch das darin enthaltene Rohprotein nicht.  Gleiches gilt für den Menschen. Selbst für Pflanzenfresser, wie dem Pferd, ist das in der Kleie enthaltene Rohprotein schlecht verwertbar. Diese Erfahrungen haben sich in meiner 40-jährigen Praxis bewiesen.

 

Was ist eigentlich Kleie? 

 

Früher als minderwertiges Futter für Tiere eingesetzt, ist Kleie ein Mühlennebenprodukt, eigentlich ein Abfallprodukt. Die Kunst ist es, aus Abfall Gold zu machen, ähnlich wie mit der Molke. Ganz einfach, indem man Gutgläubigen einredet, diese Produkte gehören eben zur Gruppe der „Superfoods“. Zur Vermarktung hilft ein schnell verfasstes Szene-Buch von einem „Ernährungsguru“ und schwups, der Abfall erhält schon einen goldschimmernden Anstrich und lässt sich bestens verkaufen.

Dabei handelt es sich bei Kleie um den Rückstand, der beim Absieben des Mehles entsteht, also um die Getreideschalen, die Aleuronschicht und den Keimling.

 

Bioverfügbarkeit der Inhaltstoffe

 

Nachgewiesenermaßen lassen sich in Kleie Vitamine, Eiweiß und Mineralien finden, doch diese sind für den Menschen nur bedingt verfügbar. So wird das Eisen der Kleie etwa fünf Mal weniger aufgenommen, als das Eisen aus tierischen Nahrungsmitteln. Der Mensch ist nun mal kein Vegetarier, dazu fehlen ihm die nötigen Meter Darm und wichtige Bakterien, um die Kleie aufschließen zu können. Was allerdings an den Schalen der Kleie klebt, jedoch gut lösbar ist, sind häufig Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und bei Bio-Kleie Mykotoxine, die im Dünndarm resorbiert werden.

 

Was ist dran an dem sogenannten Wundermittel „Kleie“?

 

  1. Ein gewisser Prozentsatz von Rohfaser in der Nahrung, man spricht etwa von vier Prozent, ist hilfreich bei der Verdauung anderer Nahrungsmittel und erhöht deren Bio-Verfügbarkeit. Hierbei ist zu bedenken, dass Gemüse und Obst bereits Rohfaser enthalten.
  2. Kleie schützt nicht gegen Darmkrebs, verringert aber das Risiko dank einer beschleunigten Darmpassage, wodurch die Giftstoffe schneller ausgeschieden werden. Auch wenn es von vielen Ärzten als Märchen angesehen wird, eine der Hauptursachen für Krebsleiden ist eine Übersäuerung. Dabei ist Kleie, die eine hohe Säurebelastung erzeugt, nicht gerade hilfreich. Anders als die Rohfaser aus Obst und Gemüse, die mit dem Obst als Ganzes eine basische Wirkung aufweist.
  3. Ballaststoffe können den Cholesterin-Blutspiegel nicht senken, das ist eine Mär. Diese These geht davon aus, dass durch Rohfaser Fette, sprich Nahrungscholesterin im Darm gebunden würde und somit nicht in den Blutkreislauf gelange. Der Cholesterin-Blutspiegel bleibt davon jedoch unberührt.
  4. Manche Ballaststoffe können durch ihr Quellvermögen unerwünschte Substanzen binden, jedoch ebenso wichtige Mineralien. Allen voran Calcium, Magnesium, Zink und Eisen, die dann für den Körper nicht mehr zur Verfügung stehen.
  5. Ballaststoffe enthalten reichlich pflanzliche Abwehrstoffe (Phytin), mit denen sich die Pflanze gegen unerwünschte Fresser und Schädlinge schützt. Diese Stoffe reizen den Darm und können Entzündungen hervorrufen.
  6. Vor allem Kleie aus ökologischer Produktion ist um ein Vielfaches mit Mykotoxinen belastet.
  7. Ballaststoffe sind wegen ihres Gehalts an Vitaminen und Mineralien wertvoll, jedoch nur für Pflanzenfresser, denn Rohfaser ist für den Menschen nicht verdaulich. Ballaststoffe wirken, wie der Name es schon sagt, als Ballast. 
  8. Zu Fehlverdauungen und Übersäuerungen kommt es, wenn Kleie in Verbindung mit Obst, unvergorener Milch und Trockenfrüchten (Müsli) verzehrt wird. Womöglich noch mit dem obligatorischen Glas O-Saft aus der Flasche.

Kleie ist also weder ein Superfood noch reiner Abfall, sie ist nichts weiter als ein Füllstoff, der Nachteile und Vorteile bringt, je nach Menge, Herkunft, Herstellungsverfahren und Häufigkeit der Konsumierung.

Bio- Getreide. Total mit Schimmelpilzen kontaminiert.

In diesem Zusammenhang kann ich jedem nur wärmstens das Buch von Udo Pollmer „Lexikon der populären Ernährungsirrtümer“ ans Herz legen. Udo Polmer, den wir einmal zu einem Vortrag bei uns gewinnen konnten, ist ein absolut integrer Wissenschaftler. Wegen seiner flapsigen und polarisierenden Art ist er vielen ein Dorn im Auge, denn er spricht klar aus, was er denkt und macht so Schluss mit so manchem Superfoodgequatsche.

 

 

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