Die Mähr vom schädlichen Schweinefleisch ist so alt wie die Bibel. Was ist dran an den Aussagen einiger Alt-Testamentarier und religiöser Dogmatiker?

Im dritten Buch Mose (Leviticus: Lev 11, 5-8) steht: 6 Der Hase wiederkäut auch / aber er spaltet die Klauen nicht / Darum ist er auch unrein. 7 Und ein Schwein spaltet wohl die Klauen / aber es wiederkäut nicht / Darum soll’s euch unrein sein. 8 Von diesem Fleisch sollt ihr nicht essen / noch ihr Aas anrühren / Denn sie sind euch unrein.

Gleiches steht im fünften Buch Mose (Deuteronomium: Dtn 14, 8-9) geschrieben. Mohammed hatte diese Meinung übernommen, denn im Koran; Sure 2, 172-173 kann man lesen: „Verboten hat er euch nur Fleisch von verendeten Tieren, Blut, Schweinefleisch und Fleisch, worüber (beim Schlachten) ein anderes Wesen als Gott angerufen worden ist.“

Nahezu identisch wird es in Sure 5, 6 und 16 ausgedrückt. Man sieht deutlich, dass einer vom anderen abgeschrieben hat und sich durch die Autorität der beiden Bücher diese Ansicht hartnäckig bis heute hielt. Sicherlich konnten einige kausale Beziehungen zwischen Krankheiten und dem vorangegangenen Schweinefleischverzehr gefolgert werden, die den Heilern zu denken gaben. Gemäß dem damaligen Wissensstand war die Warnung vor Schweinefleisch naheliegend, nachvollziehbar und konsequent.

Doch fundierte Beweise für die angeblich schädlichen Wirkungen des Schweinefleisches wurden nicht erbracht. Aus heutiger Sicht ist ein Argument sicherlich der rasche Verderb von Schweinefleisch (Schweinefleisch reift etwa dreimal so schnell wie Rindfleisch). Dies ist eindeutig den äußeren Einflüssen, aber nicht einer toxischen Substanz zuzuordnen, wie manche Dogmatiker Glauben machen wollen. Begünstigt wird der Verderb von Fleisch nämlich durch einen hohen Wassergehalt, einen hohen pH-Wert des Fleisches, sowie durch hohe Lagerungstemperaturen. Alle drei Faktoren, die durch Stress beim Schlachten noch gefördert werden, begünstigen die Vermehrung von Bakterien, die eine akute Ansteckungsgefahr für den Menschen darstellen. Da der Verderbnisprozess bei hohen Temperaturen beschleunigt wird, versteht sich die Warnung des vorderen Orients, Schweinefleisch zu meiden. Blickt man allerdings in subtropische oder tropische Regionen, so verzehrt man dort Schweinefleisch ohne besondere Vorbehalte. Die Unreinheit, von der die Bibel und der Koran sprechen, muss also noch in anderen Eigenheiten des Schweinefleischs zu suchen sein.

Zu diesen Besonderheiten zählt sicherlich die Trichinose, die erst 1860 von dem Arzt und Pathologen Friedrich Albert Zenker entdeckt wurde. Der Wurm Trichinella spiralis produziert im Schweinedarm Larven, die ins Muskelgewebe wandern und sich dort als Trichinen abkapseln. Werden diese dann vom Menschen gegessen, treten nach ca. einer Woche Symptome wie Mattigkeit, Schlaflosigkeit, Fieberschübe und Magen-Darmbeschwerden auf. Später folgen Muskelverhärtung mit Schmerzen, Schluck- und Atembeschwerden, sowie typische Schwellungen im Gesicht, Bindehautentzündung und Sehstörungen. Zu Todesfällen kommt es durch Herzmuskel- und Gehirnentzündung. Da die damals weit verbreiteten Trichinen, im Gegensatz zu den Bandwurmfinnen beim Rind, mit bloßem Auge bei der Schlachtung nicht zu erkennen sind, schien es für die damalige Bevölkerung als unerklärlich, warum Menschen nach dem Verzehr von Schweinefleisch so schwer erkrankten. Zwangsläufig musste Schweinefleisch ein Teufelszeug sein, so glaubte man.

Heute können bei der Fleischbeschau mittels Mikroskop oder Verdauungsmethode Trichinen sehr gut gefunden werden. Durch regelmäßige Entwurmung der Schweinebestände ist der Trichinella spiralis nahezu der Garaus gemacht worden. Allerdings geben neuste Entdeckungen ein Warnzeichen. Man fand nämlich bei einem erlegten Wildschwein auf Usedom die Art Trichinella pseudospiralis, deren unverkapselten Larven nicht per Mikroskop zu entdecken sind. Nach der Verdauungsmethode jedoch schon. Daher sollte man gerade beim Verzehr von Wildschwein darauf achten wo es herkommt, denn bei einzelnen Abschüssen wird keine Verdauungsmethode angewendet. Dies geschieht nur in größeren Wildschlächtereien.

Schweinefleisch-Gegner, die dringend eine Untermauerung ihrer religiös-dogmatischen Ansichten benötigen, führen noch weitere Gründe an, die vom Verzehr des „anrüchigen“ Fleischs abraten. Hierzu gehören unter anderem die Krankheiten, die vom Schwein auf den Menschen übertragen werden können. Man nennt diesen Vorgang Zoonose. Zu den Zoonosen gehören Rotlauf, Salmonellen, Eperythrozoonose, Influenza, Leptospirose, Lawsonia intracellularis, Schweinebandwurm, Schweinespulwurm, Milzbrand, Balantidenruhr, Sarkosporidose und Brucellose. Das klingt natürlich zuerst recht beängstigend, jedoch können genau so viele Krankheiten von Rindfleisch und Geflügel übertragen werden. Vegetarier, die glauben auf der sicheren Seite zu sein, können sich dafür bei ihren Haustieren anstecken. Es ist also keineswegs ein besonderes Manko des Schweinefleischs, Krankheiten übertragen zu können.

Da aber einige der Zoonosen für den Menschen lebensbedrohlich sein können, sind Hygienemaßnahmen bei der Lebensmittezubereitung sowie im Umgang mit Haustieren sehr sinnvoll. In der modernen Schweineproduktion ist mit derartigen Krankheitsübertragungen kaum noch zu rechnen, was einem guten Gesundheits- und Präventionsmanagement, sowie Hygieneprogrammen zu verdanken ist. Außerdem sind konsequente Schadnager- und Fliegenbekämpfungen obligatorisch. Hingegen besteht in so genannten BIO- Betrieben ein erheblicher Nachholbedarf. Zumal die BIO-Richtlinien zur Schweinehaltung von meist doch recht fachunkundigen Beratern und Tierärzten erfolgt. Nur wenige der Tierärzte, die BIOSchweine-Betriebe betreuen, haben ausreichende Kenntnisse von Stallbau, Stallwetter, Fütterung, Tiergesundheitsindex und Betriebsmanagement.

Selbst die so oft herangezogene angeblich hohe Belastung durch Antibiotika kann nicht erhärtet werden. Laut LGL waren 2007 in Bayern lediglich 0,14 Prozent der Proben mit Tetrazyklin kontaminiert. Seit 2015 ist der Antibiotikaverbrauch in der Nutztierhaltung massiv gesunken. Das Ziel muss sicherlich bei Null Prozent liegen, was durch intensivere Betreuung der Schweinebetriebe zu erreichen ist. Weitere Nachteile scheinen oberflächlich gesehen in der Zusammensetzung des Schweinefleischs zu liegen.

Schweinefleisch sei zu fett und hätte zu viel Cholesterin. Es ist erwiesen, dass der Körper, allen voran das Gehirn, Cholesterin (siehe dort) dringend benötigen und der Cholesterinspiegel kaum durch die Nahrung beeinflusst wird, wie seriöse und unabhängige Wissenschaftler eindeutig bewiesen haben. Dennoch hat die WHO den Grenzwert für Cholesterin so weit nach unten gesetzt, dass fast jeder Mensch behandlungswürdig erscheint, was Humankollegen und Pharmaindustrie freut und die Kassen klingen lässt.

Cholesterinspiegel des Menschen in mg / dl Blut

Alter       -Wert      Obergrenze    Behandlungsindikation

10-19      175             230                      ab 300

25-29      198             270                      ab 350

40-59      250             350                      ab 400

65-85    sinkend        330                      ab 400

War doch das Cholesterin senkende Mittel ‚Sortis’ im Jahr 2004 mit 372 Millionen € Umsatz der Verkaufsschlager Nummer Eins. Dabei kommt es bei der gefürchteten Arteriosklerose weniger auf den Cholesteringehalt an als auf den Gesamtfettgehalt und das Fettsäuremuster. Dieses Fettsäuremuster ist bei allen Fleischarten wegen der relativ geringen Menge von einfach ungesättigten Fettsäuren für die Gesundheit weniger günstig. So besteht Schweinefett aus 41% gesättigten, 49% einfach ungesättigten und 10% mehrfach ungesättigten Fettsäuren.

Wer seiner Vorliebe für Wurst, Speck, Schmalz, Bauchfleisch oder fetten Schweinbraten allzu intensiv nachgibt, riskiert ohne Frage zu hohe Blutfettwerte. Beurteilt man folgende Tabelle objektiv, kann festgestellt werden, dass Schweinefleisch ein wichtiger Lieferant für Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und andere für den Menschen wichtige Wirkstoffen ist. So ist im Schweinefleisch der Selengehalt doppelt so hoch wie im Rindfleisch.

Schweinefleisch enthält auch reichlich Carnitin, das bei der Fettverbrennung eine wichtige Rolle spielt. L-Carnitin wird vom menschlichen Körper benötigt, um Fettsäuren in die Kraftwerke unserer Zellen, die so genannten Mitochondrien, zu transportieren. Nur dort können Fettsäuren in die für den Stoffwechsel benötigte Energie umgewandelt werden. Der menschliche Körper weist eine durchschnittliche Konzentration 20 bis 25 g L-Carnitin auf. Insbesondere Organe mit einer hohen Stoffwechselrate, wie Herz, Leber, Muskeln und Immunzellen, enthalten viel LCarnitin. Auch wenn der Körper das L-Carnitin selbst herstellt, so ist er bei hohem Energieverbrauch auf eine ausreichende Versorgung von außen angewiesen. Darum enthält die Muttermilch hohe Mengen an LCarnitin. Nahrungsmittel mit hohem L-Carnitin-Gehalt sind Wildspezialitäten, Lamm- und Rindfleisch. Auch Schweinefleisch, Kaninchen und Schaltiere wie Austern enthalten noch recht hohe Mengen an LCarnitin. Es folgen Geflügel und Fischgerichte. Milchprodukte, Obst, Gemüse und Getreide müssen hingegen als L-Carnitin-arme Lebensmittel eingestuft werden.

Zu berücksichtigen ist der hohe Anteil an Phosphor im Schweinefleisch, der zu einem Anstieg des Parathormons führt, was seinerseits Kalzium aus den Knochen mobilisiert und so zur Osteoporose führen kann. Gleiches trifft beim Verzehr anderer Fleischsorten zu, wozu auch Geflügel und Fisch zählen, die wesentlich mehr Phosphor enthalten als Schweinefleisch. Käse und andere Milchprodukte, sowie Nüsse und Cola müssen ebenso gemieden werden, wenn man eine hohe Phosphoraufnahme verhindern will. Phosphor führt ebenso wie hohe Eiweißrationen zu einer Übersäuerung des Körpers, mit all seinen negativen Folgen auf die Gesundheit.

Wer an Gicht leidet und auf seine Purin-Zufuhr achten muss, der sollte generell Fleisch meiden.

Ein weiterer Stoff, der im Schweinefleisch aufzufinden ist, ist das Histamin, ein biogenes Amin, das beim Menschen zu Allergien und Entzündungen führen kann. Jedoch ist der Histamingehalt in anderen Lebensmitteln weit höher. Da man früher von den meisten Stoffwechselfunktionen und Krankheiten kaum Näheres wusste, suchte man einen Begriff für das „Böse“ im Schwein – die „Sutoxine“! Eine reine Erfindung einiger Autoren, um unbekannten Krankheitsursachen einen Namen zu geben.

Meine Empfehlung: Schweinefleisch ist ein hochwertiges Nahrungsmittel, das aber wegen dem hohen Fettgehalt in Maßen zu genießen ist. Vor allem sollte man Wurst meiden.
ABER man sollte nicht in den Irrtum verfallen, mageres Schweinefleisch sei besser, das ist nämlich ein Irrtum. Schlecht oder unangenehm schmeckend ist Fett nur dann, wenn die Tiere mit Silage gefüttert werden und das werden sie in Deutschland. Vor allem erfolgt die Schweinemast auf geringem Platzangebot mit geringem Auslauf, was die Durchblutung und damit die Fleischqualität mindert. Ein guter Parma Schinken schmeckt erst, wenn das Schwein beim Schlachten einen Rückenspeck von über 3,5 cm als Minimum aufweist. In Deutschland sind es 1,5 cm.