Milchsäure und Milchsäurebakterien

Milchsäure (E 270) ist eine organische Säure, die in vielen pflanzlichen und tierischen Organismen, sowie in der menschlichen Zelle vorkommt. Sie wird durch bestimmte Bakterien (Milchsäurebakterien) als Endprodukt der Milchsäuregärung erzeugt.

Die Milchsäurebakterien (Lactobacillen) sind grampositive anaerobe aber meist aerotolerante Bakterien. Sie bauen im Energiestoffwechsel des Menschen  Milchzucker (Laktose) zu Milchsäure ab und ist damit der letzte Schritt der Glykolyse, in dem Pyruvat durch Lactatdeyhdrogenase zu Lactat (Salz der Milchsäure) reduziert wird.   Der Herzmuskel deckt seinen Energiebedarf zu 90 % aus dem Milchsäurestoffwechsel.

Vorkommen Milchsäurebakterien (ca. 200 Stämme) gehören zu den wichtigsten Vertretern des menschlichen Verdauungstraktes (hauptsächlich im Dünndarm), sowie der Vaginalflora.  Als natürlicher Bestandteil  von Haut und Schleimhäuten fungieren sie als Säureschutzmantel und regulieren so deren pH-Wert.  Des Weiteren kommen sie in Milch und Molkereiprodukten sowie in milchsauer vergorenem Gemüse vor.   Die beiden Hauptordnungen sind die Lactobacilliales  und die Bifidobacteriales. Erstere gehören zur Klasse der Bacilli  und zweitere zur Klasse der Actinobacteria.

 

Rechtdrehende und linksdrehende Milchsäure

Milchsäure kommt in zwei Formen vor. Diese unterscheiden sich durch die räumliche Anordnung einer OH (Hydroxyl = Wasserstoff/Sauerstoff) – Gruppe am mittleren C-Atom (Kohlenstoff) und werden als L (+) oder D (-) Milchsäure bezeichnet.

Beide Milchsäuren sind chemisch zwar gleich, zeigen aber ein anderes physikalisches und pharmakologisches Verhalten. So dreht die L-Form das polarisierte Licht nach rechts (+) und die D – Form nach links (-). Solche Verbindungen nennt man Enantiomere.

 

Michsäurebakterien und Immunsystem

Die antimikrobielle Wirkung beruht auf der Bildung von Wasserstoffperoxid, das zusammen mit Thiocyanat (gebundene Blausäure) antimikrobiell wirksame Oxidationsprodukte bildet.  Durch die Zufuhr von Milchsäurebakterien werden sowohl humorale Abwehrfaktoren (Immunglobuline, Interferone und Interleukine) als auch zellulären Immunmechanismen (Makrophagen

und B-Zellen) beeinflusst.  Bestimmte Milchsäurebakterien fördern auch die Sekretion der Antikörper (Immunglobuline). Über 70 % der im darmassoziierten Immunsystem gebildeten und als Immunantwort ins Darminnere abgegebenen Antikörper zählen zur Klasse der IgA-Antikörper. Sie werden sekretorisches IgA (sIgA) genannt. Dieses sIgA neutralisiert Bakterientoxine, schützt vor vi

ralen Infektionen und verhindert bakterielle Infektionen. Zudem bindet sIgA oral aufgenommene Antigene und verhindert so deren Durchtritt durch die Darmwand. Eine Infektion wird dadurch abgeblockt.

 

Milchsäurebakterien bei Krebs

Die Aktivierung des Immunsystems spielt u. a. auch eine Rolle bei der antikanzerogenen Wirkung der Milchsäurebakterien, da durch die Stimulation des Immunsystems auch die Tumorabwehr gestärkt wird. Zudem konnte in einigen Untersuchungen bewiesen werden, dass verschiedenen Enzyme von Dickdarmbakterien (ßGlucosidase, ß-Glucoronidase, Azoreduktase, nitroreduktase und 7-α- dehydroxylase), die Prokarzinogene aktivieren und dadurch mit Kolonkrebs in Zusammenhang gebracht werden, durch Milchsäurebakterien in ihrer Aktivität gehemmt werden. Auch verschiedene Mutagene, wie das Nitrit, das im Magen-Darm-Trakt zu den kanzerogenen Nitrosaminen umgewandelt wird, können von Milchsäurebakterien im Darm gebunden und damit inaktiviert werden. Da ein maligner Tumor hohe Mengen an L(+) Milchsäure bildet und nicht die linksdrehende, wie Otto Warburg fälschlicherweise meinte, wäre eine Co-Therapie mit einer homöopathischen Dosis von L(+) Milchsäure zu überlegen. Andererseits führt die L(+) Ms zu einer erhöhten Zellatmung.

 

Therapeutische Indikationen für Milchsäure

 

  • Durchfall und Durchfallprophylaxe
  • nach Antibiotikabehandlung zur Wiederherstellung des Darmmilieus
  • Allgemein bei Störungen der Darmflora (Indikator: pH vom Kot > 6,5)
  • Pränatale Allergieprophylaxe
  • Magengeschwür (durch Hemmung von Heliobacter Pyloris)
  • Pilz- und Hefe- Infektionen (Mycosen)
  • Magendrücken
  • Akne (Kosmetik)
  • Varroa Milbe (Bienen)
  • Verstopfungen, Blähungen, Völlegefühl
  • Krebs
  • Infektionen des Harntraktes
  • Infektionen der Vaginalschleimhaut (Trichonomaden, Hefen, Candida)
  • Wachstumshemmung verschiedener Bakterien und Viren im Darm
  • Colitis ulcerosa, Morbus Crohn
  • Schlecht heilende Wunden

Sinnvolle Dosen für die Wiederherstellung des physiologischen Darmmilieus liegen zwischen 300 Millionen und 7 Milliarden Lactobazillen täglich!

 

Weitere Informationen zum Thema Milchsäure findet man in unserem Gesundheitsjournal zum Download

Gesundheitsjournal Milchsäure