Seit Jahren fällt mir eine Entwicklung auf, die mir zu denken gibt. Gerade älteren Menschen raten Ärzte, den Cholesterinspiegel im Blut weit unter 200 mg/dl zu drücken. Da Cholesterin ein maßgeblicher Baustein des Myelins ist und dieses als wichtiger Bestandteil des Gehirns und der Nerven fungiert, ja sogar ca. 3 Prozent der Hirnmasse ausmacht, fragt man sich, ob ein niedriger Cholesterinspiegel nicht ein Puzzlestein für Demenz sein kann?

Viele Ärzte verordnen gerade bei Bluthochdruckpatienten Cholesterinsenker, um den Wert auf 120 – 180 mg/dl zu senken. Ich halte das für fatal. Oft beachten die Kollegen auch nicht, dass gerade ältere Menschen einen höheren Cholesterinwert benötigen, denn die Regenerationsfähigkeit der Myelinschicht nimmt im Alter ab. Auch übersehen sie, dass nicht der Gesamtcholesterinwert maßgebend ist, sondern der HDL-Wert. Liegt dieser nämlich weit über 36 mg/dl, ist das ein Zeichen für eine gute natürliche Regulation. Ein Gesamtwert von Cholesterin bei älteren Menschen von 280 mg/dl und einem HDL von etwa 59 mg/dl ist da völlig unbedenklich.

Das hauptsächlich aus Cholesterin bestehende Myelin umhüllt als Biomembran Nervenfasern und bewirkt so deren elektrische Isolation, schützt sie vor Fremdreizen, sorgt gleichzeitig für eine eigene rasche Reizleitung und ermöglicht eine effiziente Kontrolle der Körperhaltung, genauso wie es höhere Denkleistungen gewährleistet.

Ohne die Myelinisierung wäre eine komplexe Hirnleistung auf so kleinem Raum vollkommen unmöglich. Auch der Sehnerv enthält etwa 2 Millionen myelinisierte Nervenfasern.

Das fast vollständige Fehlen von Myelin kann zu ständigem Zittern und Koordinationsstörungen bis hin zum Tod führen, wie Untersuchungen an Versuchstieren zeigten. (Nature Neuroscience, April 8 (4):468-75. 2005)

Wichtig ist, dass gerade im Alter die Regeneration von Myelin angeregt und überhaupt möglich ist, wozu Cholesterin dringend benötigt wird. Cholesterin wird einerseits in vielen Organen des Körpers selbst hergestellt und andererseits aus der Nahrung aufgenommen.
Das Gehirn nimmt dabei eine Sonderstellung ein, denn es synthetisiert sein gesamtes Cholesterin eigenständig und ist somit vollkommen unabhängig vom Cholesterinstoffwechsel des übrigen Körpers, also auch von der Nahrung.

Man stellte jedoch fest, dass gewisse BCAS1-positive Oligodendrozyten steuernd auf die Regeneration geschädigter Myelinscheiden wirken. Ist die Cholesterinsynthese allerdings gestört, wie es im Alter vorkommen kann, konnte in Versuchen nachgewiesen werden, dass die Oligodendrozyten „von außen“, sprich von anderen Gehirnzellen, Cholesterin aufnehmen konnten, anstatt, wie gewohnt, ihren immensen Bedarf an Cholesterin durch Eigenproduktion zu decken.

Werden aber ständig Cholesterinsenker eingenommen, wird der Blutspiegel an Cholesterin ständig so niedrig gehalten, dass der hohe Bedarf an Cholesterin von Lieferzellen nicht ausreichend in die Myelinscheiden gelangen können. Die Regeneration ist gestört und die Funktion der Myelinscheide verringert.

Demenz und Cholesterin

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