Der Mensch als Biotop

 

 

 

Der Mensch ist wegen der vielen Mikroorganismen in und auf seinem Körper selbst ein Ökosystem und eigentlich kein Einzelwesen. Man spricht von einem Ökosystem, wenn eine Gemeinschaft von Organismen verschiedener Arten (= Biozönose) in einem abgrenzbaren Lebensraum (=Biotop) symbiotisch zusammenleben. Diese Erkenntnis führte in den letzten Jahrzehnten zu einem eigenständigen Lehrzweig: Die medizinische Ökologie.

 

 

Bakterien

 

Wir wissen heute, dass uns über Hundert Billionen von Bakterien hilfreich zur Seite stehen, uns beim Stoffwechsel, der Verdauung, beim Entgiften und bei der Immunantwort (siehe dort) unterstützen und dadurch uns und unsere Haut schützen. Auf der Haut leben je nach Stelle zwischen 100 und mehreren Hunderttausend Bakterien pro Quadratzentimeter, so Walter Däubener, Mikrobiologe an der Uniklinik Düsseldorf. Wobei die Besiedlung der Haut-Regionen (die Oberfläche der Haut umfasst ca. m2) von Mensch zu Mensch unterschiedlich sei. Allein auf den Handflächen fanden Wissenschaftler mehr als 4200 verschiedene Bakterienarten.

Im Vergleich entfallen damit auf jede menschliche Zelle (der menschliche Körper besteht etwa aus 10 Milliarden Zellen) etwa 10 Bakterien. Einer Studie des National Human Genome Research Institute in Bethesda zufolge handelt es sich dabei um etwa 200 verschiedene Bakteriengattungen, die zusammen rund ein Kilogramm wiegen. Allein das intestinale Habitat eines Menschen mit einer Oberfläche von etwa 80 m2 enthält allein schon 500 bis 1.000 unterschiedliche Arten. Insbesondere konnte nachgewiesen werden, dass Bakterienantigene der Darmflora als Trigger für das Immunsystem des Darms fungieren. Zum anderen fungieren sie als Platzhalter, die anderen, potentiell schädlichen Mikroorganismen, keinen Raum gewähren, sich anzusiedeln.

Weit größer ist allerdings der Anteil an Viren, nämlich zehnmal so hoch. Also auf eine menschliche Zelle kommen ca. 100 Viren.

 

 

Viren

 

Viren sind die größte und vielfältigste Gruppe unter den Mikroorganismen. Sie helfen uns unter anderem in der Evolution und bei der Immunarbeit. Chronische Vireninfektionen bilden ein Trainingslager für das Immunsystem und Neugeborene, die Viren über ihre Mutter erhalten, werden durch diese Viren „geimpft“, wodurch besser auf andere Virusinfektionen vorbereitet sind. Einige Viren vermitteln zudem einen aktiven Schutz gegenüber pathogenen Viren. Als Beispiel ist das Pegivirus C zu nennen, das die Nebenwirkungen und Konsequenzen einer HIV-Infektion abschwächt. Wie dies vonstattengeht weiß man noch nicht. Es ist aber erwiesen, dass HIV-Patienten mit einer Pegivirus-C-Infektion leben länger als HIV-Patienten ohne diese Ko-Infektion.

Viren sind auch an der Steuerung unserer Genetik beteiligt. Man rechnet, dass ca. zehn Prozent des menschlichen Erbguts viralen Ursprungs sind. Manche Wissenschaftler sprechen sogar von 43 Prozent. So der britische Arzt und Wissenschaftler Frank Ryan. Laut seinen Erkenntnissen sind Viren die wichtigsten Konstrukteure bei der Entstehung höherer Lebewesen, insbesondere des Menschen. 

Viren spielen bei der Evolution des Menschen eine Schlüsselrolle. Die Virus-DNS integriert sich dabei in das Genom der menschlichen Zelle und beeinflusst unsere Erbinformation. Kopien von 300 Retroviren Familien mit je 200 Gattungen hat man bisher in unserem Genom identifizieren können.

Dies ist ein Ausschnitt aus der Neuauflage unseres Buches „Gesundheit ist kein Zufall“, das demnächst als E-Book erscheinen wird.

Ökosystem Mensch
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